Was passiert, wenn „ein spezieller Typ auf eine spezielle Stadt“ trifft

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Nach 16 Jahren als Erster Bürgermeister der Stadt Biberach ist Roland Wersch am Donnerstagabend offiziell in die Rente verabschiedet worden. „Spezieller Typ trifft auf spezielle Stadt – das war eine sehr gute Kombination mit herausragenden Ergebnissen“, sagte Oberbürgermeister Norbert Zeidler bei der Feier im Feuerwehrhaus. Es war ein kurzweiliger Abend, bei dem die Redner auch nicht verschwiegen, dass der 63-Jährige mit seiner direkten Art zu polarisieren weiß.

Mit dem Programm seiner Abschiedsfeier blieb sich Wersch, der 2002 zum Nachfolger von Martin Loth als Erster Bürgermeister und Hospitalverwalter gewählt worden war, treu. Von Terminen mit langen Reden hält er bekanntlich wenig, weshalb ähnlich der Matinee anlässlich seines 60. Geburtstags erneut die Musik in den Mittelpunkt rückte. Die 260 geladenen Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft lauschten Stücken aus den Genres Klassik und Pop, an denen auch Weggefährten und Amtsleiter mitwirkten.

Werschs Sohn Adrian am Schlagzeug und Rolf Golz am Piano eröffneten die Feier mit „Classic meets Progressive Drums“. Ein Format, in dem sich auch der gebürtige Rheinländer wiederfand. „Virtuose Klassik gepaart mit einer beeindruckenden Schlagfertigkeit und Dynamik – das, liebe Gäste, bin auch ich“, sagte Wersch im späteren Verlauf des Abends. Zuvor traten erst einmal OB Zeidler sowie CDU-Stadtrat Hubert Hagel ans Rednerpult.

Mehrere Meilensteine

Blicke man auf die Amtszeit von Wersch zurück, dann sei das „wirtschaftlich eine extrem erfolgreiche Zeit“ gewesen, sagte Zeidler. Gewerbesteuer, Zahl der Beschäftigten, Volumen des Hospitalhaushalts – all das habe deutlich zugelegt. Werschs klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort habe sich für Stadt und Bevölkerung bezahlt gemacht. Der OB nannte zudem Meilensteine wie unter anderem die Gründung des Eigenbetriebs Wohnungswirtschaft, die Entwicklung des Hospitalquartiers zum Bürgerheim-Quartier und den Krippenbau im Talfeld.

„Ihr sicherlich großartigstes Jahr war 2012“, sagte Zeidler. „Ab Mitte des Jahres lief Ihnen kein OB mehr zwischen den Füßen herum.“ Es sei nicht das schlechteste Jahr für Hospital und Stadt gewesen, „aber eben ohne die sonst viel gelobte, gepriesene und übrigens auch sinnige Biberacher Gewaltenteilung“. Wersch habe seine „eigene Art, die Dinge anzugehen, zu begleiten und zu bewerten“. „Stolz bin ich darauf, dass ich Sie für – ich nenne das jetzt mal ,späte Lieben’ – gewinnen konnte“, sagte Zeidler und verwies auf einen Besuch in der Partnerstadt Telawi oder den Frühschoppen der Feuerwehr: „Ansonsten haben Sie immer Ihre Eigenständigkeit, Wildheit und Ihren Hang zur Revolution bewahrt.“

Während Zeidler wichtige Eckpunkte der politischen Vita berichtete, konzentrierte sich Hagel auf Werschs Verhältnis zum Gemeinderat. Bei der „mutigen Neuausrichtung“ des Hospitalareals habe ihn ein „selbstbewusster Hospitalrat“ begleitet: „Ein tougher Wirtschaftsleader lässt sich nicht so gerne streng kontrollieren – und ein selbstbewusstes Kontrollorgan möchte trotz Alpha-Eigenschaften des Bosses nicht so gerne nur zuschauen, sondern möchte mitgestalten.“ Die hohe Qualität der Kämmerei liege an dem „kongenialen Zusammenspiel zweier Alphatiere“, vermutete Hagel. Margit Leonhardt, sie leitet das Kämmereiamt, habe, wenn notwendig, Wersch „ganz gut im Griff“ gehabt.

Neben Erfolgen beim Gewerbegebiet Flugplatz und bei Baugebieten sei Wersch beim Grunderwerb zum Beispiel in Sachen Talfeld/Mettenberg an seine Grenzen gestoßen. Vielleicht helfe hierbei „der empathische Charme“ von Irene Emmel (Leiterin des Liegenschaftsamts), manche „Erfolgsmeldung in der Nach-Wersch-Ära einzufahren“, äußerte Hagel. Sitzungen habe er „sehr effizient, sehr stramm und straff“ geleitet. „Ich persönlich schätze an dir deine offene Art, Tacheles zu reden, dabei in gleichem Maße einzustecken wie auszuteilen“, sagte Hagel in Richtung Wersch, der vor seiner Biberacher Zeit Bürgermeister in Hagnau (Bodenseekreis) war.

„Ich bin beileibe kein klassischer Vertreter des Beamtentums, vielmehr ein dynamischer Macher mit spontaner Scharfzüngigkeit“, sagte Wersch, der an diesem Abend als letzter Redner ans Mikrofon trat. Er habe möglichst frei denken und arbeiten wollen, was wegen einer Unzahl an Vorschriften und dem Bedürfnis vieler, sich abzusichern, einen langen Atem erforderte. Sollte er jemandem zu nahe getreten sein, dann nehme er das „auf keinen Fall zurück, weil es in der jeweiligen Sitzung absolut richtig war“. Er bitte aber in aller Form um Nachsicht.

Bezug nahm er auch auf das SZ-Interview mit seinem Nachfolger Ralf Miller. Angesprochen auf die Unterschiede zwischen ihnen beiden, meinte Miller darin, er bevorzuge eher das Florett als den Säbel. „Den Säbel hat er damit mir zugeschrieben“, scherzte Wersch. Seine Recherchen hätten ergeben, dass Kämpfe mit beiden Waffen tödlich enden könnten, nur beim Säbel gehe es eben schneller: „Also, meine Damen und Herren, vor allem liebe Kollegen, freuen Sie sich nicht zur früh.“

Großer Dank geht an Familie

Er dankte allen Menschen, die ihn begleiteten, ganz besonders Mitarbeitern und Familie: „Partner und Kinder haben es in unserem Beruf nicht immer leicht, sie werden oft in Sippenhaft für unsere Entscheidungen genommen.“ Seine Frau Claudia, die Kinder Natalie und Adrian, hätten das ausgehalten: „Unsere Familie ist ein Hort der Stabilität, danke dafür.“

Er beende jetzt seine Zeit als Erster Bürgermeister und Hospitalverwalter mit einem guten Gefühl, mit positiven Erinnerungen und der Gewissheit, dass die Arbeit gut war. Wehmut empfinde er nicht, stattdessen freue er sich auf das, was kommt. Ganz so wie es eben seiner landsmannschaftlichen Prägung entspreche: „Es kommt, wie es kommt, und es ist noch immer gut gegangen.“

Roland Wersch (links), hier mit seiner Frau Claudia, hat zum Abschied von OB Norbert Zeidler das Werk „Tango-Fieber“ von Peter R
Roland Wersch (links), hier mit seiner Frau Claudia, hat zum Abschied von OB Norbert Zeidler das Werk „Tango-Fieber“ von Peter Reichle als Geschenk erhalten. (Foto: Florian Achberger/Stadtverwaltung)
Nach 16 Jahren endet für Roland Wersch zum Monatsende seine Amtszeit als Erster Bürgermeister der Stadt Biberach und als Hospitalverwalter. (Foto: Gerd Mägerle)
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