Wie der Haifisch in der Sardinenbüchse

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 Die beiden Clowns Erik Gadient (links) und Olli Hauenstein bringen das Publikum im Komödienhaus zum Lachen.
Die beiden Clowns Erik Gadient (links) und Olli Hauenstein bringen das Publikum im Komödienhaus zum Lachen. (Foto: Gabi Ruf-Sprenger)
Gabi Ruf-Sprenger

Mit Olli Hauenstein und Erik Gadient sind am Sonntagabend zwei Künstler auf der Bühne im Biberacher Komödienhaus gestanden, die ihr Publikum mitten ins Herz getroffen haben.

Darf man über Menschen mit Behinderung lachen? Ja, denn Eric Gadient, der Schauspieler mit Down-Syndrom, steht als Clown auf der Bühne, um sein Publikum zum Lachen zu bringen. Es lacht mit ihm, es lacht ihn nicht aus. Darin liegt der Unterschied.

Und zu lachen gab es viel. Mit einfachen Mitteln, einem feinen und berührenden Humor brachte das Clown-Duo zum Lachen. Als Beispiel sei die Kingscrab erwähnt, die dem Duo beim Fischen im Zuschauer-Ozean ins Netz ging, und sich als „Stinkcrab“ entpuppte. Köstlich war bei dieser Szene auch der Tauchgang, bei dem das Publikum charmant mit ins Geschehen einbezogen wurde. Einem wilden Ritt auf dem „crazy horse“ und dem Duell beim High Noon in der Westernszene folgte die urkomische Gesangseinlage „Cucurrucucu“ des singenden Haifischs mit den beiden Künstlern in der Sardinenbüchse.

Tellerjonglage inbegriffen

Egal, ob als Sherlock Holmes mit „Watsup“ oder in der ruhigen und sehr schönen Szene, in welcher sich beide Künstler gegenseitig in einem Rahmen spiegelten – Eric Gadient und Olli Hauenstein wussten ihr Publikum zu begeistern. Zu den ebenfalls herausragenden Programmpunkten des Abends zählte auch die Tellerjonglage. Wunderbar bunt und bezaubernd schön war zudem der Auftritt der beiden als Drachen- und Kugelfisch.

An diesem Abend wurde deutlich: Eric Gadient hat das Talent zum Clown. Doch dieses Talent allein ist sicher nicht der Grund für den Erfolg des Komiktheaters. Die Kunst liegt auch bei Olli Hauenstein, der sorgfältig darauf achtet, dass sich die beiden unterschiedlichen Clowns auf Augenhöhe begegnen können. Dafür hat Autor Olli Hauenstein die Rolle von Eric Gadient diesem nicht nur auf den Leib geschneidert, sondern geschickt in die dramaturgische Trickkiste gegriffen, indem er den beiden von Natur aus unterschiedlichen Clowns die Namen „Oberschiedlich“ und „Unterschiedlich“ gab. Ihr Name ist Programm. Ob sie nun zusammen zum Fischen gingen, den toten Fisch zu Grabe trugen, sich in chinesischer Kampfkunst übten oder der klassischen Musik widmeten: Eric Gadient als „Oberschiedlich“ behielt bei all dem lustigen Treiben verschmitzt die Oberhand über den etwas ungeschickten „Unterschiedlich“ (Olli Hauenstein). Eine gelungene Mischung war zudem der Mix aus Englisch und Schwyzerdütsch. Eric Gadient, der gebürtiger Amerikaner ist, jedoch seit vielen Jahren in der Schweiz lebt, sprach englisch und Schwytzerdütsch und Olli Hauenstein als Schweizer auch für oberschwäbische Ohren gut verständlichen Schweizer Dialekt.

Unterstützt wurden sie von Andreas Kohl am Klavier, der zu allen Späßen den passenden Ton traf, sowie von Paul Engeli, der das Geschehen auf der Bühne im rechten Licht erscheinen ließ – besonders schön kam dies bei der Tellerjonglage zur Geltung. Als Assistenz im Hintergrund wirkte Ulrike Hauenstein. So charmant wie die beiden Clowns ihr Publikum über fast eineinhalb Stunden mit auf ihre Reise in den Ozean nahmen, so gewinnend wiesen sie darauf hin: Wer gerne wissen möchte, wo das „Clown-Syndrom“ in nächster Zeit zum Fischen geht, findet diese Info im weltweiten Netz.

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