Bischof Erwin Hecht beschenkt das Museum

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Kunstvoll gefertigt ist der Bischofsstab von Erwin Hecht. (Foto: Kurt Kiechle)
Schwäbische Zeitung
Kurt Kiechle

Der Historische Verein Gesamtgemeinde Burgrieden hat im Laufe seines bald 19-jährigen Bestehens aus Privatbesitz schon zahlreiche Zeitdokumente der unterschiedlichsten Art geschenkt bekommen: historische Aufnahmen, Publikationen, aber auch Gegenständliches, wie unlängst historischen Christbaumschmuck oder eine alte Bühler Ortstafel aus Holz, die noch aus Zeiten des ehemaligen Oberamts Laupheim datiert.

Jetzt können die Hobby-Heimatkundler einen außergewöhnlichen Neuzugang präsentieren: Afrika-Bischof Erwin Hecht, ein Sohn der Rottalgemeinde und seit einigen Jahren im Ruhestand in Hünfeld, hat seinen Hirtenstab dem kleinen Heimatmuseum geschenkt. Die Freude darüber ist bei den Vorstandsmitgliedern des Historischen Vereins groß.

Bei seinem jüngsten Museumsbesuch im Herbst 2013, zusammen mit seinen Altersgenossen, lobte der 80-jährige Bischof im Ruhestand die Arbeit des Historischen Vereins. „Ich bin erstaunt und erfreut zugleich, was ihr alles an Zeitzeugnissen zusammengetragen habt“, sagte Erwin Hecht anerkennend. Dieser Besuch war für ihn wohl auch ausschlaggebend, sich von seinem Bischofsstab – ein Begleiter bei besonderen Anlässen – zu trennen. Der Stab erhält durch einen von einem Gönner fachmännisch gefertigten Metallständer einen festen Stand und einen exponierten Platz in der Heimatstube im Obergeschoss des „Alten Rathauses“.

Der Bischofsstab – auch Hirtenstab oder Krummstab genannt – gehört zu den Insignien des Bischofs. Er gilt als äußeres Zeichen geistlicher Würde und Vollmacht. Zu den weiteren Pontifikalien zählen Mitra, Bischofsring und Brustkreuz. Sie sollen das dem Bischof übertragene Hirtenamt symbolisieren. „ Trage Sorge für die ganze Herde Christi, denn der Heilige Geist hat dich zum Bischof bestellt, die Kirche zu leiten“.

Der Bischofsstab von Erwin Hecht besteht aus einem 1,50 Meter langen, aus vier Teilen bestehenden Metallschaft. Darauf aufgesetzt ist eine spiralförmige Krümme, in die eine sehr gelungene plastische Darstellung des „guten Hirten“ eingearbeitet ist. Unterhalb dieser Abbildung sind vier in Metall getriebene Figuren – jeweils in einem Schrein –, die wahrscheinlich die Evangelisten darstellen. Mit letzter Sicherheit wollten sich allerdings die zu Rate gezogenen Pfarrer Viktor Moosmayer und Magnus Weiger nicht festlegen. Es könne sich auch um bedeutende Kirchenlehrer handeln.

Im unteren Bereich des Schafts sind die Worte eingraviert: „Oblatorum Provincia Sanctae Mariae Excemo ac Revmo Joanni Bokenfohr O.M.I. Kimberliensi Episcopo Optimo Suo olim Superiori Pergrata dat Donat die III. Maji MCMLIII. Pfarrer Franz Ladenburger aus Laupheim hat die Inschrift für die Burgrieder Heimatkundler ins Deutsche übersetzt. Die Botschaft lautet: „Die Provinz der Oblaten der Heiligen Maria gibt (diesen Bischofsstab, die Redaktion) als Geschenk Seiner Exzellenz dem Hochwürdigsten Bischof Johannes Bokenfohr O.M.I. Bischof von Kimberley seinem einstigen besten Oberen am 3. Mai 1953“.

Hecht hat als direkter Nachfolger Bokenfohrs diesen Bischofsstab bei seiner Amtseinsetzung als Weihbischof von Kimberley/Südafrika und als Titularbischof von Obba an Christi Himmelfahrt, 11. Mai 1972, geschenkt bekommen. An dem damaligen Weiheakt nahmen Bürgermeister Josef Englert als Vertreter der bürgerlichen Gemeinde und der Kirchengemeinde Sankt Alban in Burgrieden sowie der Bruder von Erwin Hecht und eine Privatperson aus Burgrieden teil.

Aus tiefempfundener Dankbarkeit für die Berufung in das hohe Hirtenamt der Diözese Kimberley feierte der neu ernannte Weihbischof Erwin Hecht im September 1972 in seiner Heimatpfarrei und -kirche ein festliches Pontifikalamt. Ehrengäste aus Kirche und Politik, darunter der damalige Weihbischof der Diözese Rottenburg, Dr. Georg Moser, unterstrichen mit ihrem Besuch die Bedeutung dieser segensreichen Festtage in der Rottalgemeinde.

Mehr als 40 Jahre später findet nun ein wichtiges Attribut des Bischofsamts im kleinen Museum in Burgrieden eine ständige Bleibe. Die Hobby-Heimatkundler sind schon ein bisschen stolz auf die Errungenschaft.

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