„Wollt ihr einen schnellen Song oder einen langsamen?“ – „Schnell!“

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Traditionelle Blasmusik, Hip-Hop, Ska, Reggae, Funk und Jazz: Die Musik von LaBrassBanda geht unter die Haut.
Traditionelle Blasmusik, Hip-Hop, Ska, Reggae, Funk und Jazz: Die Musik von LaBrassBanda geht unter die Haut. (Foto: Christian Reichl)
Christian Reichl

Knapp 3000 Brass-Fans von nah und fern sind zum Auftakt der ersten „World Blasmusik Days“ am Freitag nach Burgrieden gekommen. Den Höhepunkt des Abends bildete der Auftritt der Band LaBrassBanda, die mit ihrem „Alpen Jazz Techno“ (Selbstbezeichnung) die Menge in Ekstase versetzte.

„Wir sind um 13 Uhr angekommen, da war der Campingplatz schon gut gefüllt und die Party lief bereits“, sagt Besucher Georg hinsichtlich des Ansturms von Blasmusikfreunden auf das neue Festival. Wer nicht gerade vor der Bühne zur Musik der „Cäcilia“ Burgrieden, von Blechbries’n, Blechexpress oder Muckasäck feiert, der stimmt sich auf dem Zeltplatz auf die Acts ein. Dabei haben sich die Gäste das Motto der Veranstalter – „Beats, Bier, Blasen, Brass“ – zu Herzen genommen. Aus großen Boxen schallt der Sound der Neuen Volksmusik, immer wieder ertönt „Ein Prosit“, auf einer Trompete gespielt, durch die Reihen, und das flüssige Brot läuft anständig.

Zum Auftritt des Oktetts Fättes Blech strömen dann immer mehr Menschen zur Bühne. Die Jungs vom Bodensee haben sich regionale Bekanntheit verschafft und begeistern ihre Fans mit einem Mix aus Hip-Hop, Rap und Reggae, der mit Elementen aus Pop, Jazz und Funk angereichert wird. Ausgelassen tanzen die Besucher zu Klassikern, die musikalisch zu Medleys geschmiedet werden.

Salz auf der Zunge

Im Anschluss betreten die Musiker von Impala Ray die Bühne. Im Gepäck haben sie ihr neustes Album „From the valley to the sea“, das die Zuhörer mitnimmt auf eine Reise an die sonnigen Küsten Kaliforniens. Wer einen Moment innehält und die Augen schließt, spürt eine sanfte Meeresbrise und meint Salz auf der Zunge zu schmecken. „Jetzt gibt’s a bissl ‚Bay Folk’ ins G’sicht!“, ruft der Münchner Frontmann Rainer Gärtner. Gut gelaunt tänzelt er über die Bühne und singt unbeschwert Lieder über Freiheit und Freundschaft.

Die Mischung aus Hippie-Life-style der 60er-Jahre und Volksmusik in bayrischer Tradition kommt gut beim Publikum an. Eine Tuba übernimmt die Rolle des E-Bass, das Hackbrett sorgt für sphärische Klänge im Stile eines Synthesizers – aber eben analog. Drums und Trompete fügen sich nahtlos ein. Abgerundet wird dieses musikalische Potpourri durch die Stimme und das Gitarrenspiel Gärtners.

Sehnsüchtig warten die immer zahlreicher werdenden Zuschauer auf ein besonderes Highlight: den Auftritt der elfköpfigen Gruppe The Busters. Als Freizeitprojekt gestartet, gehören die Musiker inzwischen zu den bekanntesten deutschen Ska-Bands. „Wenn ihr Ska hören wollt, seid ihr hier an der richtigen Adresse“, brüllt Sänger Dr. Ring-Ding – mit bürgerlichem Namen Richard Jung – dem Publikum zu. In der Menge herrscht bereits ausgelassene Stimmung. Mit erhöhter Schlagzahl wird zum Offbeat von Songs wie „She said“, „Liebe macht blind“ und „Rosita“ getanzt.

1987 ins Leben gerufen, orientierte sich die Gruppe an den britischen Idolen des 2-Tone-Ska wie Madness, The Selektors und The Beat, was beispielsweise im Song „The best of times“ thematisiert wird. Am Ende hält Jung noch eine politische Botschaft für seine Zuhörer bereit: „Die Ereignisse in Chemnitz haben gezeigt, dass die Mitte der Gesellschaft sich gegen den Hass stellen muss. Steht auf gegen das braune Pack, das garantiert nicht das Volk ist.“

Kurz vor 22 Uhr ist es soweit: LaBrassBanda, der Top-Act des Abends, betritt die Bühne. Auf dem Festivalgelände herrscht Hochbetrieb, es wird gegessen, getrunken, gelacht und getanzt, selbst die Ränder des Platzes vor der Bühne sind mit Menschen gesäumt. Mit frenetischem Jubel heißen die Menschen Frontmann Stefan Dettl und seine Kollegen in Burgrieden willkommen.

Hochexplosive Melange

Nach den ersten Takten ihres Hits „Ujemama“ steht kein Fuß mehr still und die Masse bewegt sich rhythmisch zum Brass-Sound der sympathischen Bayern. Die hochexplosive Melange aus traditioneller Blasmusik, Hip-Hop, Ska, Reggae, Funk- und Jazzmusik geht unter die Haut und die eingängigen Texte in bayrischer Mundart, die sich um den Alltag und manchmal auch die Tristesse des Landlebens drehen, tun ihr Übriges.

Keine Spur von Starallüren: LaBrassBanda wirken auf dem Boden geblieben, und das spüren die Fans. „Ihr müsst alle aufeinander aufpassen. Wenn jemand zu Boden geht, soll er die Hand heben, dann hören wir kurz auf zu spielen und ihr hebt denjenigen wieder auf“, sagt Sänger und Trompeter Dettl. Tatsächlich unterbricht die Band ein paar Mal ihr Spiel, um wieder für geordnete Verhältnisse zu sorgen.

„Wollt ihr einen schnellen Song oder einen langsamen?“, ruft der Frontmann ins Publikum. Die Antwort ist eindeutig: schnell! Daraufhin gibt’s (O-Ton Dettl) den schnellsten LaBrassBanda-Song im Repertoire: „Autobahn“. Die Menge feiert den Song ekstatisch, ebenso die Kracher „Nackert“ und „Bauwagen“.

Eine Botschaft an das Publikum haben auch die Jungs von LaBrassBanda noch: „Tragt den Spirit von heute hinaus in die Welt. Wir brauchen ein Miteinander, kein Gegeneinander.“

Im Anschluss schmettern Django S einen Mix aus Punk, Rock’n’Roll, Mundart, Balkan Beats und bayrischer Lässigkeit und sorgen für einen würdigen Abschluss des ersten Festivaltags.

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