„Eine besondere Demonstration des Glaubens“

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Kurt Kiechle

Die katholische Kirchengemeinde Sankt Theodul in der Seelsorgeeinheit (SE) „Unteres Rottal“ hat am Wochenende bei bestem Wetter sein traditionelles Wallfahrtfest zum Gnadenbild des Gegeißelten Heiland – im Volksmund „lieb’s Herrgöttle von Bihlafingen“ genannt – gefeiert.

Wenngleich die Zahlen der Pilger heute nicht mehr mit denen des ausgehenden 18. Jahrhunderts verglichen werden können, so ist diese lokale Wallfahrt, die auf ein Gelübde des einfachen Bihlafinger Schneidermeisters Matthias Eberle zurückgeht, doch noch fest in den Herzen vieler Gläubigen verwurzelt. Die kleine, 32 Zentimeter große Gnadenfigur, eine Nachbildung des Wiesheilands im sogenannten bayerischen „Pfaffenwinkel“, steht heute noch im Zentrum der 1749 entstandenen Bihlafinger Wallfahrt.

Nach vorsichtiger Schätzung von Theresia Biesinger, die mit der örtlichen Wallfahrt seit Jahrzehnten bestens vertraut ist, kamen am Samstagabend knapp 500 Besucher – zum größten Teil mit dem Auto und etliche zu Fuß, so auch aus Burgrieden – in den Gnadenort, um in der Gemeinschaft das feierliche Hochamt mit anschließender Lichterprozession durch das festlich geschmückte Dorf mitzufeiern. Von der großen Resonanz trotz Fußball-WM-Übertragung im Fernsehen und zeitgleichen Veranstaltungen in der Region war der Leitende Pfarrer der SE, Stefan Ziellenbach, sichtlich angetan.

Festprediger ist begeistert

Ein herzlicher Willkommensgruß galt insbesondere dem Ehrengast und Festprediger Pfarrer Dr. Ulrich Lindl, der erstmals nach Bihlafingen gekommen war. Von der hiesigen Wallfahrt begeistert, bezeichnete er sie als „eine besondere Demonstration der Begegnung und des Glaubens“. Pfarrer Lindl kommt aus dem bekannten Wallfahrtsort Biberbach, 20 Kilometer von Augsburg gelegen. Seit 1525 findet sich dort ein großes Kruzifix aus spätromanischer Zeit, das „Herrgöttle von Biberbach“. Was den Bihlafingern das Gnadenbild des Gegeißelten Heilands sei, sei vielen Menschen in Schwaben die stattliche Darstellung des Gekreuzigten. Die Menschen haben hier und dort im innigen Glauben zum gekreuzigten auferstandenen Herrn Trost und Hilfe gefunden. Auch haben beide Wallfahrten manche schwere Stürme der Zeit überdauert. Auf diese Gemeinsamkeiten wies Pfarrer Ulrich Lindl zu Beginn seiner sehr ansprechenden Predigt hin, ehe er ein Bild von der Gnadenfigur in der Wallfahrtskirche Sankt Theodul zeichnete.

„Ihr Herrgöttle von Bihlafingen ist ein geschundener, gebundener und gegeißelter Heiland.“ An die Adresse der Pilger gewandt, sagte Dr. Lindl, es sei richtig gewesen, „dass Sie sich aufgemacht haben, Sie sind beim lieben Herrgöttle angekommen, wir brauchen die Mitte nicht zu suchen, hier sind wir richtig“. Der Prediger zitierte den ehemaligen FC Bayern-Star und Nationalspieler Phillip Lahm: „Ein Leben ohne Gott ist wie ein Fußballspiel ohne Ball.“

Zum bereits zehnten Mal in Folge gestalteten die Chorgemeinschaft „Liederkranz“ Burgrieden und der Frauenchor Bihlafingen gemeinsam das Wallfahrtshochamt auf dem Kirchplatz mit. Unter der Leitung von Anara Schock und mit Maria Bautsch am Klavier stimmte der vereinigte Chor mit dem „Gloria, Ehre sei Gott“ die Wallfahrer und Wallfahrerinnen auf die Feier unter dem Abendhimmel ein. Ebenfalls dankbar registriert wurde die Mitwirkung des Musikvereins Stetten unter der Stabführung von Christoph Schellen.

Ergreifende Prozession

Von jeher zum emotionalen Höhepunkt am Vorabend des Festes vom kostbaren Blute Christi zählt die Lichterprozession durch das Dorf. Anwohner am Prozessionsweg und im unmittelbaren Umfeld hatten bunte Lichter auf den Fensterbänken aufgestellt und die Häuser mit Fähnchen geschmückt. An einigen Plätzen der Gemeinde grüßten Kirchenfahnen. Im langen Zug der Pilger mit bunten Windlichtern trug Ehrengast Pfarrer Ulrich Lindl unter dem Baldachin („Himmel“) und flankiert von Feuerwehrleuten mit Fackeln die Gnadenfigur des Gegeißelten Heilands. Vor der Station beim Gemeindehaus sprachen Firmlinge Fürbitten, der Chor sang ein Abschlusslied.

Mit einem Hochamt mit Predigt von Pater Matthew und von den Chören Bihlafingen und Hürbel musikalisch gestaltet, fand am Sonntag das Wallfahrtsfest seine Fortsetzung. Unter dem Dirigat von Maria Bautsch führten die Sängerinnen und Sänger die festliche „Konradmesse“ des jungen Kirchenmusikers Victor Schätzle (Jahrgang 1987) auf. Die ebenfalls fest in der Bihlafinger Wallfahrt verankerte Andacht mit eucharistischem Segen in den frühen Sonntagabendstunden beschloss die gnadenreichen Tage.

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