Zukunftsängste: Stiftung soll Chorknaben retten

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Sie gehören zu Biberach dazu: die St.-Martins-Chorknaben. Doch der Chor bangt um seine Zukunft. Eine Stiftung soll ihn retten.
Sie gehören zu Biberach dazu: die St.-Martins-Chorknaben. Doch der Chor bangt um seine Zukunft. Eine Stiftung soll ihn retten.
Schwäbische Zeitung

Die St.-Martins-Chorknaben bangen um ihre Zukunft: Weil der katholischen Kirche die Steuereinnahmen wegbrechen, ist ungewiss, ob die Gemeinde St. Martin ihren Knabenchor künftig weiter finanziell unterstützen kann. Doch der Förderverein hat eine Lösung: Eine Stiftung soll die Chorknaben retten.

Von unserer Redakteurin

Franziska Rötzsch

„Das ist nicht nur ein Gesangverein, sondern eine Gemeinschaft unter dem Dach der Kirche“, sagt Tobias Ilg von den St.-Martins-Chorknaben über den Jungenchor der Kirchengemeinde. 1962 gründete Kaplan Paul Pfaff den Chor, mehr als 400 ehemalige Sänger gibt es inzwischen. Heute zählt der Chor rund 80 Mitglieder. Die jüngsten bereiten Chorleiter und Stimmbildnerin in der Vorschola auf die Aufnahme in den Chor vor, die ältesten singen nicht nur, sondern kümmern sich auch um Organisation, Verwaltung und übernehmen Verantwortung für die jungen Chormitglieder.

Doch mit all dem könnte es in Zukunft vorbei sein. Denn den Chorknaben drohen Finanzprobleme. „In Zukunft muss die Kirche ihr finanzielles Engagement in gewissen Bereichen einschränken“, sagt Kirchenpfleger Thomas Stöhr mit Blick auf die zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen. Auch die Unterstützung der Chorknaben könnte in Zukunft der Finanzknappheit zum Opfer fallen. „Wir brauchen eine nachhaltige Lösung, um den Chor zu erhalten, wenn die Kirchensteuer wegfällt“, sagt Stöhr.

Die hoffen Kirchengemeinde, Chorknaben und Förderverein jetzt gefunden zu haben: Der Verein hat eine Stiftung errichtet. Sie soll künftig einen Teil der Personalkosten des Chores übernehmen. Bisher werden die 60-Prozent-Stelle des Chorleiters Johannes Striegel und die Stimmbildnerin Cäcilie Lechner – insgesamt 40 000 Euro jährlich – von der Gemeinde St. Martin und der Gesamtkirchengemeinde übernommen.

Die laufenden Kosten von weiteren 30 000 Euro im Jahr werden durch Spenden, Elternbeiträge und die finanzielle Unterstützung des 1985 gegründeten Fördervereins gedeckt. „Wir unterstützen die Chorknaben beim Kauf von Chorgewändern, T-Shirts, Noten und bei der Finanzierung der jährlichen Konzertreise“, sagt Vereinsvorsitzender Edmund Wiest. „Und das soll auch in Zukunft so bleiben. Mit der Stiftung wollen wir den Chor zusätzlich weiter unabhängig von der finanziellen Situation der Kirche machen und die Finanzierung des Personals auf eine nachhaltige Basis stellen.“

„Das ist der sicherste Weg, die Chorknaben abzusichern“, meint auch Hermann-Josef Stütz, zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Gemeinsam mit Edmund Wiest und Pfarrer Wunibald Reutlinger unterzeichnete er die Satzung der nicht rechtsfähigen ortskirchlichen Stiftung, deren treuhänderische Verwaltung die Kirchengemeinde St. Martin übernimmt.

„Um die Qualität des Chores zu erhalten, ist eine professionelle Ausbildung der jungen Sänger nötig“, sind sich die Stiftungsgründer einig. Jetzt hoffen sie zunächst auf Zustiftungen, „bis so viel Kapital zusammen ist, dass ein namenhafter Anteil der Personalkosten finanziert werden kann“, sagt Wiest. 300 000 bis 400 000 Euro müssten es mindestens sein, schätzt er. „Wir stehen am Anfang eines langen Wegs, aber es ist wichtig, denn ersten Schritt zu tun“, sagt Chorknabe Tobias Ilg.

Info:

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.chorknaben-biberach.de und bei Kirchenpfleger Thomas Stöhr, Telefon 07351/5809-0. Zustiftungen gehen an: Stiftung St.-Martins-Chorknaben, Konto 741 10 87, Kreissparkasse Biberach, BLZ 654 500 70.

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