Schnell feiern alle ausgelassen mit

Lesedauer: 6 Min
Fetzige Musik, mitreißende Choreografie: Die Formation Jägermeister bestätigte ihren Ruf als Party- und Stimmungsband.
Fetzige Musik, mitreißende Choreografie: Die Formation Jägermeister bestätigte ihren Ruf als Party- und Stimmungsband. (Foto: Sonja Niederer)
Sonja Niederer

Wenn sich auch viele zu den „World Blasmusik Days“ besseres Wetter gewünscht hätten, der Stimmung taten die frischen Temperaturen keinen Abbruch. Das gilt auch für den Festival-Samstag.

„Hend ihr dr Glühweinstand scho g’funden?“, fragten die Jungs von Viera Blech ihre Fans. „Bei diesem Winter-Open-Air in Burgrieden.“ Auf jeden Fall sei das Wetter hier besser als in ihrer Heimat Tirol, trösteten sie sich.

Na ja, ganz so schlimm war es dann doch nicht. Denn zuvor hatte schon die Formation Jägermeister ihrem Ruf als Party- und Stimmungsband schlechthin Ehre gemacht und das Publikum aufgeheizt. Schlag auf Schlag folgten fetzige Interpretationen aktueller Hits und Party-Klassiker, mit einer mitreißenden Tanzchoreografie unterlegt. Diese Mischung sorgte für beste Stimmung vor der Bühne, keiner hielt lange still und schnell feierten alle ausgelassen mit.

Bekannt für erstklassige Blasmusik ist die Band Viera Blech. Die Musiker präsentierten etliche Eigenkompositionen, wie etwa den „Euphoria Parademarsch“, mit dem sie gleich zu Beginn schwungvoll überzeugten. „Let us entertain you“, lud Martin Scharnagel, Leiter der Band und Schlagzeuger, ein. „Jetzt dürfet ihr wieder tanza ond schunkla.“ Bei der Polka „Zeitlos“ kamen die Freunde der böhmisch-mährischen Musik voll auf ihre Kosten. Virtuos die Musiker, jeder für sich. So begeisterten auch die Solorunden. Ihre Ankündigung, das Festivalgelände in eine riesengroße Disco zu verwandeln, konnten Viera Blech bestens erfüllen. Mit einem stimmungsvollen „Sierra Madre“ verabschiedeten sie sich von ihren Fans.

Erst Festival, dann Hochzeitsfest

Aus weitem Umkreis hatten sich Blasmusikfans aller Altersgruppen in Burgrieden eingefunden, die meisten blieben die ganzen drei Tage da. Einige Heiratswillige nutzten das Festival, um ihren Junggesellen-/Junggesellinnenabschied zu feiern. Von Weitem schon erkennbar durch die rosaroten Luftballons war die Gruppe rund um Selina, die in drei Wochen heiratet. Ursprünglich stammt sie aus Dortmund; etliche Freundinnen hatten den weiten Anfahrtsweg nicht gescheut, um mit ihr ausgelassen zu feiern.

„Nach unserem Auftritt ist sicher keinem mehr kalt“, versprach Simmons, der Saxofonist der Band Brasserie . Mitgebracht hatten die zehn Musiker Brassmusik, oft aus eigener Feder. Da die Band ursprünglich aus Friedrichshafen stammt, durfte auch ein Bodenseelied nicht fehlen. In ihre Musik integrieren sie Hip-Hop-, Ska- und Reggae-Elemente. Eine Mischung, die den Nerv der Festivalgäste traf. Und ganz speziell für die vielen Bald-Hochzeiter, die auch der Band aufgefallen sind, gab es eine Hommage an den Sänger Bruno Mars, mit dem Song „Marry You“. Da leuchteten Handylichter, vereinzelt brannten Wunderkerzen.

Als „böhmische Geheimwaffe“ und „Fußballnationalmannschaft der Blasmusik“ wurde die Kapelle Josef Menzl von den Veranstaltern angekündigt, „Dia sehned doch schea aus“, bemerkte eine Festivalbesucherin und suchte sich einen Platz in den vordersten Reihen. Gemeint waren wohl auch die zünftigen Krachledernen und schicken Hüte der elf Musiker rund um Kapellmeister und Klarinettist Josef Menzl. Selbstzweifel liegen ihnen fern, bezeichnen sie sich in ihrem Internetauftritt doch als die definitiv drittschönste Kapelle nach den Rolling Stones und Motörhead. Bekannt ist die Kapelle vielen aus Auftritten im Fernsehen und Radio. Auch auf dem Münchner Oktoberfest spielt sie seit einigen Jahren regelmäßig auf.

Eigentlich hätten die Kapellen vor ihnen schon ihr Repertoire zum Besten gegeben, scherzte Josef Menzl. Deshalb müssten sie kurzfristig umstellen und auf ihr altes Programm zurückgreifen. So konnte sich das Publikum etwa an dem „Waldlermarsch“ oder dem „Feuerhäusl Schottischen“ erfreuen, danach wurde das erste „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ angestimmt, ganz nach bewährter Bierzelttradition.

Eine Spezialität von ihnen sei, Lieder, die nicht mehr so bekannt seien, wieder aufleben zu lassen, informierte Menzl, und schon erklang „Schau hi, do liegt a toter Fisch im Wasser“. Gerne sangen und schunkelten die Gäste mit, und die hochklassigen Instrumentalisten verzückten alle Freunde der urigen Mischung aus bayrischer und böhmischer Blasmusik.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen