Wegen dieser Krankheiten fehlen Arbeitnehmer besonders oft

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Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen
Die Tage, an denen Arbeitnehmer wegen Krankheit nicht zur Arbeit erschienen,sind leicht gestiegen. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Die DAK-Gesundheit bietet ein neues kostenloses Online-Selbsthilfeprogramm bei Alkoholproblemen an. Eine Anmeldung ist auf www.dak.de/vorvida möglich.

Der Krankenstand im Landkreis Biberach ist im vergangenen Jahr angestiegen. Die Tage, an denen Arbeitnehmer wegen Krankheit nicht zur Arbeit erschienen, nahmen um 0,1 Prozentpunkte zu: von 3,8 Prozent in 2017 auf 3,9 Prozent in 2018.

Das heißt, an jedem Tag des Jahres 2018 waren von 1000 Arbeitnehmern im Kreis durchschnittlich 39 krankgeschrieben. Damit gab es in der Region 2018 einen höheren Krankenstand als im Landesdurchschnitt, der bei 3,7 Prozent lag.

Diese Zahlen sind dem aktuellen Gesundheitsreport der DAK zu entnehmen. Der höchste Krankenstand in Baden-Württemberg wurde mit 4,3 Prozent im Neckar-Odenwald-Kreis verzeichnet, der niedrigste mit 3,1 Prozent im Stadtkreis Stuttgart.

Auch im Vergleich mit den Nachbarlandkreisen lag der Krankenstand im Kreis Biberach höher. Der Alb-Donau-Kreis kommt zusammen mit Ulm auf 3,7 Prozent, die Kreise Sigmaringen, Ravensburg und Reutlingen haben 2018 einen Krankenstand von 3,5 Prozent verzeichnet.

Mehr als jeder Vierte fehlte wegen einer Verletzung

Die aktuelle Analyse der DAK für den Landkreis Biberach zeigt die wichtigsten Veränderungen bei der Zahl und Dauer der Krankschreibungen: Das größte Plus unter allen Diagnosen gab es bei Fehltagen wegen Verletzungen und Vergiftungen: Sie stiegen um 33 Prozent an.

Ihr Anteil am gesamten Krankenstand beträgt mittlerweile über 20 Prozent. Pro 100 Versicherte kamen im vergangenen Jahr im Kreis Biberach 297 Fehltage wegen Verletzungen zusammen. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg waren es im Schnitt nur 164. Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenleiden landen auf dem zweiten Rang, gingen im Vergleich zum Vorjahr jedoch leicht um zwei Prozent zurück.

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Ebenfalls abgenommen hat die Zahl der Tage, die Arbeitnehmer wegen psychischen Erkrankungen gefehlt haben, und zwar um fast ein Fünftel. Dennoch sind psychische Leiden der vierthäufigste Grund dafür, dass Arbeitnehmer krankgeschrieben sind.

Dagegen stiegen die Atemwegserkrankungen wie Bronchitis, Erkältungen und Mandelentzündungen um zehn Prozent an. Sie liegen nun über dem Landesdurchschnitt und landen auf dem dritten Platz der häufigsten Ausfallgründe in der Region. Ebenfalls leicht gestiegen ist die Zahl der Krankheitstage wegen „Neubildungen“, also Tumoren, und Infektionen.

Hunderttausende Baden-Württemberger haben ein Suchtproblem

Die Krankenkasse untersuchte auch, wie viele Erwerbstätige in Baden-Württemberg mit Problemen durch Alkohol, Zigaretten und Computerspiele zu kämpfen haben. Ihr Fazit: Hunderttausende Beschäftigte in Baden-Württemberg haben ein Suchtproblem.

Konkret bedeutet das: Rund 431.000 Arbeitnehmer zeigen einen riskanten Alkoholkonsum – das ist jeder 13. Beschäftigte. Bei Männern beginnt das beispielsweise bei täglich mehr als zwei 0,3 Liter-Gläsern Bier, bei Frauen schon bei einem 0,3 Liter-Glas Bier pro Tag. 14,3 Prozent der Arbeitnehmer hierzulande sind zigarettenabhängig.

Erstmals untersucht der DAK-Report auch das Thema Computerspielsucht in der Arbeitswelt. Ergebnis: Rund 400.000 Erwerbstätige in Baden-Württemberg zeigen ein riskantes Nutzungsverhalten.Vor allem junge Beschäftigte zwischen 18 und 29 Jahren sind laut DAK-Report riskante Computerspieler (11,6 Prozent).

Jeder elfte Mitarbeiter mit riskantem Spielverhalten gab bei der Analyse an, in den letzten drei Monaten wegen des Spielens abgelenkt oder unkonzentriert bei der Arbeit gewesen zu sein.

Arbeitnehmer in Baden-Württemberg mit Hinweisen auf eine Suchtproblematik haben deutlich mehr Fehltage im Job als ihre Kollegen ohne auffällige Probleme. Der Krankenstand der Betroffenen ist mit 6,8 Prozent fast doppelt so hoch.

Sie fehlen aber nicht nur im Job, weil sie wegen ihrer Suchtproblematik krankgeschrieben werden. Vielmehr zeigen sich bei ihnen in allen Diagnosegruppen mehr Fehltage. Besonders deutlich ist der Unterschied bei den psychischen Leiden.

Hier sind es mehr als dreimal so viele Fehltage. Bei Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen gibt es ein Plus von über 100 Prozent und damit doppelt so viele Ausfalltage, bei Atemwegserkrankungen sind es 52 Prozent.

Insgesamt ergibt eine Hochrechnung der Studienergebnisse unter den Erwerbstätigen in Baden-Württemberg 823.000 abhängige Raucher, 52.000 erfüllen die Kriterien einer Computerspielsucht, knapp 30.000 Erwerbstätige sind alkoholabhängig.

DAK-Gesundheitsreport "Sucht 4.0" vorgestellt
Alkohol, Zigaretten und Computerspiele sind für viele Beschäftigten in Baden-Württemberg ein Problem. So geht es aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport „Sucht 4.0“ hervor, den die Krankenkasse heute in Stuttgart vorgestellt hat.

Die DAK-Gesundheit bietet ein neues kostenloses Online-Selbsthilfeprogramm bei Alkoholproblemen an. Eine Anmeldung ist auf www.dak.de/vorvida möglich.

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