Zum Schutz vor Diebstahl sind Abitur-Aufgaben im Tresor eingesperrt

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„Ruhezone Abitur“: Am Mittwoch starten die Abiturprüfungen in Baden-Württemberg. Im Vorfeld müssen die Prüfungsaufgaben sicher v
„Ruhezone Abitur“: Am Mittwoch starten die Abiturprüfungen in Baden-Württemberg. Im Vorfeld müssen die Prüfungsaufgaben sicher verwahrt werden. (Foto: dpa/Julian Stratenschulte)
Birga Woytowicz

Die Prüfungsaufgaben fürs Abitur sind bis zum Prüfungstag ein wohlbehütetes Geheimnis – für Schüler wie auch für Lehrer. Am Mittwoch starten Baden-Württembergs Gymnasien ins Abitur. Nachdem vergangenes Jahr am Stuttgarter Solitude-Gymnasium der Tresor mit den Abiaufgaben von Unbekannten geknackt wurde, gelten nun verschärfte Sicherheitsstandards.

„Wenn wir zentrale Prüfungen stellen wollen, muss die Sicherheit möglichst hoch sein. Ich bin jedes Jahr gespannt, ob alles gut geht“, sagt Günter Brutscher, Leiter des Gymnasiums am Bischof-Sproll-Bildungszentrum (BSBZ) in Rißegg. Nach dem Vorfall 2017 wurden die Prüfungen in diesem Jahr kurzfristig angeliefert. Mittlerweile müssten die Unterlagen überall vorliegen. „Bei uns sind die Prüfungen nun angekommen und liegen im Tresor.“

Lehrer rechnen Aufgaben durch

Auch am Biberacher Wieland-Gymnasium (WG) führt der direkte Weg in den Tresor, dessen Standort nur der Schulleiter und Klaus Lamprecht, sein Stellvertreter, kennen: „Es gibt Zeitfristen, wann wir die Aufgaben am Prüfungstag öffnen dürfen. In Mathe und Physik sind die aber etwas länger.“ In Mathe gibt es neben einem Pflichtteil auch Wahlaufgaben. Für drei Aufgabenbereiche werden jeweils zwei Auswahlaufgaben verschickt. Die Kurslehrer rechnen diese wenige Stunden vor der Prüfung grob durch und wählen schließlich je eine Aufgabe für ihre Schüler aus.

In Physik wird eine von drei möglichen Aufgaben aussortiert. Christoph Götz ist stellvertretender Schulleiter am Pestalozzi-Gymnasium (PG) und trifft auch eine Vorauswahl. Druck löst diese Regelung bei ihm nicht aus: „Das sind zwei Stunden konzentriertes Arbeiten. Aber das ist eben unser Job. Und es gab noch nie eine Aufgabe, die ich gar nicht hätte nehmen können.“

Mögliche Lücken bei der Sicherheit würden weniger direkt von den Schülern ausgenutzt, vermutet Klaus Lamprecht vom WG: „Ich glaube, der Fall in Stuttgart und andere ähnliche Versuche waren eher Zufall. Die Einbrecher hatten es vermutlich einfach auf Bargeld abgesehen.“

Günter Brutscher vom BSBZ sieht vor allem dann ein Problem, wenn sich Lösungsergebnisse nach den Prüfungen schnell im Netz verbreiten. 2015 hatte ein Lehrersohn in Baden-Württemberg Lösungen abfotografiert und online gestellt. „Wenn so etwas passiert, besteht natürlich die Gefahr, dass nachgebessert wird“. Seit dem vergangenen Jahr vergrößerten sich bei all solchen Versuchen vor allem auch Tragweite und Aufwand, ergänzt sein Kollege Lamprecht. Denn die Abiaufgaben stammen zum Teil aus einem bundesweiten Pool.

Misstrauen gegenüber den eigenen Schülern hat jedoch keiner der Lehrer. Lamprecht schätzt die Hürden als zu hoch ein: „Ganz ehrlich: Dazu müsste der Schüler erst in die Schule, dann ins Sekretariat und auch ins Rektorat einbrechen. Und bis zum Tresor müsste er auch noch ein paar Schränke aufbrechen. Das macht keiner.“ Wirklich lohnenswert sei so eine Aktion sowieso nicht, bestätigt sein Kollege Brutscher: „Das ist nicht sehr intelligent und der Erfolg geht gegen Null. Den Täter findet man schnell und im Endeffekt wird der nur doppelt bestraft.“

Denn gestohlene Aufgaben werden schließlich nicht noch einmal gestellt. Bei den Schülern von Cristoph Götz vom PG herrscht ohnehin Gelassenheit kurz vor dem Abi: „Die Stimmung ist heiter, nicht wirklich angespannt. Wir sind noch einmal alles durchgegangen und die Schüler fühlen sich gut vorbereitet.“

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