Wo sich Indianer und Banditen bewerben

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Sonja Niederer

Auch in der siebten Saison ist die Anziehungskraft der Burgrieder Festspiele ungebrochen: Das verdeutlichte die Anzahl der rund 50 Teilnehmer beim Statisten-Castings, das am Samstagnachmittag im Burgrieder Rathaus stattgefunden hat. In der Zeit vom 4. Juli bis zum 12. September wird die Inszenierung „Old Surehand“ auf dem Festspielgelände in Bühl gezeigt. Insgesamt sind 35 Aufführungen geplant.

Ungefähr die Hälfte der Casting-Teilnehmer hat schon einmal bei den Festspielen mitgewirkt, sagte Geschäftsführerin Claudia Huitz. Die Übrigen waren Neulinge, die es sich gut vorstellen können, als Bandit, Indianer oder Siedler für eine belebte Kulisse bei „Old Surehand“ zu sorgen.

Und dazu muss man nicht unbedingt Karl-May-Fan sein, denn wie die Nachfrage von Regisseur Michael Müller zeigte, hatten nur ein paar der Anwesenden schon die Bücher von Karl May gelesen oder die Verfilmungen gesehen. Nur ein paar wenige Finger, vorwiegend bei älteren Bewerbern, schnellten in die Höhe.

Die Begeisterung, einmal bei einem so beeindruckenden Bühnenerlebnis mitzumachen, überwog – beispielsweise bei Joey-Madeline Laub aus Laupheim, die zum ersten Mal am Casting teilnahm. Sie spiele gerne Theater und mache seit drei Jahren Kampfsport bei den 24th-Trickstern in Laupheim, erzählte sie.

Im Galopp über die Bühne

Erfahrener hingegen ist der 17-jährige Leven Luppold aus Burgrieden. Er spiele schon von Anfang an mit und hätte im vergangenen Jahr sogar eine kleine Sprechrolle als „Schneller Wind“ gehabt. Weil ihm das Ganze immer viel Spaß gemacht hat, bewirbt er sich auch dieses Mal wieder. Feuer gefangen hat auch seine Freundin Fenia aus Schwendi, die sich das erste Mal beworben hat. Beide können reiten und wären auch dazu bereit, bei Angriffsszenen über die Bühne zu galoppieren.

Wenn jugendliche Bewerber eine Rolle bekommen, ist oft die ganze Familie mit im Boot – dies zeigt das Beispiel von Angelika Häger aus Ehingen: Vater, Mutter und Schwester waren beim Casting zur moralischen Unterstützung dabei. Sie alle seien von Anfang an begeisterte Festspielbesucher, erzählten Harald und Monika Häger. Schon als kleines Mädchen hätte ihre Tochter Angelika fasziniert zugeschaut. Im vergangenen Jahr habe sich der Wunsch konkretisiert, auch einmal mitzuspielen. Sie reite schon seit sieben Jahren, berichtete die 13-Jährige, die sich auch zutraut, eine Reiterrolle zu übernehmen. Wenn es für Angelika klappt. würde sich die ganze Familie riesig freuen.

Teamfähigkeit ist gefragt

Zu Beginn des Castings gab Regisseur Michael Müller einen Überblick über den Inhalt des Stücks „Old Surehand“ und darüber, was er von den Darstellern erwartet. Die Theaterproduktion verlange von allen Teamfähigkeit und die Bereitschaft, auch außer der Schauspielerei Aufgaben zu übernehmen. Gewünscht sei auch – bei allem lockeren und freundschaftlichen Miteinander – die Akzeptanz der von der Spielleitung aufgestellten Regeln und Bedingungen. So sei es zum Beispiel nicht möglich, während der Spielzeit in den Urlaub zu fahren, so Müller. „Die ganze Inszenierung hat einen einstudierten Ablauf, sodass es auf jeden Einzelnen ankommt.“

Wichtig sei es auch, körperlich fit zu sein. „Wir spielen bei jedem Wetter“, sagte Müller. Das beinhalte auch, mal bei 30 Grad für längere Zeit in der Sonne auf der Bühne zu stehen. „Man muss sich bewusst sein, dass das alles sehr anstrengend werden kann.“

Nach dem formellen Teil, waren die Bewerber aufgefordert, an einem Bewegungsspiel teilzunehmen. Dabei bekamen die Statisten in spe schon einmal einen Eindruck davon, was es heißt, hautnah von der Kamera begleitet zu werden. Regisseur Müller gab verschiedene Situationen vor, in die sich die Bewerber hineinversetzen und dies in ihrer Mimik oder in ihren Bewegungen ausdrücken sollten.

Ob sie zu den 25 benötigten Statisten gehören, erfahren alle Bewerber allerdings erst in ungefähr zwei Wochen, wenn die Auswertung der Fragebögen und des Bewegungs-Castings abgeschlossen sind.

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