Wettkampf mit Worten

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Tobias Meinhold (l.) und Tobias Heyel sind die Macher der Biberacher „Wortkonzerte“.
Tobias Meinhold (l.) und Tobias Heyel sind die Macher der Biberacher „Wortkonzerte“. (Foto: Ulrich Klob)
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Dass ein Konzert auch ohne Musik funktionieren kann, wissen die Biberacher seit inzwischen fünf Jahren. Denn genau so lange organisiert Tobias Meinhold inzwischen seine „Wortkonzerte“. Damit hat er das Format des Poetry-Slams in Biberach etabliert – mit wachsendem Erfolg. Am Freitag, 7. Dezember, gibt es ab 20 Uhr im Museum Biberach das inzwischen 18. Wortkonzert.

Waren Poetry-Slams, eine moderne Form des Dichterwettstreits, bis vor einigen Jahren vor allem ein Phänomen in deutschen (Uni-)Großstädten, sind sie inzwischen auch in kleineren Städten angekommen. In Biberach war vor allem Tobias Meinhold der Wegbereiter. „Ich schreibe seit meiner Jugend und stand 2011 mehr durch Zufall bei einem Poetry-Slam in der Zehntscheuer in Ravensburg auf der Bühne“, erzählt er. Ein Schlüsselerlebnis: „Mich ließ das Ganze nicht mehr los. Mir gefielen die Atmosphäre und die Menschen, die da mitmachten.“ Fortan tourte Meinhold zu Slams in ganz Süddeutschland bis hinauf nach Darmstadt.

Logisch, dass der Wunsch enstad, Poetry-Slams auch in Biberach zu veranstalten. Zusammen mit Robin Mesarosch, damals Pressesprecher des Biberacher SPD-OB-Kandidaten Oliver Reken und bestens vernetzt in der Slammer-Szene, organisierte Meinhold im September 2012 einen „City-Slam“ im Café Weichhardt. Dazu kamen 70 Besucher. Bei einer Neuauflage zwei Monate später waren es schon 100. Ein weiterer Poerty-Slam, den Meinhold im Auftrag der Stadt veranstaltete zog im Frühjahr 2013 dann 220 Gäste ins Abdera. „Da war mir klar, dass das Format funktioniert.“ So kam es am 7. September 2013 zum Start der „Wortkonzert“-Reihe.

Durch seine Kontakte, die er inzwischen die die Slammer-Szene geknüpft hatte, gelang es Meinhold in der Folge, immer wieder namhafte Poeten oder Nachwuchstalente aus dem gesamten deutschsprachigen Raum nach Biberach zu holen, die mit ihren Texten um die Gunst des Publikums warben.

„Lesebühne“ gibt Poeten mehr Zeit

Weil Ende 2015 das Abdera die Zuschauer nicht mehr fassen konnte, zog das „Wortkonzert“ in die Gigelberghalle um, hinzu kamen Open-Air-Veranstaltungen auf dem Gigelberg. Ergänzend entwickelte Meinhold ab April 2015 auch das Veranstaltungsformat der „Lesebühne“. „Ich bekam immer wieder die Rückmeldung, dass die Besucher sich von einzelnen Künstlern gerne mehrere Texte anhören würden. Dem tragen wir mit der Lesebühne Rechnung, bei der drei Poeten jeweils eine halbe Stunde ihre Texte vortragen und von uns interviewt werden“, sagt Meinhold.

Mit „uns“ meint er sich selbst sowie Tobias Heyel. Der gebürtige Biberacher, der in Stuttgart lebt, ist schon seit 15 Jahren als Poerty-Slammer unterwegs und hat entsprechend gute Beziehungen in die gesamte Szene. Er unterstützt Tobias Meinhold seit Anfang 2017 in der Organisation und auch bei der Moderation der „Wortkonzerte“. Zudem veranstaltet er auch Poerty-Slam-Workshops an Biberacher Schulen und hat es damit geschafft, dass inzwischen möglich ist, Nachwuchs-Poetry-Slams mit Talenten aus Biberach selbst zu bestreiten, wie zum Beispiel kürzlich bei einem Schüler-Poerty-Slam der Wieland-Gesellschaft. „Ziel ist, irgendwann auch mal einen Poerty-Slammer aus Biberach zu den deutschen Meisterschaften zu schicken“, sagt Heyel.

Bis es irgendwann soweit ist, steht zunächst ein anderer Höhepunkt für die Poerty-Slam-Szene in Biberach an: Vom 9. bis 11. Mai 2019 finden in Biberach die baden-württembergischen Meisterschaften in Biberach statt. Mehr als 40 Poeten unter und über 20 Jahre werden dann um den Landestitel in ihrer Altersklasse wetteifern, verbunden mit einem namhaften Begleitprogramm, verspricht Meinhold.

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