Aus Feinden werden Blutsbrüder

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Winnetou und Old Shatterhand schließen Frieden. Apachenhäuptling Intschu Tschuna besiegelt die Freundschaft.
Winnetou und Old Shatterhand schließen Frieden. Apachenhäuptling Intschu Tschuna besiegelt die Freundschaft. (Foto: Bernd Baur)
Schwäbische Zeitung
Agathe Markiewicz

Mit „Winnetou 1 – Der Beginn einer Legende“ sind die Festspiele Burgrieden am Samstagabend in die zweite Spielzeit gestartet. Laut Veranstalter haben sich die Premiere bei schönstem Sommerwetter 600 Besucher angesehen. Am Ende feierten sie das Ensemble mit Standing Ovations.

In den Zeiten, als die Mustangs durch die Prärie galoppieren, warnt die Stimme von Manitu vor dem weißen Mann, der immer weiter in das Land der Indianer dringt. Als Zeichen schickt er einen Falken. Der Vater Winnetous, Intschu Tschuna, der damals allerdings noch ein kleiner Junge ist, deutet dieses Zeichen positiv. Die Jahre ziehen ins Land. Aus dem kleinen Häuptlingssohn wird selbst ein Häuptling, der ebenfalls einen Sohne hat: Winnetou. Dieser lebt zusammen mit seinem Vater und seiner jüngeren Schwester Nscho-tschi im Apachenlager.

Es ist die große Zeit des Eisenbahnbaus. Der weiße Mann kündigt sich mit Explosionen und Sprengungen an, bei denen manchmal auch zu viel Dynamit verwendet wird. Wie es Manitu vorhergesagt hat, wird der rote Mann immer mehr zurück gedrängt. Pferde und Kutschen jagen durch das Land und an den Besuchersitzen vorbei. Es gibt wilde Schießereien zwischen weißen und roten Männern.

Ein Szenewechsel nimmt die Zuschauer mit in ein Eisenbahnlager. Dort hat Rattler das Kommando übernommen, weil der bisherige Aufseher mehr Spaß mit Feuerwasser hat. Ein deutscher Vermessungsingenieur, der im Laufe der Ereignisse als Old Shatterhand bekannt wird, hat den Streckenabschnitt für die Verlegung einer neuen Eisenbahnlinie im Halbkreis um das Gebiet der Apachen herumführend vermessen. Nun kommt er ins Lager, um den Plan zu kontrollieren. Mit dabei: Sam Hawkens. Ziemlich schnell kommt Old Shatterhand jedoch den betrügerischen Machenschaften im Eisenbahnlager auf die Spur. Der Bösewicht Santer und der Schurke Rattler wollen sich durch die Begradigung der Strecke heimlich einige hunderttausend Dollar von den Baukosten einstecken.

Nscho-tschi rettet Emmy

Mitten in den Wirren irrt ein weißes Mädchen, Emmy, das sich verlaufen hat. Sie ist heimlich Old Shatterhand gefolgt, hat ihn aber aus den Augen verloren. Nun wird sie in der Wildnis von Kiowa-Häuptlingssohn Pida und seinen Freunden überfallen. Glücklicherweise kommt ihr Nscho-tschi zu Hilfe, die die Kiowas überwältigt und vertreibt. Emmy geht mit zu den Apachen. Gemeinsam mit seiner Schwester bringt Winnetou Emmy ins Eisenbahnlager, wo Old Shatterhand und Winnetou zum ersten Mal aufeinander treffen.

Doch das Unheil nimmt seinen Lauf: Der weiße Lehrer, der zusammen mit den Apachen lebt, Klekih Petra, wird von Santer erschossen. Er nimmt auch noch Winnetou gefangen und liefert ihn an die den Apachen feindlich gesinnten Kiowas mit ihrem Häuptling Tangua aus. In der Nacht gelingt es Old Shatterhand jedoch, Winnetou vor dem Marterpfahl der Kiowas zu retten, ohne sich dabei zu erkennen zu geben.

Um den Tod Klekih Petras zu rächen, schleichen die die Apachen durch die Besucherreihen und überfallen das Eisenlager. Im Kampf wird Old Shatterhand von Winnetou schwer verletzt und mit Hawkens ins Apachenlager verschleppt.

Nscho-tschi pflegt den schwerverletzten Old Shatterhand gesund, bevor er mit seinen Gefährten am Marterpfahl sterben soll. Dabei verliebt sie sich in ihn. Old Shatterhand offenbart sich als Retter Winnetous aus der Hand der Kiowas, kann dies aber nicht beweisen. Darum soll ein Gottesurteil entscheiden. Bei einem Kampf auf Leben und Tod mit dem Häuptling Intschu Tschuna siegt Old Shatterhand. Zudem kann Nscho-tschi das verlorengegangene Beweisstück, ein Medizinsäckchen, präsentieren. Und Manitu schickt wieder den Falken als Zeichen. So wird Old Shatterhand Blutsbruder von Winnetou.

Als sich die Wege von Old Shatterhand und Winnetou für kurze Zeit trennen, lauert Santer mit seinen Männern den Apachen auf und tötet Intschu Tschuna. Old Shatterhand und die Krieger kommen Winnetou und seiner Schwester zur Hilfe, um die Feinde zu besiegen und zu töten. Doch auch Nscho-tschi wird erschossen. Im Sterben liegend gesteht sie Old Shatterhand, dass sie ihn liebt. Am Tag des Begräbnisses von Nscho-tschi und Intschu Tschuna erscheint abermals der Falke. Winnetou wird der neue Häuptling der Apachen und erbt die Silberbüchse seines Vaters.

Fazit: Egal, ob jung oder alt, die spannenden, Action geladenen, lustigen, dramatischen und emotionalen Abenteuer von Winnetou und Co. aus längst vergangenen Tagen sollte sich niemand entgehen lassen. Zwar haben technische Probleme mit den Mikros etwas gestört, aber dafür war es die Premiere. Es kann also noch besser werden.

Die Besetzung

Die Darsteller: Winnetou (Michael Ewig), Old Shatterhand (Maik van Epple), Santer (Fred Lobin), Sam Hawkens (Michael Müller), Klekih Petra und Tangua (Mike Dietrich, auch Text und Regie), Intschu Tschuna (Thomas Leanyvari), Nscho-tschi (Melanie Renz), Rattler (Markus Schröter), Emmy (Annika Leanyvari), Pida (Julian Huitz).

Für die Stunts und Stuntkoordination ist Alexander Junginger verantwortlich, der Erzähler heißt Helmut Krauss. Die Pyrotechnik liegt in den Händen von Christian Metzger, der Vogeltrainer und Falkner heißt Ulrich Feder, und die Leihpferd-Besitzer sind Sabine Radermacher und Manuela Nestler.

Die Festspiele haben eine Zukunft

Bevor es mit dem Wild-West-Abenteuer losging, hat Geschäftsführerin Claudia Huitz beteuert, wie viel Kraft es sie koste, auf der Bühne zu stehen. Als Anfang März ihr Ehemann und Mitinhaber der Festspiele, Alexander Huitz, plötzlich verstarb, habe sie nicht gewusst, wie es mit den Festspielen weiter gehen solle. „Alex hat eine große Lücke hinterlassen“, sagte sie. Doch die Mitarbeiter hätten ihre Loyalität bekundet, sodass sie mit neuer Zuversicht erfüllt wurde. Ihr sei klar geworden, dass die Festspiele eine Zukunft haben. „Meine Mitarbeiter haben die Lücke geschlossen.“ Auch Bundestagsabgeordneter Josef Rief, findet: „Es hat sich gelohnt, an den Visionen festzuhalten.“ Bevor Bürgermeister Josef Pfaff die Festspiele mit dem Schuss aus einer Silberbüchse eröffnete, schenkte er Claudia Huitz einen Sonnenschirm. „Ich wünsche Ihnen eine trockene Saison“, sagte er in Bezug auf die Premiere im vergangenem Jahr, die über weite Strecken bei Regen und Gewitter stattfand.

Weitere Fotos unter schwäbische.de/festspiele

Und wie aus Michael Ewig Winnetou wird, sehen Sie in unserem Video unter schwäbische.de/winnetou

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