Voll im Biberhexen-Fieber

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Redakteurin Tanja Bosch war einen Abend mit den Biberhexen und Mahdgeistern unterwegs.
Redakteurin Tanja Bosch war einen Abend mit den Biberhexen und Mahdgeistern unterwegs. (Foto: sz- Georg Kliebhan)

- Unter die Biberhexen hat sich SZ-Redakteurin Tanja Bosch am Freitagabend gemischt. Von der Narrenzunft Biberach wurde sie eingeladen als Biberhex beim Ochsenhauser Nachtumzug mitzuspringen. Eine große Herausforderung für einen Fasnetsmuffel.

Hätte mir früher jemand gesagt, ich würde einmal als Hästrägerin beim Ochsenhauser Nachtumzug mitspringen, hätte ich ungläubig den Kopf geschüttelt und gesagt: Nie im Leben. Aber die Mitglieder der Narrenzunft Biberach haben einfach nicht locker gelassen. Drei Jahre haben sie versucht, mir die Angst vor den Masken zu nehmen und mir zu erzählen, wie toll die fünfte Jahreszeit doch ist. Für eine Biberacherin, die ihr Schützenfest liebt und mit Fasching nicht so viel am Hut hat, war das schwer zu glauben. Jetzt weiß ich es besser...

Total aufgeregt habe ich mich am Freitagabend also angehäst. So heißt das nämlich, wenn man sich sein Häs anzieht. Erst die Stulpen, dann meine geliebte Hexenunterhose, den Hexenrock, das Hasenfell mit den Schnecken und so weiter. Oh Mann, auf was habe ich mich da nur eingelassen. Aber es gab kein Zurück.

Von den anderen Biberhexen werde ich in Kuhhausen freudig empfangen. Augen zu und durch, denke ich. Und schließlich ist das ja auch das Schöne an meinem Job, dass ich Dinge erleben darf, die ich sonst wohl nicht erleben würde.

Angekommen beim Aufstellungsplatz klopft mein Herz ganz schön laut – und wie war das noch mal mit der Maske. Sehen tut man kaum, und atmen fällt einem auch irgendwie schwer. Und, oh Gott, wie verhält man sich denn als Hexe überhaupt? Keine Ahnung, das hat mir keiner verraten. Dann ziehen sich alle die Maske über und plötzlich sehe ich nur noch Hexen – und ich bin eine von ihnen. Wo war nochmal der Zunftmeister und wo sind die, die ich kenne?

„Ratza Trepfles“ – „Graba nass“

Ganz verloren stehe ich da und dann ergreift eine mir bekannte Hexe meine Hand. Gemeinsam springen wir los, und es dauert nicht lange, da überkommt mich tatsächlich das Hexenfieber. Ich brülle den Zuschauern ins Gesicht „Ratza Trepfles“ und freue mich, wenn ein eben so freudiges „Graba nass“ zurückkommt. Ich suche den Korb mit dem Spreu und verwuschele den Menschen am Straßenrand genüsslich die Haare. So cool, weil ja keiner weiß, dass ich es bin. Voller Erwartung, jemand Bekanntes zu sehen, springe ich durch Ochsenhausens Gassen und finde auch schon meine nächsten „Opfer“. Einen unserer Bundestagsabgeordneten habe ich auch erwischt. Ich sah die Angst in seinen Augen kurz aufblitzen, aber leider hatte ich kein Spreu mehr in den Händen, sonst hätte ich ihm die Frisur so richtig ruiniert.

Und ganz plötzlich, nach nur 15 Minuten, ist der ganze Spaß auch leider schon wieder vorbei. Schade. Am liebsten wäre ich noch einmal hoch zum Aufstellungsplatz gegangen und hätte das ganze Spektakel noch einmal von vorn erlebt. Die ganze Narretei hat auf jeden Fall Suchtpotential. Und ich kann jetzt sogar verstehen, warum die Menschen ihre Fasnet so lieben. Denn hinter der Maske ist es ein ganz anderes Erlebnis als nur am Straßenrand zu stehen.

Und, liebe Narrenzunft Biberach, ich verspreche, wenn ich jemals in eine Zunft eintreten sollte, dann auf jeden Fall in eure. Denn was sollte eine echte Biberacherin schon anderes sein als eine Biberhex.

Wer an der Narrenzunft Biberach interessiert ist und vielleicht auch einmal zur Probe mitspringen möchte, kann sich melden unter Telefon 07351/4214226 oder per E-Mail an

info@nz-biberach.com

Weitere Infos gibt es auch im Internet unter

www.nz-biberach.com

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