„Inklusion ist unumgänglich“

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 Oliver Gutekunst
Oliver Gutekunst (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

In Kooperation mit der Biberacher Schule im Rißtal des Körperbehindertenzentrums Oberschwaben (KBZO) werden an der Grundschule (GS) Burgrieden seit dem Schuljahr 2018/2019 Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet. Der Burgrieder Schulleiter Oliver Gutekunst sieht in dieser besonderen kooperativen Organisationsform ein Erfolgsmodell. SZ-Mitarbeiter Kurt Kiechle hat beim Burgrieder Rektor nachgefragt, was es genau damit auf sich hat. Gleichermaßen zufrieden äußerte sich bei diesem Gespräch auch Andreas Baur, stellvertretender Schulleiter des KBZO, über das Zustandekommen und die fruchtbringende Zusammenarbeit.

Herr Gutekunst, wie viele Kinder aus der Schule im Rißtal lernen gemeinsam ganz im Sinne der Inklusion in der GS Burgrieden?

Es sind momentan neun Kinder in drei verschiedenen Klassen.

Vertragen sich die Kinder in der Regel gut miteinander oder kommt es hin und wieder zu Rangeleien?

Bisher konnten wir keine Form der Ausgrenzung erkennen.

In welcher Form erfahren die Kinder mit Handicap Hilfe und Unterstützung von ihren Klassenkameraden?

Wie eigentlich in Regelklassen auch, dass der eine dem anderen nach Bedarf hilft.

Gibt es eigentlich weitere Schulen im Landkreis Biberach, an denen in dieser Form unterrichtet wird?

In reinen Grundschulen meines Wissens nach nicht. An weiterführenden Schulen in Riedlingen und eventuell in Ummendorf. Aber da bin ich mir nicht sicher.

Haben sich die Lehrerinnen solcher „gemischter“ Klassen intensiv in Sonderpädagogik weitergebildet?

Da Sonderpädagogen immer vor Ort sind, ist immer Fachpersonal da. Die Grundschullehrer haben sich in Fortbildungen speziell zum Thema „Inklusion“ weitergebildet.

Wo liegen die Schwerpunkte des gemeinsamen Lernens?

Der Schwerpunkt liegt beim gemeinsamen Lernen. Kinder mit und ohne Handicap lernen gemeinsam. Es gibt keine Ausgrenzung.

Wie sieht der Stundenplan neben den klassischen Fächern wie etwa Deutsch und Mathematik, Sport und Schwimmen aus. Bleibt da noch genügend Raum für individualisiertes Lernen?

Ganz normaler Stundenplan für alle Kinder plus zusätzlich Zeiten für Ergotherapie und Physiotherapie von Fachpersonal. Durch den besonderen Personalschlüssel mit GS-Lehrerin, Sonderpädagogen, Ergo-Physiotherapeuten und FSLlern entsteht noch mehr Raum und Zeit für individualisiertes Lernen.

In sozialen Netzwerken werden, wie Ihnen hinreichend bekannt sein dürfte, unterschiedliche Meinungen zum Thema „Inklusion in Schulen“ vertreten. Was halten Sie ganz persönlich davon?

Inklusion ist unumgänglich, aber immer auch abhängig vom jeweiligen Kind und Umfeld. Außerdem gibt es einen Unterschied zwischen Einzel- und Gruppeninklusion. Damit Inklusion gelingt, muss auch eine gewisse „Willkommenskultur“ vorhanden sein.

Sie haben bereits erwähnt, dass sich die Kooperation zwischen GS Burgrieden und KBZO erfolgreich entwickelt hat. Woran machen Sie diesen Erfolg fest?

KBZO-Schüler profitieren von unterrichtlichen Inhalten. Regelkinder profitieren vom Personalschlüssel. Unterricht fällt fast gar nicht aus. Und alle profitieren vom sozialen Miteinander.

Von welcher Seite – GS Burgrieden oder KBZO – kam eigentlich der Anstoß zu diesem besonderen Schulterschluss?

Der Anstoß kam von der KBZO durch die bereits jahrelang bestehende Kooperation zum Kindergarten Sankt Alban Burgrieden.

Die von Eltern häufig gewünschte Einzelinklusion sei, so ist allenthalben zu hören, aus organisatorischen wie pädagogischen Gründen weder möglich noch sinnvoll. Wie ist das zu verstehen?

Auch abhängig vom jeweiligen Kind und Umfeld. GS-Lehrer sind meist nicht sonderpädagogisch ausgebildet. Unterstützung wenig und sehr begrenzt.

Auf einen Nenner gebracht, worin liegt aus Ihrer Sicht und Erfahrung das Bildungsziel der Inklusion?

Soziales Lernen für alle Kinder, Abbau von Ausgrenzung, Ermöglichung von Teilhabe.

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