Wunderschöner Hornklang in der Villa Rot

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 Andrej Bielow, Martina Filjak und Felix Klieser begeisterten die Zuhörer in der Villa Rot.
Andrej Bielow, Martina Filjak und Felix Klieser begeisterten die Zuhörer in der Villa Rot. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Hornist Felix Klieser, Andrej Bielow mit der Violine und Pianistin Martina Filjak haben das Konzertjahr in der Villa Rot abgeschlossen.

Der 28-jährige Felix Klieser wurde ohne Arme geboren. Schon mit vier Jahren stand für ihn fest, dass er unbedingt Horn spielen wollte. Dieser an sich selbst gestellten Herausforderung begegnete Klieser in allen Entwicklungsphasen mit Fleiß und Ideenreichtum. 2014 erhielt er den „Echo Klassik“ als Nachwuchskünstler des Jahres. Er gilt heute als einer der weltbesten Hornisten. Felix Klieser: „Was ich mir als kleiner Junge mal erträumt habe, das habe ich erreicht.“

Die drei Musiker begannen mit den „Quatre petites pièces“ für Horn, Violine und Klavier op. 32 aus der spätromantischen Phase von Charles Koechlin. Die Instrumentalisten machten daraus bezaubernde klingende Miniaturen, sehnsuchtsvoll, mit perlenden Klavierläufen, mit einem spielerisch-tänzerisches Allegretto und dem abschließenden Scherzando mit jagdlichen Hornimpressionen.

Der Geiger und die Pianistin spielten die Sonate für Violine und Klavier Nr. 3 op 78. Das eröffnende Vivace des damals 53-jährigen Komponisten klang jugendlich bewegt, kam mit langen extensiven Solophrasen des Klaviers fast aufrührerisch daher. Das Adagio dann mit schmachtend lyrischer Melodie voll schwebender Empfindungen. Das Schluss-Allegro war bravourös mit häufig wechselnden Tempi.

Clara Schumann schrieb an Brahms über dessen wunderbare Sonate: „Nach dem ersten feinen reizenden Satz und dem zweiten kannst Du Dir die Wonne vorstellen, als ich im dritten meine so schwärmerisch geliebte Melodie mit der reizenden Achtel-Bewegung wiederfand. Ich sage meine, weil ich nicht glaube, dass ein Mensch diese Melodie so wonnig und wehmutsvoll empfindet wie ich.“

Dann der große Romantiker Robert Schumann mit dessen Adagio und Allegro für Horn und Klavier op 70. Das sehr langsame Adagio, Schumann verlangt „innigen Ausdruck“, erzählt eine Liebesgeschichte. Samtweiche Horntöne geben dem romantischen Grundklang eine besondere Note. Im Allegro dominieren signalhafte virtuose Klangfolgen des Blasinstruments, die Klieser mit den Zehen beim Ventileinsatz technisch eindrucksvoll bewältigt.

Der Hornist der Pariser Oper, Frédéric Nicolas Duvernoy, schrieb zwei von der Wiener Klassik stark geprägte Trios. Sein erstes in c-Moll beginnt mit sehnsuchtsvollem Hornton und klangschwelgerischer Violine. Nach dem melodiösen Adagio cantabile folgt ein vehement und tänzerisches Allegretto.

Auf einem seiner geliebten morgendlichen Waldspaziergänge in Baden-Baden fällt Johannes Brahms das Thema zum ersten Satz des Horntrios Es-Dur op. 40 ein. Es beginnt mit einer wunderbaren lyrischen Melodie des Führungsinstruments. das ist nicht „nur“ Kammermusik, es setzt romantisches Naturerleben in Töne um. Im schnellen Scherzo folgt auf schier wilde Ausbrüche ein melancholisches Wiegenlied. All das läuft hinaus auf das Herzstück, das trauervoll elegische „Adagio mesto“ mit sehnsuchtsvollen Hornphrasierungen in Erinnerung an seine Mutter, die erst kurz zuvor verstorben war. Im temperamentvollen Finale hört man jagdliche Hornrufe, unterlegt von schnellen Sechzehnteln der Violine. Mit Brillanz und Rasanz bieten die drei Musiker einen fulminanten Schluss ihres Konzerts. Die begeisterten Zuhörer erklatschten sich eine Zugabe; die Künstler wiederholten das Brahms-Scherzo.

Die drei Musiker faszinieren mit Geschmeidigkeit des Tons, Leuchtkraft und Brillanz in allen Stimmen wie auch durch geistige Durchdringung der Kompositionen und künstlerische Reife der Interpretationen.

Das war nach elf Jahren und 75 Konzerten das letzte von Walter Mauerman arrangierte und organisatorisch geleitete Konzert in der Villa Rot. Diese Aufgabe wird ab 2020 Klaus Otto Rumpelhardt übernehmen. Für die Hoenes-Stiftung als Trägerin der Villa Rot verabschiedete Vorstandsmitglied Marco Hompes mit verdientem großen Lob den engagierten „spiritus rector“ der Musik, Walter Mauermann, der aber weiterhin die Konzerte im Schloss Großlaupheim und in der Kleinen Bühne Schwendi des Unternehmers Siegfried Weishaupt organisieren wird.

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