Die Freiheit der Kunst verbindet

Lesedauer: 6 Min

In künstlerischer Verbundenheit: Marlis Schabacker-Bock und Pit Hülsmann. Sie stellen ihre Werke bis 22. Juni im Rathaus in Bur
In künstlerischer Verbundenheit: Marlis Schabacker-Bock und Pit Hülsmann. Sie stellen ihre Werke bis 22. Juni im Rathaus in Burgrieden aus. (Foto: Kurt Kiechle)
Kurt Kiechle

Der Kontrast zwischen den Objekten der diesjährigen Frühjahrsausstellung im Rathaus in Burgrieden könnte kaum größer sein. Hier Gemaltes, Gestaltetes, Geschriebenes, dort „wortgewaltige“ Holzskulpturen und hölzerne Sitzmöbel. Trotz des unterschiedlichen Genres ihrer Arbeiten verbindet die Künstler Marlis Schabacker-Bock und Pit Hülsmann etwas Entscheidendes: Die Liebe zur Natur, zum Gegenwärtigen, zum Bleibenden.

Während der „Holzarbeiter“ Hülsmann aus Orsenhausen schon einmal vor drei Jahren in der Rottalgemeinde ausgestellt hat, kam mit der Ulmerin Schabacker-Bock eine Künstlerin hinzu, die sich der Vielschichtigkeit ihrer Werke verschrieben hat. Neben Gemälden zählt dazu auch Figürliches, Interpretierungsmöglichkeiten liefert sie in Form von kleinen Gedichten und Sprüchen gleich selber mit. Und noch etwas Besonderes: Das ansprechende Rahmenprogramm der Vernissage gestaltete der Ehemann der Malerin und Gestalterin mit seiner Band „Ernis kleine Salonmusik“. Die Besucher bekamen Fetziges und Jazziges zu hören – und waren darüber begeistert.

Hauptamtleiter Andreas Munkes von der Gemeindeverwaltung begrüßte die beiden Künstler und zahlreiche Besucher zur Ausstellungseröffnung am Freitagabend. Das heutige Datum – Freitag, 13. – sei ein besonderes für zwei besondere Künstler. Pit Hülsmann aus Orsenhausen sei hier in Burgrieden wohlbekannt, im Frühjahr 2015 habe er bereits die Ausstellung „Worte zwischen Baum und Borke“ präsentiert und damit beeindruckt. Dieses Mal liege der Schwerpunkt seiner Werke auf Sitzmöbeln, wobei er unter anderem einen gemeindeeigenen Birnbaum verarbeitet habe. Zu Marlis Schabacker-Bock sagte Munkes in charmanter Weise, die Künstlerin sei etwa im Raum Ulm keine Unbekannte. Für sie gelte, Kunst schaffen, ausstellen und „sich offenbaren“, auch innerste Gefühle und persönliche Gedanken. Etliche, teilweise von ihr verfassten Texte auf Täfelchen, begleiteten die Ausstellungsexponate.

Kunstwerke voller „FreiRäume“

Dass der Laudator Stefan Kümmritz von der Kunstzone Neu-Ulm die Künstlerin und ihre Kunst sehr gut kennt, erschloss sich den Zuhörern sofort. „FreiRäume“ nenne sich die Ausstellung, in der Gemaltes, Gestaltetes und Geschriebenes geboten werde. So würden die Kunstwerke der heutigen Akteure hier eben diese Freiräume beherbergen. Sie leben die Freiheit der Kunst, Marlis Schabacker-Bock beispielsweise auch mit dem kunstvollen Bemalen von Tetra-Milchtüten und Pit Hülsmann mit seinen stimmigen Holzfiguren und -möbeln.

In einem kurzen Abriss beleuchtete der Laudator Beruf, Familie und die Leidenschaft der gebürtigen Lübeckerin Marlis Schabacker-Bock für die bildende Kunst. Ihr Ideenreichtum kenne keine Grenzen. „Sie malt vorwiegend mit Acrylfarben, fertigt aus verschiedenen Materialien kleine Skulpturen und Collagen und übt sich in der Recyclingkunst und Tetra-Art“, begeisterte sich Kümmritz mit Kennerblick. Ihn erstaunte ebenso die Tatsache, dass die studierte Soziologin und Psychologin sich auch sehr viel mit den Menschen und deren Seelen auseinander setze und ihnen eine ganz eigene Würde verleihe. Wichtig erscheine ihr das Ausprobieren und Experimentieren, dabei möchte sie den Blick für das Wesentliche schärfen. Unter diesem Aspekt, so der fachliche Ratschlag von Stefan Kümmritz, sollten sich die Besucher bei ihrem Rundgang durch die Ausstellung die Werke der sympathischen Künstlerin betrachten.

Pit Hülsmann, der gebürtige Westfale und im Schwabenland längst angekommen, arbeitet nicht mit Farbe, Pinsel und Spachtel, sondern mit der Motorsäge, mit Flex- und Schleifmaschinen. Der Diplomingenieur, der einst Metallurgie studierte, hat Holz als Material für sein künstlerisches Schaffen ausgewählt. Mit jeder Menge handwerklichem Können, mit wachem Geist und einer Portion „Freigeist“ hat er aus unterschiedlichen Holzarten auch Skulpturen mit pfiffigen Wortspielereien geschaffen. „Die meisten seiner Arbeiten erfüllen einen Zweck und sind nicht nur zum Anschauen da“, bemerkte Stefan Kümmritz. Für Hülsmann sind seine eindrucksvollen Werke immer auch eine Herausforderung. Nach einem Dank der Künstlerin an die Besucher und für die tolle Band hieß es: „Die Ausstellung ist hiermit eröffnet.“ Sie kann bis 22. Juni während der Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen