Die Bewahrer der Burgrieder Geschichte

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 Schätze im Museum: Gebetsbücher aus dem Jahr 1842 und 1907.
Schätze im Museum: Gebetsbücher aus dem Jahr 1842 und 1907. (Foto: te)
Kurt Kiechle

Als der Historische Verein Gesamtgemeinde Burgrieden am 19. Juli 1995 von 19 Bürgerinnen und Bürgern aus der Taufe gehoben wurde, wurde in der Gemeinde sozusagen Neuland betreten. Und so richtig daran glauben wollte damals kaum jemand, dass aus bescheidenen Anfängen eine in der Gemeinde beachtete Interessengemeinschaft werden würde.

Der heute rund 100 Mitglieder zählende Verein konnte im Laufe der vergangenen bald drei Jahrzehnte doch zahlreiche Zeitzeugnisse längst vergangener Tage vor dem Vergessen oder gar völligen Verschwinden von der Bildfläche retten. Ab der Vereinsgründung erforschen Vorstandschaft und Beirat vorzugsweise die jüngere Ortsgeschichte der erstmals im Jahr 1275 urkundlich erwähnten Gemeinde Burgrieden. Dieses für die Gemeinde bedeutende geschichtliche Ereignis hatte es verdient, im Jahr 1977 mit der 700-Jahrfeier in gebührendem Rahmen gefiert zu werden. Damals ließen die Burgrieder, Roter und Bühler Vergangenes auch mittels einer Festschrift wieder aufleben.

Wandel in 700 Jahren

Den steten Wandel in den vergangenen sieben Jahrhunderten nahmen sich die Hobby-Historiker als Thema und erklärten die Förderung der Heimatkunde und- pflege sowie die Erhebung und Sicherung von alten Zeitdokumenten zu ihrem vorrangigen Ziel. Diese Relikte galt es, für die Nachwelt zu bewahren und folgenden Generationen in Ausstellungen näher zu bringen. Vorreiter für diese anspruchsvolle museale Aufgabe war die 1995 gebildete Interessengemeinschaft „Firma Steiger Burgrieden“, die in den 20er-Jahren Automobilgeschichte geschrieben hatte und auch heute noch im Historischen Verein einen besonderen Stellenwert besitzt.

Aus dieser kleinen Interessengemeinschaft mit einigen begnadeten Tüftlern und Bastlern am Werk, entstand der Historische Verein. Die knappen Räumlichkeiten, zunächst im Obergeschoss des Rathauses in Rot und danach im Dachgeschoss des Kindergartens Sankt Martin ließen eine nur eingeschränkte Ausstellungsmöglichkeit zu. Erst der Umzug in das „Alte Rathaus“ Burgrieden im April 2001 entschärfte die Raumsituation ganz beträchtlich. Im ehemaligen Bürgermeisterzimmer haben in Raum hohen Regalen Dutzende von Ordnern, gegliedert in die drei Ortsteile Burgrieden, Rot und Bühl, sowie Heimatbücher umliegender Gemeinden, gut sortierte Alben mit Post- und Ansichtskarten sowie weitere diverse Archivalien in Papierform, einen festen Platz gefunden. In drei weiteren Ausstellungsräumen wird den Themen Kirche/Schule und "Steiger-Werke", sowie etlicher, ebenfalls nicht mehr existierenden Betrieben, Rechnung getragen. Dem Leitsatz „Wer die Vergangenheit nicht erforscht, wird die Zukunft nicht begreifen“, möchten die Heimatkundler weiterhin treu bleiben. Sie hoffen weiterhin auf die Unterstützung von Bürgern, sei es durch Schenkungen oder Leihgaben von Zeitzeugnissen, die in engem Bezug mit der Ortsgeschichte stehen.

Gesucht werden aber vor allem Mitglieder für ein Amt im Vorstand und Beirat.

Leihgaben einer Bürgerin

Um ein paar Leihgaben einer Roter Bürgerin ist das Heimatmuseum reicher geworden. Als ein klassischer Beispiel von Volksfrömmigkeit können zwei Motivtafeln im Format von 24 mal 29 und 19 mal 23 Zentimeter mit der Bildnis des heiligen Nepomuk bezeichnet werden. Die Bildnis zeigen den Brückenheiligen und Bewahrer des Beichtgeheimnis mit den von Künstlern bevorzugten Attributen Kreuz und Lilien.

Auf der großen Motivtafel ist der 1350 in Böhmen geborene und zum Prager Bischof ernannte Nepomuk von drei Engelfiguren. Eingefasst sind die Darstellungen in künstlerischen Handarbeit mit Goldfäden. Vermutlich wurden diese historischen Raritäten in einer klösterlichen Paramentenstickerei gefertigt.

Wie alt die guten Stücke sind, weiß die Leihgeberin nicht, ebenso ist ihr auch die Herkunft nicht bekannt. „Leider sind die Bilder undatiert und auch mit keinem Hinweis versehen“, bedauerte sie. Lediglich ein Firmenstempel auf der Rückseite gibt Auskunft darüber, dass ein Ulmer Bilder-, Spiegel- und vom damaligen Besitzer beauftragt worden war.

Bei zwei weitere Leihgaben, die ebenfalls den Fundus des Historischen Vereins im religiösen Bereich bereichern, sind ein Gebet- und Erbauungsbuch für katholische Christen jeden Standes mit dem Titel " Das Kreuz des Christen Hochaltar "(1842) sowie ein kleinformatiges Büchlein "Eucharistische Liebesblumen mit marianischen Rosen". Dabei handelt es sich um ein Andachtsbuch "für Alle, die sich einer innigen Andacht zum allerheiligsten Altarsakramente und zur Gottesmutter Maria befleißigen wollen". Das 576- seitige Gebetbuch war ein Geschenk von Kreszenz Miller in Rot, die es zum Andenken ihrem Enkelkind Rosina Anfang des 20. Jahrhunderts gewidmet hatte.

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