Weihnachtsmarkt: Darf der Glühweinbecher mitgenommen werden?

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Eine verzierte Glühweintasse verleitet schnell dazu, sie mitzunehmen. Aber ist das erlaubt? (Foto: dpa)
crossmediale Volontärin

Die Adventszeit ist die Zeit von Glühwein, Grog und Punsch. Auf dem Weihnachtsmarkt bekommen Besucher Heißgetränke oft in hübsch verzierten Becher und Tassen gereicht. Gern wandern die als Andenken in die Tasche. Immerhin wurde ja Pfand dafür bezahlt. 

Mitnahme ist rechtlich gesehen eine Straftat

Doch egal, ob der Käufer ein, zwei oder sechs Euro für den Becher ausgegeben hat - zu seinem Eigentum wird er dadurch nicht. Laut Gesetz besteht zwischen Kunden und Verkäufer lediglich ein Kaufvertrag über den Glühwein, nicht aber über das Gefäß, in dem dieser ausgeschenkt wird. Das Pfand macht das deutlich: Mit ihm möchte ein Standbesitzer in der Regel sicherstellen, dass ein Becher oder eine Tasse unbeschädigt zu ihm zurückkehrt. 

Weihnachtsmarktbetreiber sind gelassen 

Trotzdem sehen viele Weihnachtsmarktbetreiber der Region die Mitnahme von Glühweinbechern als unbedenklich an. Oft verrechnen sie - obwohl das Gesetz das nicht vorsieht - das Pfand mit dem Tassenpreis. So sagt zum Beispiel Wolfgang Winter, Hauptorganisator des Christkindles-Markt in Biberach: „Ein Becher ist bei uns mit einem Pfand von drei Euro belegt. So viel kostet es auch, ihn zu kaufen.“ Für Winter ist es daher kein Problem, wenn das Glühweingefäß vom Kunden mitgenommen wird.

Ähnlich sieht das Gabriele Hirschberg. Seit über 30 Jahren schenkt sie Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt in Ulm aus. Oft habe sie es in dieser Zeit erlebt, dass Kunden Becher eingesteckt haben. „Die gehen weit in die Welt hinaus“, sagt sie mit einem Lachen.

Seit 30 Jahren verkauft Gabriele Hirschberg auf dem Ulmer Weihnachtsmarkt Glühwein - ohne Schuss. Rechts: Ihre Tochter Ursula H
Gabriele Hirschberg ist ein Urgestein auf dem Ulmer Weihnachtsmarkt. Dass ab und an Glühweinbecher von ihrem Stand mitgenommen werden, stört sie nicht. (Foto: Helmstädter)

Als ärgerlich empfindet sie die Mitnahme nicht. Sie selbst verdiene an den Bechern nichts, da sie diese für zwei Euro pro Stück bei der Stadt kaufe und für ein Pfand von zwei Euro an einen Kunden ausgebe. „Uns ist egal, ob die Becher mitgenommen werden“, sagt sie daher. Im Grunde halte sie es sogar für eine gute Werbung, wenn die Glühweingefäße nicht nur auf ihrem Stand in Ulm bleiben, sondern hinaus in die Region getragen werden.

Geht es nach Florian Anger, dem Marktmeister der Bodensee-Weihnacht, dem größten Weihnachtsmarkt in Friedrichshafen, könnten sich die dort ausgegebenen Glühweinbecher „in alle Ecken Deutschlands“ verbreiten. Zukünftig werde es einheitliche Becher für alle Standbesitzer der Bodensee-Weihnacht geben, die speziell auch „zum Sammeln mitgenommen werden“ sollen. Zurzeit sei jeder Standbetreiber noch selbst für den Erwerb und Verkauf der Becher verantwortlich.

Pfand zwischen zwei und drei Euro erscheint angemessen

Allerdings bestimmen die Verkäufer auch, wie viel Pfand pro Tasse erhoben wird. Schwäbische.de hat nachgerechnet, welcher Betrag für einen Becher Glühwein angemessen erscheint. Bei einem branchenüblichen Anbieter für bedruckte Becher kosten 5000 Becher inklusive hochwertigem zweifarbigem Druck zum Beispiel 2,47 Euro. Es erscheint also legitim, wenn ein Standverkäufer Pfand von zwei bis drei Euro pro Becher erhebt.

Vier, fünf oder gar sechs Euro Pfand zu verlangen dürfte dagegen zu viel sein - wenn die Becher nicht außerordentlich hochwertig wären. In so einem Fall rechnet der Verkäufer möglicherweise sogar mit einem zusätzlichen Gewinn, falls der Weihnachtsmarkt-Besucher den Becher einfach mitnimmt.

Am besten um Erlaubnis fragen

Fazit: Rechtlich gesehen mag das Einsacken von Glühweinbechern eine Straftat sein - für die Standbetreiber auf Weihnachtsmärkten ist es meist eine gute Werbung. Wen trotzdem Gewissensbisse plagen, der fragt am besten beim Verkäufer nach, ob er eine leer getrunkenen Becher mitnehmen darf. Im Idealfall bekommt er diesen dann sogar noch gereinigt zurück.

 

 

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