Wie eine zweite Familie

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Georgien trifft Deutschland: Marianne Asp (l.) mit Ehemann Peter Asp (2. v. r.) und Salome Omiadze mit ihrer Tochter (2. v. l.)
Georgien trifft Deutschland: Marianne Asp (l.) mit Ehemann Peter Asp (2. v. r.) und Salome Omiadze mit ihrer Tochter (2. v. l.) und Ehemann Nika Tschutschwili mit dem Sohn (r.). (Foto: Felizitas Eglof)
Felizitas Eglof

Im Jahr 2004 kam Salome Omiadze aus der georgischen Partnerstadt Telawi das erste Mal nach Biberach. Sechs Wochen lang lebte sie bei Familie Asp in Mettenberg und besuchte den Unterricht der Klasse 9 am Wieland-Gymnasium. Daraufhin folgten zwei weitere Besuche, im Jahr 2007 und in diesem Jahr. „Als ich zum ersten Mal hier war, hätte ich nie gedacht, dass ich 13 Jahre später noch einmal nach Mettenberg komme“ , sagt die 29-Jährige lachend.

Dass es überhaupt zum ersten Besuch in Biberach kam, war ein Zufall. Die deutsche Schule in Telawi, die Salome Omiadze zu dieser Zeit besuchte, organisierte einen Austausch mit Biberach, jedoch meldeten sich zu wenige Biberacher Gastfamilien. „Ich habe damals den ersten Aufruf in der „Schwäbischen Zeitung“ nur überflogen und schnell wieder vergessen, aber als ich ihn nochmals gelesen habe, dachte ich mir, da mache ich mit“ , erzählt Marianne Asp. Sie und ihr Mann Peter hatten schon öfter Austauschschüler zu Gast und freuten sich auf den Besuch aus Georgien. So konnte Salome Omiadze doch noch sechs Wochen in Biberach und Umgebung verbringen. „Das schönste Erlebnis damals war der Ausflug auf die Insel Mainau, das werde ich nie vergessen“ , erinnert sich die 29-Jährige.

2007 flatterte, auf dem damals noch unüblichen digitalen Weg, eine E-Mail ins Haus Asp. Salome Omiadze meldete sich wieder bei ihrer alten Gastfamilie und fragte nach einer Möglichkeit, ein Praktikum in Deutschland zu absolvieren. Die Georgierin hatte 2005 ihr Abitur bestanden und damit begonnen, Zahnmedizin zu studieren. Nun war sie im vierten Semester und kam zum zweiten Mal nach Mettenberg für ein sechswöchiges Praktikum bei einem Biberacher Zahnarzt. „ Das Praktikum hat mir sehr geholfen. Zum einen konnte ich mein Deutsch verbessern, zum anderen habe ich gute Erfahrungen in meinem Beruf gesammelt“, erzählt die 29-Jährige.

Durch regelmäßigen E-Mail-Kontakt kam es 2015 zu einem Gegenbesuch von Marianne und Peter Asp. Sie flogen nach Georgien, um die Familien von Salome Omiadze und ihrem Mann Nika Tschutschwili kennenzulernen. „Ich war überwältigt von der Gastfreundlichkeit der Familien, wir konnten gar nicht so viel essen, wie sie uns aufgetischt haben“ , erinnert sich Marianne Asp. Gefallen hat Peter Asp vor allem die Landschaft: „Besonders das Kaukasus-Gebirge ist ein wahres Erlebnis, weil es so unbesiedelt und naturbelassen ist. Außerdem hat das Land eine lange Geschichte, für die sich meiner Meinung nach viel mehr Menschen interessieren sollten.“ Das empfindet auch Salome Omiadze so: „Wenn ich sage, dass ich aus Georgien komme, sagen die meisten Leute ,Ach ja, aus Russland, aber das stimmt ja so nicht. Ich und auch viele andere Georgier würden sich freuen, wenn mehr Menschen den Kontakt zu uns suchen oder das Land bereisen würden, wie Marianne und Peter Asp.“

Visafreiheit macht Reise einfacher

Jetzt, bei ihrem dritten Besuch hat Salome Omiadze ihren Mann und die gemeinsamen Kinder dabei. Aufgrund der Visafreiheit für Georgier, die Anfang dieses Jahres in Kraft trat, ist es für Salome und ihre Familie nun einfacher, nach Deutschland zu kommen. „Es müssen aber immer noch viele Formulare von uns, aber auch von Salomes Familie, ausgefüllt werden, damit sie nach Deutschland reisen kann“, erzählt Peter Asp.

Salome und ihr Mann sind dankbar für die Gastfreundlichkeit von Marianne und Peter Asp: „Es ist so schön, immer wieder von Familie Asp aufgenommen zu werden, sie haben mir bisher schon so viel geholfen und gegeben, da kann ich nie genug Danke sagen“, betont Salome Omiadze. Auch ihrem Mann gefällt es gut hier, und obwohl er kein Deutsch spricht, fühlt er sich wohl in der Familie. Vor allem gefalle ihm an Biberach, dass die Stadt so ruhig und sauber ist. „Am schönsten ist aber, dass alle Leute, die wir treffen, immer lachen und sehr freundlich zu uns sind“ , sagt der 31-Jährige, der mit seiner Frau eine Zahnarztpraxis in Telawi betreibt. Bis Anfang August ist die georgische Familie noch in Mettenberg und macht Ausflüge mit dem Ehepaar Asp. Salome Omiadze hat hier eine zweite Familie gefunden: „Ich fühle mich wie eine Tochter von Familie Asp und hoffe, sie bald wiederzusehen.“

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