„Wir sind keine Hilfsorganisation, sondern Künstler“

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Die Künstler freuen sich über die gelungene Ausstellungseröffnung (von links): Daniel „Daschu“ Schuster, Benno Heller und Flori
Die Künstler freuen sich über die gelungene Ausstellungseröffnung (von links): Daniel „Daschu“ Schuster, Benno Heller und Flori (Foto: Tanja Bosch)
Schwäbische Zeitung

Dass die Ausstellung des „Township Art Projects“ ein so großer Erfolg wird, hätte keiner der drei Künstler gedacht. Daniel „Daschu“ Schuster, Florian Kaiser und Benno Heller sind noch immer völlig überwältigt vom Feedback aus Biberach und Umgebung. Am Sonntag war die Blue Gallery an der Breslaustraße erstmals nach der Vernissage geöffnet. „Es sind mehr als 60 Besucher gekommen und haben sich die Ausstellung angeschaut“, freut sich Streetartkünstler Daniel Schuster. Einige Bilder und fast alle Ausstellungskataloge sind bereits verkauft.

Doch zum Projekt, für das die Sprayer und der Fotograf in ein Township, also einen Slum, nach Südafrika geflogen sind, gibt es auch kritische Stimmen. „Es gibt Menschen, die nicht so richtig verstehen können, was der Sinn hinter unserer Aktion ist“, erzählt Daschu. Schließlich hätten sie den Menschen dort keine neuen Hütten gebaut und weder für Strom noch Wasser gesorgt. „Wir sind auch keine Hilfsorganisation, sondern Künstler“, sagt Fotograf Benno Heller. „Wir haben uns unser Leben dort komplett selbst finanziert.“ Mit den Spenden, die sie im Vorfeld gesammelt haben, kauften sie lediglich die blaue Farbe und Sprühdosen und bezahlten zwei Township-Bewohner, die sie für das Streichen anstellten.

„Wir verschönern mit unserer Kunst den Lebensraum der Menschen, das ist ein ganz anderer Zugang. Wir haben ihnen damit unsere Wertschätzung vermittelt“, sagt Daniel Schuster. Die Menschen im Township seien positiv überrascht gewesen, dass sich weiße Menschen zu ihnen „verirren“, und das nur, um ihnen etwas Gutes zu tun und Zeit mit ihnen zu verbringen. „Sie waren sehr herzlich und dankbar. Am liebsten hätte jeder sein Haus gerne blau gehabt.“

Was Daschu insgeheim hofft: „Im besten Fall haben sie weitergemacht und angefangen zu streichen.“ Ob sich dieser Wunsch erfüllt, wird er sehen, wenn sich die Künstler für das nächste Projekt wieder in „ihr“ südafrikanisches Township aufmachen.

Der Ausstellungskatalog wurde von der Karin Abt-StraubingerStiftung finanziert. Das Buch gibt es für 25 Euro in der Blue Gallerie zu erwerben. Geöffnet hat die Ausstellung an der Breslaustraße in Biberach immer sonntags von 14 bis 20Uhr. Am Kulturparcours, 18. September, ist von 19 bis 23 Uhr geöffnet. Weitere Infos auch im Internet unter www.facebook.com/townshipartproject

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