Zwölfjährige sexuell missbraucht

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Das Amtsgericht verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung.
Das Amtsgericht verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Weil er eine Zwölfjährige sexuell missbraucht hat, hat das Amtsgericht Biberach einen 28-Jährigen am Montag zu einer einjährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Mann hat die Tat komplett gestanden.

Laut Anklage hatte der 28-Jährige, gemeinsam mit einem Bekannten, die Zwölfjährige im August 2015 gegen 22 Uhr am Bahnhof in Laupheim getroffen. Das Mädchen war von Zuhause weggelaufen und wollte weiter nach Berlin. Die beiden Männer hätten angeboten, dem Mädchen Essen und einen Platz zum Schlafen zu geben. Daraufhin stieg die Zwölfjährige gemeinsam mit dem Angeklagten in das Auto des Bekannten. Die Fahrt führte zur Wohnung des Angeklagten in Biberach. Bereits auf der Fahrt habe das Mädchen einer Freundin per Chatnachricht von ihrer Lage erzählt. Dass ihr die Situation bereits zu diesem Zeitpunkt unangenehm war, sei daran deutlich zu erkennen, sagte ein Polizist, der an den Ermittlungen beteiligt war, als Zeuge aus. Die Freundin habe ihr geraten, so schnell wie möglich zu gehen und auf sich aufmerksam zu machen. Die Zwölfjährige ging allerdings mit dem Angeklagten in seine Wohnung, während der Fahrer im Wagen blieb. In der Wohnung habe der 28-Jährige die Tür verschlossen und das Mädchen angefasst, geküsst und zum Sex aufgefordert. Er bot der Zwölfjährigen außerdem 20 Euro dafür an.

Tonaufnahmen von der Tat

Das war auch auf der Tonaufnahme zu hören, die das Mädchen geistesgegenwärtig mit ihrem Handy machen konnte. „Ich ein bisschen Sex machen, dann gehen“, zitierte Richter Ralph Ettwein die Mitschrift der Tonaufnahme. Zwischen den Aufforderungen immer wieder die Stimme der Zwölfjährigen, die „halb heulend zum Ausdruck bringt, dass sie das nicht möchte“, sagte Ettwein in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte habe nach etwa 15 Minuten von dem Mädchen abgelassen und angeboten, sie wieder nach Laupheim zu fahren. Aber auch im Auto habe der 28-Jährige die Zwölfjährige immer wieder angefasst.

In Laupheim wurde das Mädchen von der Polizei gefunden, die nach einer Vermisstenanzeige der Mutter bereits auf der Suche nach dem Kind war. Die Zwölfjährige erzählte den Beamten, was ihr gerade passiert sei. Die Polizisten vor Ort hätten das Mädchen als sehr aufgewühlt empfunden. „Sie hat aber wohl erst später realisiert, dass das noch ganz anders hätte ausgehen können“, sagte der Polizist vor Gericht.

Das Mädchen konnte sich das Kennzeichen des Autos merken. So ermittelten die Beamten den Bekannten des Angeklagten. Die weiteren Ermittlungen verliefen allerdings „eher dubios oder skurril“, wie der Richter es ausdrückte. Denn da der ermittelte Fahrer kaum Deutsch versteht, brachte er zu seiner Aussage bei der Polizei einen Freund zum Dolmetschen mit: den späteren Angeklagten. Der Fahrer gab der Polizei zu diesem Zeitpunkt noch nicht den Namen des Angeklagten an, sondern einen anderen, sehr häufigen Namen. „Das kann es eigentlich nicht sein, dass der spätere Angeklagte seine eigene Entlastung übersetzte“, sagte Ettwein. Es mangele wohl aber an zertifizierten Dolmetschern. So etwas sei auch nicht zum ersten Mal vorgekommen, so der Richter. Die weiteren Ermittlungen in diesem Fall hätten ins Nichts geführt. Daher sei es dem Angeklagten positiv anzurechnen, dass er sich schließlich doch gestellt habe.

„Er schämt sich sehr“

Der Angeklagte räumte die Vorwürfe aus der Anklageschrift komplett ein und gestand die Tat. „Er schämt sich sehr und es tut ihm sehr leid“, ließ er über seinen Anwalt erklären. Er habe das Geständnis auch aus dem Grund abgelegt, um dem Mädchen die Aussage vor Gericht zu ersparen, so der Anwalt. Das betonte auch der Staatsanwalt in seinem Plädoyer.

Der Angeklagte habe das Mädchen zwar bedrängt und ihr die Fluchtmöglichkeit genommen, aber habe schließlich von ihr abgelassen ohne Gewalt anzuwenden. Daher forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung sowie ein Schmerzensgeld von insgesamt 1000 Euro. Die Verteidigung plädierte ebenfalls auf ein Schmerzensgeld und auf eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten und betonte, dass der Angeklagte nicht von vorneherein vorgehabt habe, das Mädchen zu belästigen. Das sei erst aus der Situation heraus entstanden.

Ein Jahr auf Bewährung

Richter Ettwein verurteilte den Angeklagten letztlich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Außerdem muss er 500 Euro Schmerzensgeld zahlen, sowie 500 Euro an die Straffälligen-Hilfe Biberach. Das Geständnis habe zu einem kurzen Verfahren geführt und außerdem dem Opfer eine erneute Konfrontation mit dem Täter erspart, begründete Ettwein sein Urteil. „Wäre das Mädchen schon 14 Jahre alt gewesen, dann wäre die Tat als Beleidigung zu werten“, sagte Ettwein. „Je jünger das Opfer jedoch ist, desto weniger schwer müssen die Handlungen sein, um als sexueller Missbrauch zu gelten.“ Zwar seien die Berührungen des Angeklagten nie unter die Kleidung des Mädchens gegangen, „insgesamt ist das aber dennoch sehr belastend für eine Zwölfjährige, die in diesen Dingen keine Erfahrungen hat.“

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