Warum Wassersparen bei der Hitze wenig bringt

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Die Biberacher müssen keine Trinkwasser-Knappheit befürchten.
Die Biberacher müssen keine Trinkwasser-Knappheit befürchten. (Foto: Imago)

Gerade an heißen Tagen wie diesen wird es besonders häufig gebraucht: Leitungswasser. Egal, ob zum Trinken, zum Waschen von Salaten oder zum Gießen der Blumen – mit der Hitze steigt auch der Wasserverbrauch. Anders als in anderen Teilen Deutschlands oder in südeuropäischen Ländern ist in Biberach aber nicht mit einer Knappheit des kostbaren Guts zu rechnen. Mit Blick auf die Gesundheit sollte mit dem Leitungswasser derzeit nicht allzu sehr gespart werden.

„Für unsere Wasserversorgung geht das Trinkwasser nicht aus“, sagt Dietmar Geier, Geschäftsführer der Ewa Riss. Das Unternehmen versorgt mehr als 33 500 Menschen mit frischem Wasser. Neben der Kernstadt von Biberach und den Teilorten sind auch die Gemeinden Schemmerhofen (Aßmannshardt), Warthausen und Mittelbiberach (Waldhofen) an das Netz angeschlossen. Größtenteils fördert der Versorger das Wasser aus den Grundwasservorräten Wolfental und Appendorf. „Dank der guten geologischen Bodenbeschaffenheit haben wir viel Wasser im Erdreich“, ergänzt der Geschäftsführer. Trotz der anhaltenden Trockenheit seien keine Engpässe zu befürchten.

Verbrauch steigt nur leicht

Laut Geier beträgt der Wasserverbrauch ungefähr fünf Prozent mehr als gegenüber den Sommermonaten im Vorjahr:„Ich hätte diese Zahl ehrlich gesagt höher eingeschätzt.“ Dass der Zuwachs nicht noch größer ausfällt, könne an der Urlaubszeit und privaten Zisternen liegen. „Bei einem starken Schauer werden Zisternen schnell wieder voll und reichen dann für ein paar Tage, um beispielsweise den Garten zu wässern“, erläutert Geier. Ein weiterer Grund könnte sein, dass in Anbetracht der Hitze manch einer besonders umsichtig mit dem Trinkwasser umgeht.

Doch in diesem Verhalten lauert die Gefahr. „Bei den hohen Temperaturen können sich in den Leitungen einfacher Keime ausbilden“, sagt Geier. Umso wichtiger sei es, dass die Rohre gut durchgespült werden, um die gute Wasserqualität aufrechtzuerhalten. Besonders in Häusern, in denen die Leitungen bereits einige Jahre auf dem Buckel haben, sollte dies regelmäßig gemacht werden. „Und wer aus dem Urlaub kommt, sollte die Armaturen ein bis zwei Minuten voll aufdrehen“, empfiehlt Geier. „Wer es nicht verschwenden möchte, kann es bedenkenlos zum Blumengießen nutzen.“

Während mit dem Wasser im Untergrund also alles in Ordnung ist, sind die Pegel der Gewässer im Kreis Biberach gesunken. Besorgniserregend ist das aber noch nicht. Im Nachbarkreis Ravensburg bittet das Landratsamt, auf eine Wasserentnahme aus Flüssen und Seen zu verzichten. Für den Kreis Biberach gibt es eine solche Warnung noch nicht. „Bei uns führen die Gewässer fast durchgehend mittleres Niedrigwasser“, erläutert die Sprecherin des Landratsamts, Verena Miller. Damit seien die Pegelstände noch eine Stufe höher als im Kreis Ravensburg. Was der Grund dafür ist, könne nicht genau gesagt werden, so Miller. Vermutlich gebe es im Kreis Biberach einen höheren Grundwasserspeicher und es werde generell weniger Wasser aus Flüssen oder Seen entnommen. „Trotzdem hoffen wir, dass es bald regnet“, sagt Miller. Mitarbeiter des Landratsamts überwachten die Pegelstände derzeit sehr genau. Am Donnerstag reagierte das Landratsamt schließlich und ordnete ein Entnahme-Verbot an. Hier geht es zur ausführlichen Meldung.  

Mehr Patienten in der Notaufnahme

In der Notaufnahme der Sana-Klinik in Biberach machen sich die heißen Tage bemerkbar. „Es gibt in diesem Jahr deutlich mehr Einlieferungen infolge der Hitzewelle“, so eine Sprecherin. Dazu zählten Dehydrierungen/Exsikkosen, Sonnenstiche und Kreislaufprobleme.

Viel Wasser, Früchtetee oder Fruchtsaftschorle sollte getrunken werden. Die Flüssigkeitszufuhr kann auch mit Suppen, Brühen, Gurken und Melonen erhöht werden. Kaffee, sehr süße oder sehr kalte Getränke sind ungeeignet. Generell leide durch die lang anhaltend hohen Temperaturen das allgemeine Wohnbefinden, so die Sprecherin. „Betroffen sind alle Altersklassen, so kamen in den vergangenen Wochen auch mehr junge Menschen infolge der Wetterlage zu uns.“ Darüber hinaus verzeichnete die Klinik heuer mehr Insektenstiche, die allergische Reaktionen zur Folge hatten.

Beim Rettungsdienst bleibt die Lage ruhig

Offenbar scheinen die meisten noch selbstständig den Weg in die Klinik zu finden. „Weder in der Leitstelle noch beim Rettungsdienst haben wir besondere Vorkommnisse zu verzeichnen, die sich mit der Hitze in Verbindung bringen lassen“, sagt Michael Mutschler, Geschäftsführer für den Bereich Rettungsdienst beim DRK-Kreisverband. Auch sei in diesen Tagen keiner beim Baden ertrunken.

Trinkwasser geht so schnell nicht aus
Gerade an heißen Tagen wie diesen wird es besonders häufig gebraucht: Leitungswasser. Egal, ob zum Trinken, zum Herstellen von Eiswürfeln oder zum Gießen der Blumen – mit der Hitze steigt auch der Wasserverbrauch. In Biberach ist keine Engpass zu befürchten.

Hitzetote in den Sommermonaten in Baden-Württemberg

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