Wertevermittlung, Action, Spannung und Humor

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Sie freuen sich schon jetzt auf die neue Spielsaison mit „Winnetou II“: (von links) Daniela Luppold (Kostüme), Mike Dietrich (T
Sie freuen sich schon jetzt auf die neue Spielsaison mit „Winnetou II“: (von links) Daniela Luppold (Kostüme), Mike Dietrich (Textbuch und Regie), Claudia Huitz (Geschäftsleitung). (Foto: Kurt Kiechle)
Schwäbische Zeitung

Wann auch immer der gebürtige Berliner Mike Dietrich im oberschwäbischen Burgrieden weilt, ist die Freude beim Team der Festspiele Burgrieden groß. Gute Stimmung herrscht derzeit einmal mehr vor – der 51-Jährige stellt dieser Tage der Geschäftsführerin Claudia Huitz sein schon weit gediehenes Textbuch für das Karl May-Abenteuer „Winnetou II“ vor, das im kommenden Jahr bei insgesamt 34 Veranstaltungen über die Freilichtbühne „Am Flugplatz“ bei Burgrieden geht. SZ-Mitarbeiter Kurt Kiechle hat sich mit dem Textbuch-Autor, Regisseur, Schauspieler und quasi „Mädchen für alles“ über die neue Spielsaison unterhalten.

Herr Dietrich, unter den Mitarbeitern der Festspiele hört man öfter sagen: „Nach den Festspielen ist vor den Festspielen“. Was sagen Sie dazu?

Das ist in der Tat richtig. Schon während der laufenden Saison macht man sich Gedanken für die kommende Spielzeit. Es ist jedes Mal eine Herausforderung, eine solche Inszenierung zu veranstalten. Rechtzeitige Planung ist daher sehr wichtig. Erfahrungswerte gibt es ebenfalls umzusetzen.

In der Inszenierung der Romanvorlage „Winnetou II“ führen Sie bereits zum vierten Mal Regie. Hat man Sie dazu überreden müssen oder stand das von Anfang an fest?

Wenn Sie die Arbeit als Regisseur meinen, dann ist das eher ein gemeinsamer Prozess. Letztlich haben wir dieses Projekt „Festspiele Burgrieden“ zusammen geplant und umgesetzt. Jeder kennt seinen Bereich und vertraut auf den Partner. Von Anfang an war klar, dass meine Aufgabe der gesamte künstlerische Bereich ist, von der Idee zur Planung und Umsetzung. Wenn Sie die Entscheidung für die Romanvorlage „Winnetou II“ meinen, ist es eher ein Prozess, der stattfindet. Eine gewisse chronologische Reihenfolge der Karl-May-Abenteuer gilt es einzuhalten. Weiterhin muss überlegt werden, welche Romanvorlage sich tatsächlich relativ gut für eine Freilichtproduktion eignet. „Winnetou II“ zählt da eher zu den etwas schwierigen Vorlagen.

Wie weit sind die Vorbereitungen schon gediehen, kommt es wieder zu einem Casting?

Die erste Vorlage des Textbuches ist fertig und wird nunmehr vorgestellt. Die Hauptcharaktere stehen fest. Weiterhin benötigen wir für jede Inszenierung ein entsprechendes Bühnenbild. Im Geiste stelle ich mir die einzelnen Handlungsorte vor, die Zeichnungen hierfür sind mit der Geschäftsführung abgesprochen worden und bereits fertig. Wir haben ein Casting für die zweite Januarwoche für alle Hauptrollen angesetzt und schon viele Bewerber.

Können Sie im Wesentlichen auf die Besetzung 2016 zurückgreifen, vor allem was die Hauptdarsteller betrifft?

Grundsätzlich gibt es Rollen, die nicht unbedingt ständig neu besetzt werden sollten. Hauptrollen sind für eine erneute Inszenierung immer sehr verschieden in ihrer Art, ihrer Charaktere. Es wird deshalb auch „neue Gesichter geben“.

Werden sich das Bühnenbild und die Kulissen nennenswert ändern?

Ja, es wird einige Veränderungen geben.

Ist der Erzähler Helmut Kraus aus Hamburg wieder mit von der Party?

Helmut ist ein wichtiger Bestandteil meiner Inszenierung und ein lieber Freund. Wir kennen uns schon seit unserer gemeinsamen Zeit bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg. Es war für mich immer klar, dass er den Besuchern meine Geschichten mit seiner unverkennbaren Stimme näher bringt. Ich hoffe hier noch auf eine lange Zusammenarbeit.

Halten Sie auch beim neuen Stück am Mix der vergangenen Spiele fest: viel Action und Spannung, aber auch gefühlvolle Szenen, eine gute Portion Humor und nicht zu vergessen, Wertevermittlung?

Ein ganz klares Ja! Wissen Sie, gerade die Wertevermittlung ist mir wichtig, die ich in meinen Inszenierungen dem Publikum zu vermitteln suche, um zum Nachdenken anzuregen. Aber auch Action und Spannung werden neben dem Humor wieder reichlich vorhanden sein.

In Ihren Drehbüchern haben Sie bisher mehr Frauenrollen eingebaut, als dies in der Romanvorlage oft der Fall ist. Gilt dies auch für die neue Geschichte?

Bei der Romanvorlage „Winnetou II“ ist gerade im zweiten Teil von „Ribanna“ die Rede. In unserer Darstellung werden wir sie sehen, mit ihr fühlen und bangen. Also dieses Mal eine wirkliche Frauenrolle, die ich nicht erst erfinden muss (lacht).

Die Sondervorführungen für gehörlose Menschen haben viel Resonanz gefunden. Bleibt dieses Angebot mit Gehörlosen-Dolmetscherinnen auch 2017 erhalten?

Das ist auch in der kommenden Saison geplant.

Wie viele Darsteller, Reiter, Pferde sind bei „Winnetou II“ im Wortsinne im Spiel?

Ähnlich so viele wie in den vergangenen Vorführungen: um die 15 bis 20 Pferde und zirka 60 Ensemblemitglieder.

Die Autogrammstunden und Fototermine nach den Vorstellungen haben beim Publikum Gefallen gefunden. Soll das weiterhin so bleiben?

Auch das ist geplant. Es ist ja gerade die Nähe zum Publikum, die uns wichtig ist. Dabei erfährt man so viel. Lob oder leichte Kritik unterstützen uns in unserer Arbeit.

Könnten Sie und die Geschäftsleitung sich vorstellen, auch mal mit einer Historiengeschichte, Heldensage und Ähnlichem auf die Bühne zu gehen. Oder bleibt es bei den Karl-May-Klassikern?

Alles ist denkbar. Aber solange die Besucher auf meine Frage „Was spielen wir im nächsten Jahr?“ mit „Karl May“ antworten, sollten wir darauf hören, oder? (lacht). Aber denkbar ist auch eine zusätzliche Spielzeit – wer weiß.

Sie haben einmal gesagt, dass Ihre Ideenkiste prall gefüllt ist. Ist dem heute noch so?

Ja, ich habe noch viele Ideen. So viele Geschichten gilt es noch zu erzählen, so viele Figuren noch zum Leben zu erwecken. Allein nur die Karl-May-Abenteuer – wir wären damit noch Jahre beschäftigt.

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