Wie Glaube und Demokratie zusammenwirken können

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 Diskutierten über das Zusammenwirken von Glaube und Demokratie: (v. l.) Gunther Wruck, Mehmet Aksoyan, Barbara Traub, Angelika
Diskutierten über das Zusammenwirken von Glaube und Demokratie: (v. l.) Gunther Wruck, Mehmet Aksoyan, Barbara Traub, Angelika Vogt, Sigmund Schänzle und Mario Glaser. (Foto: Maria Wiedergrün/Kreisjugendring)
Schwäbische Zeitung

Das Demokratiezentrum Oberschwaben hat zusammen mit den Kreisjugendringen Biberach und Ravensburg und dem Bündnis für Demokratie und Toleranz Biberach im Landratsamt einen Fachtag zum Thema „Glaube und Demokratie – wie geht das zusammen?“ veranstaltet. Ein wichtiges Anliegen war, das Demokratiezentrum der Öffentlichkeit vorzustellen.

Friederike Höhndorf ist seit zwei Jahren Ansprechpartnerin des Demokratiezentrums Baden-Württemberg in Biberach und bildet mit der Kollegin Franziska Bauer aus Ravensburg das „Demokratiezentrum Oberschwaben“. Die Aufgaben teilen sich in zwei Bereiche: Prävention und Intervention. Präventiv werden Vorträge und Workshops vor allem an Schulen zu den Themen Demokratiebildung organisiert. Der Bereich Intervention ist gefragt, wenn in einer Gemeinde, einer Schule oder einem Verein demokratiefeindliche Dinge passieren.

Angelika Vogt (Demokratiezentrum Baden-Württemberg), diskutierte mit dem katholischen Dekan Sigmund F. J. Schänzle, dem evangelischen Pfarrer Gunther Wruck, Barbara Traub von der Israelitischen Glaubensgemeinschaft Württembergs, Mehmet Aksoyan vom Verein Tavier Ravensburg und Bürgermeister Mario Glaser (Schemmerhofen) über die Frage, wie Glaube und Demokratie zusammengehen.

Bürgermeister Glaser führte aus, dass der Begriff Demokratie am besten verstanden wird, wenn auch Kinder die gleiche Erklärung verstehen. Dekan Schänzle sagte, die Demokratie sei der ideale Raum für die Entfaltung des Glaubens, viele demokratische Grundsätze fänden sich in den christlichen Werten wieder.

Für Barbara Traub bedeutet eine funktionierende Demokratie die beste aller Staatsformen, denn unter verschiedenen anderen Staatsformen wurden Juden immer schon diskriminiert, das änderte sich erst mit der Demokratie. Mehmet Aksoyan sagte, aus dem islamischen Selbstverständnis heraus habe er die Verpflichtung, einen konstruktiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten und hierfür bietet die Demokratie den richtigen Rahmen. Pfarrer Wruck ergänzte, in der Demokratie sei es absolut möglich, zu sagen: „Ich glaube“.

Angelika Vogt wollte von den Diskutanten wissen, wie viel Pluralismus die Gesellschaft im Hinblick auf rechtspopulistische und rechtsextreme Tabubrüche gegen den Pluralismus aushält. Hierauf meinte Mario Glaser, dass das Bewusstsein, dass die Pluralität verteidigt werden muss, an die junge Generation weitergegeben werden sollte. Er finde, dass die Demokratie Rechtsextremismus und dessen Grenzüberschreitungen nicht aushalten müsse.

Pfarrer Wruck ergänzte, dass sich auch innerhalb von Glaubensgemeinschaften immer wieder die Frage stelle, wie viel Pluralität diese aushalten. Dekan Schänzle merkte an, dass wir in einer Zeit zunehmender Geschichtsvergessenheit leben und niemand behauptet habe, Demokratie sei einfach. Freiheit heiße auch nicht, frei von irgendetwas zu sein, sondern frei für etwas. Mehmet Aksoyan hofft, dass die Demokratie sehr viel Pluralität aushält, er forderte aber auch, dass sich Minderheiten einbringen und teilhaben dürfen. Sich in der Gesellschaft zu engagieren, stärke die Demokratie.

Barbara Traub ergänzte, die Demokratie berge die Voraussetzung, dass Pluralität existiert, denn ohne diese gebe es keine Demokratie. Momentan befinde man sich im Rückwärtsgang es werde wieder mehr ausgegrenzt und ausgeschlossen. Die Schwierigkeit der heutigen Zeit sei, gesetzliche Grenzen zu setzen und gleichzeitig auf dem Boden der Demokratie zu bleiben.

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