„Voice of Germany“-Teilnehmerin Tuija Komi beeindruckt beim Jazzclub

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Die finnische Jazz-Diva Tuija Komi hat den Besuchern einen Abend voller magischer Momente geliefert.
Die finnische Jazz-Diva Tuija Komi hat den Besuchern einen Abend voller magischer Momente geliefert. (Foto: Helmut Schönecker)
Schwäbische Zeitung
Helmut Schönecker

Chefin im Ring ist ohne Zweifel die finnische Sängerin Tuija Komi gewesen. Mit ihrem hochkarätig besetzten Quartett war sie nach knapp sechs Jahren wieder einmal zu Gast bei den Jazzbibern in Biberach. Neben bewährten Songs aus ihrem breiten Repertoire, darunter die witzig-freche Interpretation von „Pippi Langstrumpf“, gab es einen Vorgeschmack auf die nächste CD. Ende März geht es ins Studio. Die Stücke sind bereits aufs Feinste ausgearbeitet.

Schon der Beginn des Konzerts mit „Music is Magic“ verwies auf das Motto der Künstlerin und begeisterte vom ersten Ton an. Die originelle und sympathische Moderation der in München lebenden Diva trug dabei nicht unwesentlich zur entspannten Wohnzimmeratmosphäre und zu einem kurzweiligen Abend bei.

Frisch und unkonventionell

Der weitgereiste Pianist, Arrangeur und Komponist Walter Lang lieferte den roten Faden durch die Kompositionen. Während Tuija Komi, besonders eindrucksvoll in „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“, den weitgehend original belassenen Gesangspart mit innigem Ausdruck interpretierte, setzte die von Walter lang arrangierte Begleitung einen völligen Kontrapunkt dagegen. Diese Konstruktion erwies sich in jeder Hinsicht als frisch, unkonventionell und stark kontrastreich. Genau dies verlangte aber auch einen starken Widerpart von der Singstimme. Nachdem auf Tuijas Nachfrage eine Besucherin die Vorgeschichte des Songs auf den Punkt gebracht hatte, wurde überaus sinnfällig, wie gerade dieses spezielle Arrangement den Inhalt und die Symbolik des Songs verkörperte. Die von ihrem Mann misshandelte Gabriella findet trotz aller Widerstände über den Gesang ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben.

Egal, ob Soulballaden, Latin Jazz, Lieder aus dem Land der Mitternachtssonne, Schlager von ABBA, Filmmusik, Finn-Pop, R’n’B, Swing, Jazz Waltz, Tango, Drum and Bass oder Gospel – die Stücke klangen immer wie aus einem Guss. Die zauberhafte Magie von Tuijas Stimme und die eigenständigen bis eigenwilligen Interpretationen adelte jede Vorlage. Maßgeblich dazu bei trugen aber auch die Männer im Hintergrund. Der Slowake Peter Cudek am Reisekontrabass und der dezent, aber immer inspiriert groovende Martin Kolb am Drumset, bildeten mit Walter Lang ein eingespieltes Team.

Überschäumende Leidenschaft

Vor allem Walter Lang erwies sich in seinen ausgedehnten Solo-Improvisationen als fesselnder musikalischer Geschichtenerzähler. Wie Scheherazade aus 1001 Nacht, deren kraftvoller Rhetorik und deren kunstvoll verwobenen Erzählfäden sich der Sultan nicht entziehen konnte, schlug auch Lang mit seinen fantasievollen, klugen Exkursionen voll überschäumender Leidenschaft und tiefer Melancholie das Publikum in seinen Bann.

Trotz der späten Stunde gab es mit „If I had my live to live over again“ auch noch eine Zugabe mit klarem Bezug zum Leben der ehemaligen Siemens-Projektmanagerin und „Voice of Germany“-Teilnehmerin. Sie lieferten den Zuhörern einen Abend voller magischer Momente und erfüllter Augenblicke.

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