Von Bibern und chinesischem Kaffee: So war die Preisverleihung

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Kutter sagt den Filmfestspielen Adieu
Die 40. Biberacher Filmfestspiele waren ein voller Erfolg: Mehr als 16.000 Besucher haben sich im Traumpalast einen der mehr als 60 Filme angeschaut. Ein Besucherrekord in der Geschichte des Festivals. Am Sonntag Abend sind die Filmfestspiele in der Stadthallte Biberach mit der Preisverleihung zu Ende gegangen. Trauriger Höhepunkt des Abends: Festival-Intendant Adrian Kutter ist zurückgetreten.

Mit der Preisverleihung ist am Sonntag die letzte Klappe für die 40. Biberacher Filmfestspiele gefallen. Insgesamt vergaben die Verantwortlichen an diesem Abend zehn Biber, was genauso einem Rekord entsprach wie die Zahl der Besucher. Manche Biber-Trophäe durfte sich über ein Küsschen freuen.

Sie haben viele Stunden in den Kinosesseln verbracht, den Filmemachern teils kritische Fragen gestellt und am Ende eine Entscheidung getroffen: Die Arbeit der Jurys war alles andere als leicht, mancher Kampf musste ausgefochten werden. Das ließen die Juroren während der gut zweieinhalbstündigen Preisverleihung immer wieder durchblicken. So schaute sich zum Beispiel die Jury fürs beste Drehbuch 29 Werke an. „Mit dem letzten Film haben wir den Preisträger gefunden“, sagte Filmproduzent Peter Zenk vor den Gästen aus Film, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Neue Genres entdeckt

Mancher Juror beschäftigte sich während der fünf Festivaltage auch mit Filmen, für die er sich privat vielleicht nicht unbedingt begeistern hätte könne. „Eigentlich schaue ich am liebsten Actionfilme“, bekannte Samuel Riederer von der Schülerjury. Das Festival habe nun sein Interesse an anderen Genres geweckt.

Nachdem die jeweiligen Jurys ihre Begründungen vorgetragen hatten, erhielten die Sieger eine der Biber-Trophäen. Die Freude darüber drückte jeder anders aus. „Bisher habe ich nur einen entkoffeinierten, chinesischen Kaffee gewonnen“, sagte die etwas nervöse Alexandra Makarova (Drehbuch-Biber für „Zerschlag mein Herz“). Die Auszeichnung sei eine Reserve für schlechte Zeiten, was beim Drehbuchschreiben häufig der Fall sei. Stefan Bürkner, der mit „Proxima-B“ den U60-Biber für den besten mittellangen Spielfilm abräumte, freute sich mit diesen Worten: „Es ist der erste Preis, den ich je gewonnen habe.“ Doch selbst bei Regisseuren, die bereits eine Biber-Trophäe ihr Eigen nennen dürfen, löst ein weiterer Biber Emotionen aus. „Filmpreise sind wie Hämorrhoiden. Irgendwann bekommt sie jedes Arschloch“, zitierte Douglas Wolfsperger (Doku-Biber für „Scala Adieu – von Windeln verweht“) den US-Regisseur Billy Wilder. Er sei dankbar für seinen dritten Biber, den er sogleich abknutschte.

Den Goldenen Biber, der mit 8000 Euro am höchsten dotierte Preis beim Festival, nahm Kanwal Sethi entgegen. Mit „Once Again“ gelang ihm laut Jury der beste Spielfilm. „Ich danke Adrian Kutter dafür, dass er meinen Film eingeladen hat“, sagte der Regisseur und Drehbuchautor. Die Einladung sei „besonders und sehr persönlich“ gewesen, genauso wie das Filmfest selbst: „Es gab Zuschauer, die mich zum Essen eingeladen haben.“ Kino sei nicht nur die Leinwand, sondern auch die Sitze, in denen das Publikum Platz nimmt.

Herzog dankbar für Ehrenbiber

Seit ein paar Wochen war bekannt, dass Werner Herzog den Ehrenbiber erhält. Herzog war der erste Regisseur, der auf Einladung Adrian Kutters zu einem Filmdiskussionsabend im Jahr 1975 nach Biberach kam. Kutter ehrte ihn für dessen Verdienste um den deutschen Film und das Biberacher Filmfest. „Für ihn war es selbstverständlich, mit jedem seiner neuen Filme nach Biberach zu kommen“, so Kutter in seiner Laudatio. Unter Standing Ovations nahm Herzog den Ehrenpreis, der zuletzt 2015 an Klaus Maria Brandauer verliehen wurde, entgegen. „Die Mutter aller Schlachten findet im Kino statt – und zwar auf dem Land und nicht auf der Berlinale oder in Hollywood“, sagte Herzog und weiter an Kutter gerichtet: „Du bist ein guter Soldat des Kinos. Wir hatten bei dir das Gefühl, wir müssten einen Außenposten verteidigen, den andere schon aufgeben hatten.“

Weitere Filmschaffende stimmten in die Lobeshymne ein. So zeigte sich Felix Hassenfratz (Debüt-Biber für „Verlorene“) vom Publikum beeindruckt. Bei der Spätvorstellung habe er mit 50 Zuschauern gerechnet, letztlich sei der Kinosaal aber „rappelvoll gewesen“: „Es ist außergewöhnlich, wie die Menschen mit Liebe für den Film da sind.“ Durch den Abend führte Rudi Sommer, der kurzfristig für den erkrankten Kabarettisten Bernd Kohlhepp einsprang. Nur wenige Stunden blieben ihm für die Vorbereitung, was ihm aber nicht anzumerken war. Die Preisverleihung wirkte stimmig und kurzweiliger als im vergangenen Jahr.

Emotionen erwünscht

Gefallen hat das 40. Biberacher Filmfest offenbar auch dem Publikum. 16 000 Besucher strömten in den Traumpalast und die Stadthalle, was einem neuen Rekord entsprach. Der Vorsitzende des Vereins Biberacher Filmfestspiele, Tobias Meinhold, sprach von „bewegenden, spannenden, anstrengenden und schönen Filmfestspielen“. Emotionen seien hier ausdrücklich erwünscht, was sicherlich auch für die 41. Biberacher Filmfestspiele im kommenden Jahr gelten dürfte.

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