Zum 100. Geburtstagvon Max Hauschild

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Schwäbische Zeitung

Max Hauschild wäre am 22. November 100 Jahre alt geworden. Biberachs Alt-OB Claus-Wilhelm Hoffmann erinnert sich an ihn:

Max Hauschild hat die Stadtgestaltung von Biberach geprägt wie kein anderer nach dem Zweiten Weltkrieg. Von 1953 bis 1978 wirkte er als Baudezernent in Biberach.

Er wurde am 22. November 1914 in Liebenstein bei Arnstadt/Thüringen geboren, nach dem Abitur in Coburg schlug er die Offizierslaufbahn ein, da ein Studium der Mathematik aus finanziellen Gründen nicht möglich war. Durch die Heirat mit Luise Baur aus Biberach kam er nach dem Krieg in die Stadt an der Riß. 1946 begann er ein Architekturstudium in Stuttgart, nachdem er bei Hugo Häring, der im Haus Baur im Krieg Zuflucht gefunden hatte, praktiziert hatte. Ein erster Preis im Wettbewerb um die ECA-Siedlung in Stuttgart-Feuerbach im Jahr 1951 war die Eintrittskarte für die Stelle des Stadtplaners in Biberach, die 1952 frei wurde.

In seinen 26,5 Amtsjahren sorgte er für mehr als 4000 Wohnungen. In Höhenlage entstanden die Wohngebiete Weißes Bild, Mittelberg, Talfeld, Galgenberg, Köhles-rain, Wetterkreuz und Bachlangen. Er plante die Ausweitung von Gewerbegebieten im Tal für traditionsreiche Biberacher Firmen (Gerster, Handtmann, Vollmer) und bedeutende Neuansiedlungen nach dem Krieg (Kavo, Liebherr und Thomae). In seinen städtebaulichen Planungen zeigte sich eine selten zu findende Weitsicht, von der die Stadt Biberach über Jahrzehnte hinweg profitierte. Besonders deutlich wird das an der „Schul- und Sportmeile“ vom heutigen Pestalozzi-Gymnasium über das Fußballstadion bis hin zur Zimmereifachschule. So konnten Schul- und Sportzentren in zentraler Lage entstehen (1961 Wieland- und 1971 Pestalozzi-Gymnasium, Berufsschulzentrum, 1962 Stadion an der Wilhelm-Leger-Straße mit der von ihm selbst entworfenen leichten Tribüne, Frei- und Hallenbad und zuletzt der große Komplex der „Dolli“, der größten Realschule Baden-Württembergs. Viele Städte beneiden Biberach um diese zusammenhängenden Sport- und Schulflächen nahe dem Stadtzentrum.

Stadthalle krönt Laufbahn

Er stellte Weichen für den Bau und die Infrastruktur der öffentlichen Einrichtungen (neben den Schulen für Stadtbücherei, Musik- und Volkshochschule sowie für die Grünflächenplanung), er war Anton Kutters Architekt für das zweite Filmtheater „Urania“. Seine wichtigsten und größten Projekte waren der Stadtfriedhof und die Stadthalle. Er holte den großen Landschaftsarchitekten Günther Grzimek nach Biberach, nach dessen Planungen von 1960 bis 1963 dann 1972 der Stadtfriedhof mit seinem Landschaftspark, dem alten Baumbestand, den reizvollen Durchblicken und den drei Seen eingeweiht wurde. Die Eisbahn im Winter am obersten See war seine Idee und von Anfang an geplant. Die Stadthalle, deren Einweihung er nach siebenjähriger Planungs- und Diskussionszeit noch vor seinem Ausscheiden mitfeiern konnte, war der krönende Abschluss.

Ehrenamtlich engagierte Hauschild sich in der Gesellschaft für Heimatpflege und in der Schützendirektion.

1991 zog er ins Augustinum Überlingen, wo er am 17. März 1997 im Alter von 83 Jahren starb.

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