Zimmerer bauen Brutkästen: Gänsesäger haben jetzt eine neue Heimat

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 Bei der Übergabe der Vogelkästen freuen sich die Beteiligten (von links): Bernd Otto, Martin Rösler, Vera Schlossbauer und Alex
Bei der Übergabe der Vogelkästen freuen sich die Beteiligten (von links): Bernd Otto, Martin Rösler, Vera Schlossbauer und Alexander Weber. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Bei einer gemensamen Aktion von Naturschutzbund und Zimmererzentrum sind kürzlich Brutkästen für Gänsesäger gebaut worden. Der Gänsesäger gehört zur Gattung der der Entenvögel. Mitte Mai waren in Biberach Gänsesäger-Kücken aufgegriffen worden. Diese sollen in einem Haus in der Altstadt am Weberberg ausgebrütet worden sein.

Anders als bei Stockenten, die auch in der Öffentlichkeit mit ihren Jungen zum nächsten Wasser spazieren, ist die Gänsesäger-Vogelmutter scheu und kann ihre Jungen in einer belebten Umgebung nicht betreuen. Außerdem gibt es keine Möglichkeit, vom Stadtbach auf dem Marktplatz Richtung Riß zu gelangen – die Tiere sind also dort gefangen.

Die im Mai dieses Jahres aufgegriffenen Vögelchen stammen vermutlich von zwei verschiedenen Bruten – schon im Vorjahr war eine Gruppe solcher Vögel am Marktplatz eingefangen worden. Sie mussten mit großem finanziellem und zeitlichem Aufwand von Manuela Schlay aufgepäppelt werden.

Geeignete Plätze werden gesucht

Der Naturschutzbund (Nabu) Biberach hat für die Zukunft zwei Lösungsansätze weiterverfolgt: zum einen stieß die Bitte, Nistkästen für diese Vögel zu bauen, beim Zimmererzentrum auf offene Ohren. Bernd Otto vermittelte diese seinem Kollegen Alexander Weber und den Auszubildenden, und diese bauten kürzlich für Gänsesäger geeignete Nistkästen.

Gänsesäger sind nämlich Höhlenbrüter, sie lieben Nistplätze in großer Höhe in Baumhöhlen oder Gebäuden. Es ist erstaunlich, dass die noch nicht flugfähigen Jungvögel daher gleich nachdem sie geschlüpft sind aus etlichen Meter Höhe herabspringen, um dann zu Fuß zum nächsten Wasser zu gelangen.

Weil Gänsesäger entengroß sind, brauchen sie auch Riesen-Nistkästen, und diese wurden nun an Vera Schlossbauer und Martin Rösler vom Nabu übergeben. Sie sollen noch im Winter von Vera Schlossbauer und ihrem Team an geeigneten Bäumen an Riß und Ratzengraben aufgehängt werden, in der Hoffnung, dass besser geeignete Brutplätze von den Vögeln dann auch angenommen werden.

Da zu befürchten ist, dass das Gänsesäger-Weibchen auch im kommenden Jahr seinen traditionellen Brutplatz wieder aufsucht und sich so das Problem mit den Jungen am Marktplatz wiederholt, wollen die Aktiven vom Nabu herausfinden, ob dieser Brutplatz in der Altstadt nicht aufgespürt und dann so verschlossen werden kann, dass dort keine Bruten mehr stattfinden können.

Dazu sind sie auf Tipps der Anwohner angewiesen. Daher ergeht die Bitte, mögliche Öffnungen in den Altstadthäusern um den Weberberg an den Nabu zu melden. Gänsesäger tragen kein Nistmaterial ein, nur ein Ring von Daunenfedern verrät die Stelle, wo die Jungen ausgebrütet worden sind.

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