Wirte bieten Public Viewing im Kleinen

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Im Tweety wird trotz Deutschlands frühem Ausscheiden immer noch WM geschaut, hier fesselt die Begegnung Frankreich – Uruguay die
Im Tweety wird trotz Deutschlands frühem Ausscheiden immer noch WM geschaut, hier fesselt die Begegnung Frankreich – Uruguay die Zuschauer. (Foto: Laura Hummler)

Dank der lange erfolgreichen deutschen National-Elf hat sich Public Viewing in Biberach zur Tradition entwickelt. Nicht nur auf dem Gigelberg steht eine große Leinwand, viele Biberacher Gaststätten hatten dieses Jahr zur WM neben Speis und Trank auch Public Viewing im Angebot. Nach dem frühen Ausscheiden der Deutschen bei der Fußballweltmeisterschaft stellt sich die Frage, ob die sommerliche Public-Viewing-Kultur nun ausstirbt. Oder hat Biberach trotzdem noch Alternativen für jene zu bieten, die die WM weiterverfolgen möchten?

Der Traum vom Sommermärchen 2018 ist ausgeträumt. Manuela Ortlieb, Besitzerin des Biberkellers, sieht das jedoch als Glück im Unglück: „Vieles, was wir für das Public Viewing aufgebaut haben, können wir für das Schützenfest stehen lassen. Somit hatten wir das Ganze quasi schon vier Wochen vor der Zeit erledigt.“ Es musste daher, abgesehen von der Leinwand, nicht viel abgebaut werden. Dass Deutschland die WM so früh verlassen musste, sei schade, aber zu verschmerzen, meint Ortlieb. Für andere Gastronomen tue es ihr allerdings leid, da sich ein Aufbau mit Public Viewing erst ab vier, fünf Spielen lohne.

FV Biberach ist zufrieden

Bereits im Vorfeld stand fest, dass auch die große Leinwand auf dem Gigelberg wieder das Feld räumen muss, wenn Deutschland verliert. Der Abbau ist bereits vollzogen. „Das Public-Viewing ist im Großen und Ganzen trotzdem sauber abgelaufen, auch wenn wir nicht so viele Spiele zeigen konnten“, sagt Bruno Münch vom FV Biberach. Er hatte die Bewirtung auf dem Gigelberg übernommen. Man könne im Fußball ja nie 100-prozentig planen, daher habe man im Vorfeld mit allem gerechnet, sagt Münch. „Wir hatten zwar eine Achtelfinalteilnahme der deutschen Mannschaft in die Planung miteinbezogen. Zufrieden sind wir aber trotzdem“, versichert er.

Wie sieht’s im Biberach Tag und Nacht aus? Besitzer Visar Ramar zeigt die Spiele der WM tapfer weiter. Für ihn war das Public Viewing auf dem Gigelberg ein großer Konkurrenzfaktor, der nun wegfällt, bekennt er. Das Interesse an der WM sei durch das Ausscheiden von Deutschland seiner Meinung nach nicht wirklich zurückgegangen. „Vor allem, wenn Russland oder Brasilien spielen, sind die Spiele besser besucht“, sagt Ramar. Zwar seien die Besucherzahlen bei WM-Spielen nach dem Ausscheiden der Deutschen eher schwankend, aber dennoch keine Enttäuschung, meint er.

Auch im Alten Haus kann man weiterhin die WM anschauen. In der Kneipe wird sowieso das ganze Jahr über Fußball geschaut. „Dass Deutschland nicht mehr bei der WM dabei ist, merken wir natürlich trotzdem. Die einzelnen Partien sind nicht mehr so gut besucht wie Deutschlandspiele“, sagt Hans-Peter Leicht. Einzelne Begegnungen unter Favoriten, zum Beispiel Brasilien, würden jedoch trotzdem weiterhin gern geschaut, sagt er. Da Deutschland nun sicher nicht am Finale teilnehmen wird, werde dieses auch nicht übertragen. „Ich bin überzeugt, dass Schützen für uns Biberacher an diesem Tag interessanter sein wird als das Finale der Weltmeisterschaft“, sagt Leicht. Damit dürfte er recht behalten, denn auch das geplante Public Viewing im Festzelt des Schützenfests wird nicht stattfinden.

Im Tweety werden Fußballfans nicht enttäuscht, denn auch hier können sie das ganze Jahr über Fußball schauen. Inhaber Stefan Monschein baut jeden Abend eine Leinwand zum Sport- beziehungsweise Fußballschauen auf. „Wir sind davon nicht wirklich tangiert, dass Deutschland jetzt raus ist“, sagt er. Klar, Deutschlandspiele seien Highlights gewesen, die nun eben ausbleiben, meint Monschein. „Aber schließen müssen wir deshalb noch nicht“, sagt er grinsend. Das Tweety sei schließlich ein Ort, an dem man Bier trinkt, Spaß hat und keine Fanhochburg.

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