Wie Senioren sicher mit dem Pedelec fahren

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Simon Ruf

Immer mehr Senioren werden in Unfälle verwickelt. Ein Grund hierfür ist die zunehmende Verbreitung von Pedelecs. Um die Gefahren im Verkehr für und durch Senioren zu senken, bemühen sich die Polizei, Seniorenverbände und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat um Aufklärung. Harald Belz vom ADAC zeigte Biberacher Senioren, wie sie im Alltag mit dem Elektrorad sicher unterwegs sind.

Laut dem Polizeipräsidium Ulm haben im vergangenen Jahr 454 Senioren einen Unfall verursacht, bei dem Menschen verletzt wurden. 2017 lag die Zahl noch bei 376 Verursachern. Gleichzeitig nimmt auch die Zahl der Unfälle mit Pedelecs zu, die nach Angaben der Polizei häufig von Senioren gefahren werden „Wir beobachten eine Steigerung von schweren Unfällen durch Senioren mit Pedelecs“, stellt der Referent des ADAC und des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, Harald Belz, in der Volkshochschule Biberach fest. „Daher wollen wir Senioren schulen, auch damit sie es selbst erkennen, falls sie besser nicht mehr fahren sollten.“

Tipps für die Verwendung

Mit dem Alter nähmen die Fähigkeiten in den Bereichen Motorik, Sensorik, Gleichgewichtssinn und Reaktionsschnelligkeit ab, so Belz. Auch die Folgen von Unfällen seien bei älteren Menschen gravierender. „Es kommt häufig zu Brüchen, da die Knochen im Alter nicht mehr so stabil sind“, erläutert der Verkehrsexperte. „Eine Heilung ist dann nur schwer möglich und nicht selten sterben die Verunglückten an den Folgen.“

Problematisch aus seiner Sicht ist, dass Senioren, die seit mehreren Jahren nicht mehr Fahrrad gefahren sind, plötzlich auf einem Pedelec unterwegs sind. „Wer aus der Übung ist, sollte auf jeden Fall bei einem Fahrtraining für Elektrofahrräder mitmachen“, empfiehlt Harald Belz. Der größte Teil des Vortrags erstreckte sich darauf, welche Tipps beim Kauf und bei der Verwendung von Pedelecs zu beachten sind. Die etwa 40 Teilnehmer folgten dem Vortrag interessiert und hatten jede Menge Fragen an den Experten.

So wollten sie unter anderem wissen, welche Modelle und Akkus vorteilhaft seien. Belz empfahl ihnen einen tiefen Einstieg, außerdem eine automatische Schaltung und ein Antiblockiersystem (ABS), das es inzwischen auch für Pedelecs gibt. So könnten Stürze vermieden werden. „Das Bremsen führt besonders häufig zu Stürzen“, sagt er. Deshalb sollten die Pedelecfahrer nur mit jeweils einem Finger pro Hand bremsen, um einen unsanften Abgang über den Lenker zu vermeiden. Der Fachmann empfiehlt, vor Beginn der Fahrt eine Bremsprobe auf einem freien Platz durchzuführen.

Der Experte hält es für besser, wenn Senioren vielbefahrene und chaotische Straßen meiden und lieber einen Umweg durch ruhigere Gegenden nehmen. Falls es doch zum Sturz kommt, darf eines nicht fehlen: „Der Helm ist immens wichtig, es muss ja auch kein teures Modell sein.“ Hier verweist er darauf, dass zwar 80 Prozent der Kinder, jedoch nur 20 Prozent der älteren Menschen beim Fahrradfahren einen Helm trügen. Trotz aller Vorkehrung sollte ein Fahrradfahrer jedoch immer für andere Verkehrsteilnehmer mitdenken. „Auf rechts vor links sollten Sie sich besser nicht verlassen, denn eine Knautschzone haben Sie auf dem Rad nicht“, betont Harald Belz. Er fasste zusammen: „Tragen Sie einen Helm, kaufen Sie das passende Rad für sich und üben Sie, bevor Sie sich auf die Straße begeben.“

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