Welche Chancen die Digitalisierung bietet

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Arbeitsmarktgespräch dreht sich um Digitalisierung
Der Landkreis Biberach hat mit 2,1 Prozent eine der geringsten Arbeitslosenquoten im Südwesten. Aber die Frage ist: Bleibt das so? Schließlich wird die voranschreitende Digitalisierung und damit einhergehend auch die Automatisierung in den Betrieben einiges verändern. Darum ging es unter anderem heute bei einem Arbeitsmarktgespräch der Bundesagentur für Arbeit Ulm-Biberach.

Mit 2,1 Prozent weist der Landkreis Biberach die geringste Arbeitslosenquote im Südwesten auf. Bleibt die Zahl der Arbeitslosen ähnlich gering, wenn die Digitalisierung und damit die Automatisierung in den Betrieben weiter voranschreitet? Unter anderem um diese Frage ging es am Donnerstag in Biberach bei einem Arbeitsmarktgespräch der Bundesagentur für Arbeit Ulm. Arbeitnehmer sollten sich demnach auf Zeiten einstellen, in denen Fort- und Weiterbildung unausweichlich werden.

 Beim Arbeitsmarktgespräch der Agentur für Arbeit Ulm in Biberach hat der Vorsitzende der Geschäftsführung, Mathias Auch (links)
Beim Arbeitsmarktgespräch der Agentur für Arbeit Ulm in Biberach hat der Vorsitzende der Geschäftsführung, Mathias Auch (links), die neue Leiterin der Biberacher Geschäftsstelle, Dagmar Theede, vorgestellt. Gerd Zika referierte über das Thema Digitalisierung. (Foto: Daniel Häfele)

Im Kreis Biberach ist der Anteil der Tätigkeiten, die schon heute ein Computer oder eine Maschine übernehmen könnte, mit etwa 37 Prozent im Baden-Württemberg-Vergleich relativ hoch. Dies bedeute aber nicht zwingend, dass diese Berufe wegfallen, wie Referent Gerd Zika in den Räumen der Kreishandwerkerschaft vor Vertretern aus Politik und Wirtschaft sagte. Denn aus ethischen, rechtlichen oder betriebswirtschaftlichen Gründen könnten Firmen in manchen Zweigen auf Automatisierung auch verzichten.

Neue Maschinen anschaffen

Zika ist Mitarbeiter im Forschungsbereich „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg und erstellt dabei Projektionen, wie sich die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt auswirken kann. „Die Digitalisierung sollte als Chance gesehen werden“, sagte er. Denn mit automatisierten Arbeitsabläufen könnten zum Beispiel personelle Engpässe aufgefangen werden und damit die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands erhalten bleiben.

Zunächst sei zwar noch ein Anstieg der Zahl der Erwerbstätigen zu erwarten, langfristig betrachtet sinke dieser Wert aber, sagte Zika. Das Stichwort heißt demografischer Wandel. Zudem schilderte er, dass die Digitalisierung kein Jobkiller sein muss – im Gegenteil.

Es wird einen Abbau, aber auch einen Aufbau von neuen Arbeitsplätzen geben. Forscher Gerd Zika

So müsste erst einmal „sehr viel Geld in die Hand genommen werden“, um die automatisierten Prozesse überhaupt möglich zu machen. Er führte Beispiele, wie die Anschaffung neuer Maschinen oder den Ausbau der Breitbandinfrastruktur an. Geld, das auf diese Weise in den Wirtschaftskreislauf hineingepumpt werde, sorge zunächst für einen positiven Effekt auf die Zahl der Beschäftigten.

Doch auch später ergeben sich Chancen. „Es wird einen Abbau, aber auch einen Aufbau von neuen Arbeitsplätzen geben“, erläuterte Zika. Jedoch würden die Tätigkeiten anspruchsvoller werden und einfachere Jobs wegfallen.

Komplexere Aufgaben im Beruf

Vor diesem Hintergrund werden die Weiterbildung und das lebenslange Lernen für viele Arbeitnehmer eine gewichtigere Rolle spielen. Denn nur wenn Mitarbeiter geschult würden, könnten sie komplexere Aufgaben auch übernehmen, sagte der Referent. „Ansonsten haben wir auf der einen Seite eine Massenarbeitslosigkeit und auf der anderen Seite einen Fachkräftemangel.“

Wie heftig und schnell der Strukturwandel werden wird, konnte Zika nicht sagen. Denn die Entwicklung – und das wurde in dem Vortrag mehr als deutlich – hängt von einer ganzen Reihe an Faktoren ab, auf die sich nur bedingt Einfluss nehmen lässt.

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