Zeitreise in Biberachs prachtvolle Vergangenheit

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Der Baltringer Haufen entert kurzzeitig die Ehrentribüne, die Rokoko-Gruppe verwandelt den Marktplatz in ein Tanzparkett und die Mitglieder des Historischen Löschzugs der Feuerwehr erfrischen das Publikum mit einem Schwall Wasser: Beim Historischen Festzug am Schützendienstag sind Tausende Besucher durch die Geschichte Biberachs gereist. Musiker, Kostümträger und Pferde präsentierten in bunten Bildern die Stadthistorie bis zum 19. Jahrhundert.

Der Historische Festzug lockt alljährlich unzählige Besucher aus der ganzen Region an. Bereits am frühen Morgen brachten Zuschauer entlang der Umzugsstrecke ihre Klappstühle in Position, Glück für all jene, die dabei an einen Sonnenschirm dachten oder sich einen Schattenplatz sichern konnten. Denn das Biberacher Herrgöttle meinte es am Dienstag mit dem Wetter besonders gut. Die Sonne stach bereits am Vormittag vom Himmel, kein einziges Wölkchen trübte das blauen Firmament über der Stadt. Sonnenhüte waren das Accessoire schlechthin bei den Besuchern, einige hatten sogar einen Handfächer mitgebracht.

Tradition lautet das Motto

Rainer Fuchs, Vorsitzender der Stiftung Schützendirektion, moderierte den Festzug auf der Ehrentribüne am Marktplatz: „Wir von der Stiftung Schützendirektion setzen uns ein, dass das Schützenfest seinen traditionellen Charakter behält.“ Tradition – das war auch das Motto, unter dem der Historische Festzug stand. Bei dem etwa zweistündigen Umzug zogen rund 1000 Musiker, 1000 Kostümträger und 250 Pferde sowie weitere Tiere wie Ochsen und Jagdvögel durch die Innenstadt. Sie erzählten die Entstehung und Entwicklung Biberachs von der Zeit als Reichsstadt bis ins 19. Jahrhundert. Prächtige, edle und bunte Kleidung sowie festlich geschmückte Gespanne machten den Umzug zu etwas Besonderem.

Feuerspucker heizt ein

Die Spital-Gruppe – es war die größte Gruppe beim Festzug – stellte die um das Jahr 1239 erfolgte Gründung des Spitals dar. An die vier Stadttore der Reichsstadt Biberach – Riedlinger, Ulmer, Waldseer und Ehinger Tor – erinnerten detailgetreue Modelle auf Festwagen. In eine Spielwiese verwandelten die Gaukler den Marktplatz. Bis nach Ende des Mittelalters gab es Spaßmacher und Zirkusleute, die mit akrobatischen Vorführungen die Menschen unterhielten. Und genau so war das auch beim Festzug. Die Teilnehmer turnten aufeinander herum, jonglierten Bälle und ein Feuerspucker ließ es auf dem Marktplatz noch etwas heißer werden als es ohnehin schon war.

Scharwächter erstmals mit dabei

Für ein Schmunzeln bei den Besuchern sorgte der Auftritt der Trommler- und Pfeifer des Bischoff-Sproll-Bildungszentrum. Denn in Mitten der Musiker ragte ein Schild mit der Aufschrift „Hier spielt eigentlich der Schützenkönig“ in die Höhe. Das Ensemble musste Luka Petkovic entbehren, weil dieser beim Biberschießen am Schützenmontag Schützenkönig wurde. Er fuhr mit Schützenkönigin Kinga Morschhäuser in einer Kutsche mit.

Erstmals mitgelaufen sind diesmal die Scharwächter. Eigentlich kümmert sich die Gruppe um den Verkauf der Schützenabzeichen. Doch in diesem Jahr – die Scharwächter feiern ihr 25-jähriges Bestehen – wurde ihnen dieselbe Ehre wie anderen Lagerleben-Gruppen zu Teil. Vielleicht konnten sie auf diese Weise auch den ein oder anderen für ihre Tradition begeistern, sie suchen nämlich nach neuen Mitgliedern.

Eine Premiere war auch die Teilnahme der Stadtgarde Memmingen. Die Gäste waren mit Gespann zwischen den Bierbrauern und dem Spielmannszug der Turngemeinde zu sehen. Sie hatten sich am Samstag zu Fuß auf den Weg von Memmingen nach Biberach gemacht und trafen am Schützenmontag in den hiesigen Gefilden ein. Ihre Wehrhaftigkeit einmal in einer anderen Stadt zu demonstrieren, schien ihnen zu gefallen. Zumindest verrieten das ihre fröhlichen Gesichter. Für einen turbulenten Abschluss sorgte wieder einmal die Räuberbande des Schwarzen Veri. Sie machten ihrem Ruf alle Ehre – einige Besucher verließen den Festzug mit reichlich schwarzer Farbe im Gesicht. 

Der Historische Umzug hat am Dienstagmorgen ganz Biberach stillstehen lassen. Tausende Menschen haben die Straßen gesäumt, als die vielen Gruppen durch die Stadt zogen. Die Musiker und Kostümträger mit ihren Pferden und Wagen haben den Zuschauern die Geschichte Biberachs bildlich näher gebracht.
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