„Weniger die Abrissbirne schwingen“

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Wünschen sich noch mehr Grün in der Innenstadt, wie hier am Ratzengraben: Peter Schmid (v. l.) und Josef Weber von der Grünen-Fr
Wünschen sich noch mehr Grün in der Innenstadt, wie hier am Ratzengraben: Peter Schmid (v. l.) und Josef Weber von der Grünen-Fraktion. (Foto: Gerd Mägerle)
Redaktionsleiter

Außer den Grünen sind bereits die SZ-Fraktionsgespräche mit der FDP, der SPD und Linken-Stadtrat Ralph Heidenreich erschienen.

Durchgehende Grünbereiche im Stadtgebiet, keine großflächigen Neubaugebiete mehr und die Anbindung der Nachbargemeinden an den verbesserten Buslinienverkehr: Das sind drei Themen, mit denen die Grünen-Fraktion im Biberacher Gemeinderat in den kommunalpolitischen Herbst 2018 geht.

Stadtbusverkehr: „Wir beharren nicht mehr auf unserer Forderung, dass der Stadtbusverkehr kostenlos sein muss“, sagt Fraktionsvorsitzender Peter Schmid. Wenn sich das Ein-Euro-Ticket umsetzen lasse, sei seine Fraktion zufrieden. Er freue sich, dass das auch die anderen Fraktionen so sehen. Natürlich werde das die Stadt etwas kosten, „sie gewinnt dadurch aber auch an Attraktivität“, so Schmid. Aus Grünen-Sicht wäre es nun wichtig, den besser vertakteten und preisgünstigen ÖPNV auch auf die Gemeinden Ummendorf, Mittelbiberach, Maselheim und Warthausen auszudehnen“, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Josef Weber. Durch ihre Nähe zu Biberach bringe das auf jeden Fall Vorteile. „Sie müssen sich natürlich auch finanziell beteiligen“, so Weber. Außerdem sollten die großen Arbeitgeber bereit sein, ein Jobticket mitzufinanzieren, so Schmid. Das würde die Pendlerströme etwas reduzieren, ist er sicher.

ZOB: Zu einem besseren Buslinienverkehr gehöre in der Folge auch ein optimal ausgebauter, neuer zentraler Omnibusbahnhof (ZOB), sagt Weber. „Der muss so gestaltet sein, dass sich jeder Nutzer ganz einfach orientieren kann.“ Durch die Elektrifizierung der Südbahn werde der Bahnhofsbereich ohnehin eine Aufwertung erfahren.

Verstädterung: „Aus unserer Sicht hat die Urbanisierung und Industrialisierung Biberachs ein derart beschleunigtes Tempo aufgenommen, dass die Ökologie oft in den Hintergrund gedrängt wird“, so Schmid. Er nennt als Beispiel den European Energy Award (EEA). „Da werden wir schlechter benotet als Städte wie Ravensburg, Ulm oder Friedrichshafen“, so Schmid. „Die Stadtverwaltung sagt uns, das liege an der Industrie in Biberach. Aber diese Industrie haben die anderen Städte doch auch.“ Seine Fraktion fordere deshalb eine Entschleunigung bei der industriellen Entwicklung. „Wir sind aber nicht gegen die Wirtschaft, nur weil wir gegen das interkommunale Industriegebiet im Rißtal sind“, sagt Schmid. Seine Fraktion sei auch nicht gegen neue Wohnhäuser. „Aber große neue Baugebiete, das machen wir in Zukunft nicht mehr mit. Da ist uns der Flächenverbrauch einfach zu groß.“ Vielmehr gelte es, bestehende innerstädtische Gebäude und Quartiere zu ertüchtigen, „und weniger die Abrissbirne zu schwingen“.

Mehr Grün in der Stadt: „Wir wollen, dass die ökologisch wertvollen Kleingartenanlagen in der Stadt vergrößert werden“, sagt Schmid. Viele Bürger hätten den Wunsch, einen kleinen Garten zu haben. Des Weiteren spricht sich die Grünen-Fraktion für grüne Bänder aus, die sich durch das Stadtgebiet ziehen. „Wir haben zum Beispiel den Ratzengraben und das Wolfental, aber was fehlt ist die grüne Verbindung.“ Hier fehle es, laut Weber, an einem Gesamtkonzept. Dazu gehöre auch eine „ökologische Auffrischung des Gigelbergs und des Bereichs entlang der Gaisentalstraße. Solche grünen Bänder durch das Stadtgebiet wirkten wie Klimaanlagen für die Stadt. „Deswegen hätten wir uns auch mehr Grün und einen geöffneten Stadtbach am Alten Postplatz vorstellen können und keine große Betonplatte, die sich im Sommer aufheizt“, sagt Weber.

Ochsenhauser Hof: Bei der Neugestaltung des Umfelds der Begegnungsstätte Ochsenhauser Hof muss aus Sicht der Grünen darauf geachtet werden, dass der gesamte Baumbestand erhalten bleibt, so Schmid. Seine Fraktion würde es auch begrüßen, wenn zu Gunsten einer Vergrößerung der Sozial- und Spielfläche der eine oder andere Parkplatz wegfalle.

Verkehrslenkende Maßnahmen: „Bevor neue Straßen wie der B 30-Aufstieg weiterverfolgt werden, müssen wir die Verkehrsinfrastruktur in der Stadt verbessern“, sagt Weber. Dazu gehöre ein weiterer Ausbau des ÖPNV sowie der Radwege, außerdem verkehrslenkende Maßnahmen in der Stadt selbst.

Außer den Grünen sind bereits die SZ-Fraktionsgespräche mit der FDP, der SPD und Linken-Stadtrat Ralph Heidenreich erschienen.

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