Wie aus Ideen tragfähige Unternehmenskonzepte werden

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 Cornelia Gretz
Cornelia Gretz (Foto: Stefan Sättele/HBC)
Schwäbische Zeitung

Gastprofessorin Cornelia Gretz treibt das Thema Gründung an der Hochschule Biberach voran. Im Interview erklärt sie, wie die Gründerinitiative, eine Anlaufstelle für Gründungsinteressierte, wirkt – an der HBC und in der Region.

Frau Gretz, Sie kommen gerade vom Mekka der Gründerszene in Deutschland, dem Berliner „Entrepreneur Summit“ . Was haben Sie dort erlebt?

„Entrepreneur Summit“ bedeutet im Deutschen so viel wie Gründergipfel. In diesem Jahr lautete das Thema „Wir können Ökonomie besser“. 1500 Teilnehmer vielfältigster Couleur haben sich dort eingefunden – vom Studierenden, Unternehmer bis hin zum Hochschullehrer. Auf dem Summit wird ehrlich und authentisch vorgelebt, wie Innovation funktioniert. Das ist ganz entscheidend!

Wie geht Ökonomie denn besser?

Die wachsenden Probleme unserer Zeit sind mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr zu lösen. Wir müssen und können eine Menge ändern und zwar sehr schnell. Dabei geht es nicht darum, etwas komplett Neues in die Welt zu bringen, sondern vorhandene Dinge anders zu machen. Dieses Jahr ging es auf dem Gründer-Gipfel zum Beispiel um abbaubares Toilettenpapier und Papiertaschentücher.

Wie profitiert die Region vom Gründer-Gipfel in Berlin?

Ganz unmittelbar! Denn sozusagen im Gepäck hatte ich Professor Günter Faltin. Er ist Initiator des Summit und selbst erfolgreicher Gründer. Bei uns in Biberach hat er wenige Tage nach dem Berliner Gipfel beim ersten HBC-Gründertag gesprochen. Dabei stand das Thema Gründen mit Komponenten im Vordergrund.

Das klingt nach Baukasten? Was steckt genau dahinter?

Meist hat der Gründer eine tolle Idee und schon positive Resonanz am Markt, aber dann gilt es eine professionelle Organisation zu entwickeln. Das ist nicht immer leicht. Wer sich im Kern seiner Tätigkeit zum Beispiel mit der Entwicklung und Produktion eines nachhaltigen Sportschuhs beschäftigt, hat nicht unbedingt die Leidenschaft, Päckchen zu verpacken und die richtigen Transport- und Zollpapiere beizulegen, Reklamationen zu bearbeiten, sich um Social Media oder Suchmaschinenmarketing zu kümmern oder in der Nacht die Buchhaltung in Ordnung zu bringen. Hier schaffen zugekaufte Komponenten Freiräume. Das eigene Unternehmen kann wachsen, der Kern bleibt klein, überschaubar und damit bewältigbar.

Sie haben an der HBC eine Gründerinitiative ins Leben gerufen. Welche Form der Unterstützung findet man bei Ihnen?

Kontakte in die Gründerszene sind enorm wichtig. Deshalb bieten wir Plattformen für Networking. Und natürlich geht es um konkrete Anleitung. Schließlich ist Gründung mit Risiko behaftet. Wir setzen ein strukturiertes, fünfphasiges Instrumentarium ein, um den Prozess sicherer zu machen, bis das erste Geld verdient wird. Dies ist insbesondere für junge Menschen von großer Bedeutung, damit sie sich im Falle eines Scheiterns nicht ihre Zukunft verbauen.

Wie funktioniert die Fünf-Phasen-Methode?

Den fünf Phasen, entwickelt von asap bw, Hochschule der Medien, Stuttgart, liegt die Erkenntnis zugrunde, dass sich ein Startup immer in einem Suchmodus befindet. Un dass es viele Interaktionen am Geschäftsmodell vornehmen wird, um weniger zielführende Ansätze möglichst schnell zu erkennen. Es geht also nicht darum, Fehler zu vermeiden, sondern darum sie schneller zu erkennen. Jede Phase besteht aus einer wissenschaftlichen Einführung und mündet in gezielte praxisnahe Übungen. Dabei werden in fünf Schritten zentrale Fragen gestellt und analysiert. Zum Beispiel: Ist meine Idee tatsächlich die optimale Lösung für meine Zielgruppe? Hat mein Produkt eine Chance am Markt und wie positioniere ich es richtig? Wie groß ist mein Markt realistischerweise und wer genau sind meine Mitbewerber? Ist mein Leistungsversprechen in ein profitables, skalierbares Geschäftsmodell eingebettet? Welche Kosten habe ich und welcher Umsatz steht dem realistischerweise gegenüber?

Für diejenigen, die jetzt neugierig geworden sind: Wann gibt’s die nächste Veranstaltung der Gründerinitiative?

Schon am Donnerstag, 14. November. Ab 19 Uhr sind wir mit der Start-up-Night zu Gast in der Jugendkunstschule Biberach. Kurzentschlossene können sich über das Internetportal Eventbrite anmelden.

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