„Holzwurm“ steht auf wackeligen Pfählen

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Setzrisse ziehen sich quer über die Außenfassade des Gebäudes, das der Gemeinde gehört: Andrea Piloto, Betreiber der Gaststätte „Holzwurm“, ist besorgt. Über einen Setzriss hat er ein Banner gespannt, damit dieser nicht unmittelbar sichtbar ist. Ursache für die Schäden sind die Holzpfähle, die das Gebäude tragen. Weil der Grundwasserspiegel schwankt, haben sie ihre Festigkeit verloren. Am Montag hat der Gemeinderat die Sanierung beschlossen.

„In den vergangenen Jahren sind immer mehr Risse aufgetaucht“, erklärte Bürgermeister Josef Pfaff. Diese dürfe die Gemeinde nicht länger ignorieren. „Wenn wir nicht handeln, besteht in absehbarer Zeit Einsturzgefahr.“ Paul Landthaler steht der Gemeinde als beratender Ingenieur zur Seite. Auch er betonte den Ernst der Lage: „Das Gebäude droht zu versacken.“

Zwei Varianten

Gegenüber dem Gemeinderat erklärte Landthaler, dass es zwei Möglichkeiten gebe, das Gebäude zu sichern. In beiden Fällen müssten rund 50 Pfähle in den Boden eingelassen werden. „Diese übernehmen die Funktion der alten Holzpfähle“, sagte der Ingenieur. Die Arbeiten könnten im Keller des Gebäudes ausgeführt werden.

Bei der ersten Variante führen die Arbeiter die Pfähle neben den Wänden in den Boden, erklärte Landthaler. Dabei würden die Wandlasten über die Bodenplatte in die Pfähle geleitet. Der Vorteil in dieser Variante liege darin, dass er für das Gebäude relativ verträglich sei. Ein Nachteil: die Kosten in Höhe von 410 000 Euro. Bei Variante zwei werden die Einzelteile der Pfähle zunächst zusammengesteckt und nach und nach direkt unter der Mauer in den Boden gepresst. „Das funktioniert mithilfe einer Hydraulik“, so Landthaler. Um an die entsprechenden Stellen zu gelangen, müssten jeweils Teile der Wand aufgestemmt werden. „Sobald das Gebäude beginnt sich anzuheben, wissen wir, dass die volle Kraft auf den Pfählen liegt.“ Die Kosten für diese Variante: knapp 297 000 Euro.

Gemeinderäte äußern Vorbehalte

Laut Landthaler gilt für beide Varianten: „Sie stehen in keinem Lehrbuch und wurden für den vorliegenden Fall entwickelt.“ Es gebe keine verbindlichen Normen und Richtlinien. Deshalb bestehe das Risiko, dass nicht alles reibungslos klappt.

In der anschließenden Diskussion äußerten viele Gemeinderäte Bedenken. Landthaler bezog Stellung: Es bestehe keine Gefahr, dass Nachbargebäude in Mitleidenschaft gezogen werden. Außerdem sei es unproblematisch, wenn die Arbeiter während der Sanierung auf die alten Holzpfähle stoßen. Die neuen könnten direkt neben den alten in den Boden eingelassen werden. Die Frage, ob es nicht wirtschaftlicher sei, das Gebäude abzureißen und einen Neubau zu errichten, verneinte der Bürgermeister: „Das würde zusätzlich noch eine ganze Stange Geld kosten.“ Letztlich entschieden sich die Gemeinderäte für die kostengünstigere Variante – bei zwei Enthaltungen und zwei Gegenstimmen.

Mit der Sanierung könne frühestens im kommenden Februar begonnen werden, sagte Landthaler. Er rechne damit, dass die Arbeiten bis zu zweieinhalb Monate dauern. In dieser Zeit könne der Betrieb in der Gaststätte weitestgehend aufrecht erhalten bleiben. „Es kann sein, dass zunächst weitere Setzrisse entstehen“, fügte der Ingenieur hinzu. „Das hängt dann aber mit der Rückverlagerung der Lasten zusammen.“ Darüber muss sich Andrea Piloto, der Betreiber des „Holzwurm“, allerdings keine Gedanken machen. Denn: „Insgesamt ist das Gebäude nach der Sanierung stabil und standsicher“, versichert Landthaler.

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