Vieles spricht für neue zentrale Klinik

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Schwäbische Zeitung

Viele Argumente für den Neubau einer zentralen Klinik in Biberach hat die Regionalversammlung zur Klinik-Zukunft am Dienstag im Landratsamt geliefert. Spürbar war der Wille, in Ochsenhausen, Riedlingen und Laupheim zumindest eine ambulante Versorgung zu erhalten. Wie die aussehen soll, wurde jedoch nicht klar.

Von unserem Redakteur   Gerd Mägerle

Es war ein für die Verantwortlichen im Vergleich zur Veranstaltung in Riedlingen eher ruhiger und eher schwach besuchter Abend im Landratsamt. Nur etwa 100 Besucher, darunter viele Kreis- und Stadträte, Bürgermeister sowie Kommunalpolitiker, wollten sich in Biberach über die Zukunft der Kreiskliniken informieren und anschließend diskutieren. Ein Grund für die vergleichsweise geringe Resonanz dürfte sicherlich die Tatsache sein, dass die Klinik Biberach nicht zur Disposition steht, sondern der Standort offensichtlich eine Aufwertung erfahren wird.

Landrat Dr. Heiko Schmid betonte zwar mehrfach, dass eine Entscheidung noch nicht gefallen sei - sie steht formal vermutlich erst im Februar im Kreistag an -, dennoch sprachen die Zahlen, die Kliniken-Geschäftsführer Hartmut Masanek anschließend vorstellte, eine eindeutige Sprache: Nur das Ein-Standort-Modell mit einem Klinikneubau in Biberach (Kosten: 184 Millionen Euro) ließe sich so betreiben, dass die Betriebskosten gedeckt wären. Neben wirtschaftlichen Überlegungen hatte Masanek auch auf den sich zuspitzenden Ärzte- und Pflegekräftemangel verwiesen, der verstärkt kleine Krankehäuser im ländliche Raum betreffe. Vorteile eines Neubaus in Biberach seien auch, dass die Betriebsabläufe im Vergleich zur bestehenden Klinik optimiert werden könnten und die höheren Zuschüsse, die es im Vergleich zur Sanierung der alten Klinik gebe, so Masanek.

Fettback: Einmalige Chance

„Das ist eine einmalige, ja fast historischen Chance“ sagte Biberachs Oberbürgermeister Thomas Fettback, der auf Bitte des Landrats in der zunächst schleppend beginnenden Diskussionsrunde als Erster das Wort ergriff. Man habe jetzt die Möglichkeit, auf der grünen Wiese ein nagelneues Krankenhaus nach modernen Erfordernissen zu bauen. Die Stadt sei froh, dafür ein Grundstück gegenüber der Bereitschaftspolizei-Kaserne zur Verfügung stellen zu können. In der ganzen Diskussion müsse man auch daran denken, dass ein Großteil der Kosten über eine erhöhte Kreisumlage finanziert werden müssen. „Je nachdem, wie viele Klinikstandorte ich erhalten will, desto teurer wird es für jede einzelne Kreisgemeinde“, warnte Fettback. Das werde sich vor Ort in mangelnder Lebensqualität niederschlagen.

Isbary: Neue Strukturen schaffen

Aus medizinischer Sicht machte sich Dr. Jobst Isbary, ärztlicher Direktor der Kreiskliniken, für einen Neubau in Biberach stark: „Unser Problem ist, dass wir fast nicht in der Lage sind, unsere Häuser ausreichend mit ärztlichem Personal zu versorgen.“ Man müsse versuchen, für die anderen Standorte neue Strukturen zu schaffen, „die zwischen Krankenhaus und ambulanter Versorgung liegen“, so Isbary. Eine Lösung, die auch Landrat Schmid mehrfach andeutete, als er von „medizinischen Versorgungszentren“. Sozialministerin Monika Stolz habe vorige Woche in einem Gespräch angedeutet, dass es dafür ein neues Programm des Landes geben könnte, so Schmid. Und einem Riedlinger Bürger, der sich für den Erhalt der dortigen Klinik aussprach, antwortete der Landrat: „Gehen Sie davon aus, dass es in Riedlingen ein Haus mit ärztlicher Versorgung geben wird. Aber wie die aussehen wird, wissen wir noch nicht.“

Selbst wenn bis in etwa acht Jahren eine zentrale Klinik gebaut ist, werde keiner der rund 1800 Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz verlieren, sagte Masanek der Betriebsratsvorsitzenden der Kliniken und verwies auf den bereits existierenden Personalmangel und Altersteilzeitmodelle.

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