Der „Ölprinz“ lockt mehr als 20 000 Besucher an

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Vom Publikum mit donnerndem Applaus verabschiedet wurden die Darsteller und Regisseur Mike Dietrich (vorn).
Vom Publikum mit donnerndem Applaus verabschiedet wurden die Darsteller und Regisseur Mike Dietrich (vorn). (Foto: Kurt Kiechle)
Schwäbische Zeitung
Kurt Kiechle

Die Festspiele Burgrieden erfreuen sich steigender Beliebtheit weit über die Region hinaus. In der am Sonntag zu Ende gegangenen dritten Spielzeit mit der Inszenierung „Winnetou und der Ölprinz“, frei nach Karl May, haben sich bei 35 Aufführungen 20 164 Besucher in die Zeit des „Wilden Westens“ entführen lassen – in eine Zeit des Gold- und Ölrausches, der Sucht nach schnellem Reichtum und Ansehen. Auch die letzten Skrupel vieler gestrandeter Menschen, Halunken, Verbrecher und Galgenvögel blieben dabei auf der Strecke.

Einen dieser Schurken, den machtbesessenen „Ölprinzen“, hat Karl May zur Titelfigur gemacht. Der Regisseur Mike Dietrich hat die Abenteuergeschichte hinreißend in Szene gesetzt. Er wurde von den 800 Besuchern der Schlussvorstellung gefeiert. Den Applaus hatte der ideenreiche Regisseur aber auch mehr als verdient, verkörperte er doch in dem Stück gleich zwei grundverschiedene Typen: den Kantor Aurelius Hampel, der mitten im „Wilden Westen“ eine Heldenoper komponieren will, und den Bankier Duncan.

Botschaft des Friedens

Der gebürtige Berliner Dietrich ist dem oberschwäbischen Publikum ans Herz gewachsen. Auch die diesjährige Inszenierung in Burgrieden trug seine spezielle Handschrift. Es gehe ihm nicht allein um spannende Geschichten, betont er, sondern auch um die Vermittlung christlicher Werte, um eine Botschaft für den Frieden zwischen allen Völkern. Dass dieser Ansatz beim Publikum ankommt, freut den quirligen Dietrich sehr, wie er auch am Sonntagabend freimütig und mit Emotionen bekannte. Jetzt freut er sich bereits auf das nächste Jahr und das Stück „Winnetou II“.

Emotional war auch das Schlusswort von Claudia Huitz. „Mehr als 20000 Gäste haben wir in dieser Spielzeit begrüßen können, ist das nicht fantastisch?“, bilanzierte die geschäftsführende Gesellschafterin der Festspiele Burgrieden. In der ersten Saison habe man fast nur im Regen gespielt, voriges Jahr sei es so heiß wie in der Wüste gewesen – „und dieses Mal hatten wir alles zusammen“. Eine Veranstaltung habe wegen massiver Regenfälle ausfallen müssen, eine andere konnte erst mit 30 Minuten Verspätung beginnen – „das ganze Team stand in Gummistiefeln auf der Bühne und hat den Schlamm beseitigt“. Zwischendurch forderte die Hitze ihren Tribut, sowohl Zuschauer als auch Darsteller kämpften mit Kreislaufproblemen.

Auch während der Probenphase hatten die Festspiele heuer mit Widrigkeiten zu kämpfen. Claudia Huitz erinnerte an die Erkrankung und den zeitweisen Ausfall etlicher Pferde. Das erschwerte die Probenarbeit, das so wichtige Zusammenspiel von Musik und Logistik hinter den Kulissen, ungemein. Umso größer dann die Erleichterung, „dass wir bei der Premiere am 2. Juli den Startschuss für diese wunderbare Inszenierung überhaupt setzen konnten“. Zu diesem Zeitpunkt wusste freilich niemand, was das Team noch alles erwartete: Mal fehlte krankheitsbedingt ein Reiter, dann ein Statist, dann war, wie schon erwähnt, „etwas“ mit den Pferden.

Eselmama im Mutterschutz

Da war es das kleinere Übel, dass die Eseldame „Violinchen“ von Kantor Aurelius Hampel schwanger wurde und sozusagen in Mutterschutz musste. Die Walpertshofer Ponyranch Angele half in der Not und stellte für die weiteren Aufführungen ein gelehriges und folgsames Pony für den Möchtegern-Heldenoper-Komponisten zur Verfügung. Tier und Mensch verstanden sich blendend auf der Bühne, auch dafür gab es Beifall vom Publikum.

In den Genuss einer grandiosen Feuerwerk-Show kamen ganz am Ende die Zuschauer. „Was dies allein schon an Geld gekostet hat“, war etlichen älteren Damen schwäbischer Herkunft eine angeregte Diskussion wert. Der Geschäftsleitung war es ein Bedürfnis, sich mit dieser pyrotechnischen Meisterleistung bei den Besuchern der Dernière auch auf diese Weise zu verabschieden.

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