Vom Tellerwäscher zum Winnetou-Darsteller

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Ivica Zdravkovic steht ab Samstag als Winnetou auf der Bühne in Burgrieden.
Ivica Zdravkovic steht ab Samstag als Winnetou auf der Bühne in Burgrieden. (Foto: Barbara Braig)
Schwäbische Zeitung
Redaktion Laupheimer Anzeiger

Früher hat Ivica Zdravkovic Pizzen ausgeliefert, Teller gewaschen und Schlangen gefangen. Heute sorgt er mit seiner Silberbüchse bei den Festspielen Burgrieden für Gerechtigkeit.

Noch hat „Paddy’s Saloon“ geschlossen, drehen die Pferde auf der Koppel träge ihre Runden in der Mittagshitze. Das Bassin, das zur Premiere am Samstag die versteckte Ölquelle darstellen soll, ist noch leer, doch immerhin offenbart das Schild am kleinen Gemischtwarenladen mit den blauen Fenstersprossen schon, was den Menschen im Wilden Westen am wichtigsten ist: Bier, Wein, Spirituosen und Tabak. Am Wochenende feiert hier auf der Bühne am Bastelwald das Karl-May-Stück „Winnetou und der Ölprinz“ Premiere, und der große Indianerhäuptling sitzt in der Sonne und bittet zur Audienz.

Ursprünglich wurde er als Stuntman gecastet

Ivica Zdravkovic sieht auch ohne Maske und Indianerkleidung aus, als wäre er einem Karl-May-Buch entsprungen: Hohe Wangenknochen, tief gebräunt, feingliedrig und mit langem, schwarzen Haar. Ab Samstag kämpft er Wochenende für Wochenende auf der Freilichtbühne Burgrieden als Winnetou gegen die Bösen. Dabei wurde er ursprünglich eigentlich als Stuntman gecastet. „Aber als er aus dem Auto stieg, war uns sofort klar: Das ist unser Winnetou“, erzählt Claudia Huitz, die Geschäftsführerin der „Festspiele Burgrieden“.

„Ich fand Indianer schon immer faszinierend“, sagt der 38-Jährige, der in Deutschland geboren wurde. Dass er jetzt den berühmtesten Leinwand-Indianer aller Zeiten spielen darf, macht ihn stolz, auch, weil er eine besondere Verbindung zu dieser Figur hat. „Ich bin ein Gastarbeiterkind“, erzählt Zdravkovic. Als kleiner Dreikäsekoch war einer der ersten Filme, die er sah, „Winnetou I“.

Früher hat er Schlangen gefangen statt Playstation zu spielen

„Mein Nachbar hatte den Streifen als Super-8-Film, die Leinwand hing im Hausflur. Da saß ich dann auf der Treppe und habe mitgeschaut.“ Es prägte den kleinen Ivica, der einen Teil seiner Kindheit bei den Großeltern in Jugoslawien verbrachte. „Mein Opa war Jäger. Wir hatten keine Playstation, dafür lernte ich, wie man Schlangen fängt.“ Abwechslung bot das örtliche Kino, und mit jeder Vorstellung wuchs in dem Jungen der Wunsch, einmal selbst zum Film zu gehen.

Mit acht oder neun kam Zdravkovic zurück nach Deutschland. „Ich sprach kein Deutsch, hatte keine Freunde. Jeden Tag nach der Schule habe ich Videos geschaut.“ Durch die Filme lernte er die Sprache; Kinohelden wie Rocky oder eben auch Winnetou wurden seine Vorbilder. Männer, die ihren Weg unbeirrt gehen, die für ihre Ziele eintreten – wie Ivica Zdravkovic. Der wollte immer noch zum Film, egal wie. „Mir wurde nichts geschenkt“, erinnert sich der Schauspieler. „Ich habe als Tellerwäscher und als Pizzabote gearbeitet, aber ich habe immer daran geglaubt, dass ich mir meinen Traum erfüllen kann.“

Zdravkovic war Stuntman für Cobra 11 und Motorradcops

Deshalb ist Zdravkovic Stuntman geworden, hat für Serien wie Cobra 11 oder die Motorradcops gearbeitet. Seine Spezialität: Feuerstunts. „Ich brenne gerne“, sagt er, und das klingt, als sei es das Normalste auf der Welt. So ist er als „menschliche Fackel“ aus 60 Metern Höhe Bungee gesprungen. Wer denkt, dass so ein Job etwas für Draufgänger sei, irrt sich. Übermut und Arroganz seien da fehl am Platz, weiß der Profi. „Man muss Respekt haben. Feuerstunts werden nie zur Routine, da gibt es nichts Hundertprozentiges.“ 80 Prozent Vorbereitung, Planung und Arbeit seien vonnöten.

Neben den Stunts hat Ivica Zdravkovic auch schon in so mancher Bühnen- und Filmproduktion als Darsteller mitgewirkt, meist in kleineren Rollen. „Ich war oft der Bösewicht“, sagt er schmunzelnd. „Ich habe schon eine Bank überfallen, wurde verhaftet und erschossen.“

Jetzt spielt er den Helden, und darüber freut er sich. „Claudia Huitz und Mike Dietrich haben mir diese Möglichkeit gegeben, und dafür bin ich sehr dankbar. Sie sind für mich wie gute Geister aus der Flasche“, sagt Ivica.

Doch auch für das Festspiele-Team ist Zdravkovic ein echter Glücksgriff. Denn der Hauptdarsteller koordiniert zugleich auch die Stunt- und Actionszenen, ist nach Aussage seiner Kollegen ein echter Teamarbeiter. Lampenfieber hat „Winnetou“ übrigens keins. „Ich freue mich einfach auf die Premiere“, sagt er. Und noch ein bisschen mehr auf den 8. Juli. Dann haben die beiden Kinder des Alleinerziehenden endlich Ferien und können ihren Papa live auf der Bühne im Kampf gegen den bösen „Ölprinzen“ erleben. Beides zusammen macht Ivica Zdravkovics Glück perfekt: „Nach der Geburt meiner Kinder ist diese Rolle das größte Erlebnis für mich.“

Wer mehr über Ivica Zdravkovic erfahren möchte, kann sich auf seiner Internetseite www.zi-stunts.de oder über Facebook informieren.

Karten für „Winnetou und der Ölprinz“ gibt es unter www.festspiele-burgrieden.de.

Karl-May-Festspiele Burgrieden

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