Verfolgung andersartiger Menschen ist (leider) zeitlos

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Selbstbewusst in Biberach: Das Team des Debütspielfilms „Wo kein Schatten fällt“.
Selbstbewusst in Biberach: Das Team des Debütspielfilms „Wo kein Schatten fällt“. (Foto: Georg Kliebhan)
Aylin Duran

Bei den Biberacher Filmfestspielen flimmerte der Debütspielfilm „Wo kein Schatten fällt“ über die Leinwand und sorgte bei den Zuschauern für Gänsehautmomente.

Vor Jahren verschwand Hannas Mutter auf mysteriöse Weise im Moor – ihre Leiche wurde jedoch nie gefunden. Zeitgleich sterben drei männliche Dorfbewohner ebenfalls im Sumpf, und als Hanna über die Ferien zurück in die Heimat kehrt, wird ihr schnell klar: Das Dorf hegt ein dunkles Geheimnis und der Spuk ist längst nicht vorbei.

Durchweg Gruselstimmung und klopfende Herzen – Zuschauer sahen die amerikanischen Horrorfilme „Das Schweigen der Lämmer“ und „Paranormal Activity“ in dem deutschen Thriller, der bei den Filmfestspielen gezeigt wurde, und waren hellauf begeistert. In höchsten Tönen wurden vom Publikum nicht nur die schauspielerischen Leistungen der jungen Hauptdarstellerin Valerie Stoll, sondern auch die Kameraführung und die eingesetzten Lichteffekte gelobt.

Sind es furchtbare Zufälle, die im Dorf geschehen? Skrupellose Morde? Oder sind es nur Illusionen, die Hanna quälen und ihr das Gefühl geben, verrückt zu werden? Als sie den Kontakt zu anderen Dorfbewohnern sucht und Freunde finden möchte, geschehen merkwürdige Dinge. Ein Hund rennt in die Wälder und wird Tage später leblos aufgefunden. Eine Frau wird mit Säure übergossen, ein Jugendlicher verlässt sein Auto und rennt nachts unbekleidet in die Sümpfe.

Ist Hanna eine Hexe?

Im Dorf scheint jeder fest davon überzeugt zu sein, dass Hanna ihre Finger im Spiel hatte und eine Hexe ist – genau wie ihre verstorbene Mutter, an die sich Hanna kaum mehr erinnern kann. Die einzige Person, die gerne Zeit mit Hanna verbringt, ist Eva. Diese taucht urplötzlich an einer Bushaltestelle auf und scheint Hanna beschützen zu wollen.

Nachdem der Thriller gezeigt wurde, entstand eine angeregte Diskussion im Kinosaal – die Zuschauer hatten einige Fragen und sprachen Lob aus. Unter anderem war dem Publikum aufgefallen, wie zeitlos der Film war.

„Es war uns wichtig, den Film relativ zeitlos zu gestalten“, sagte Regisseurin Esther Bialas. Im gesamten Film konnte man kein Handy entdecken, Angst vor Hexen oder Dämonen hatten die Menschen bereits im Mittelalter. Wer andersartig war, der wurde lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Verfolgung anderer Menschen sei leider nichts Neues, so die Regisseurin.

Die Frage, wie die Hauptdarstellerin zu ihrem Namen kam, wurde ebenfalls gestellt. „Am Anfang ist Hanna unberührt und unschuldig“, erklärt Bialas. Die Unberührtheit passe gut zu dem Namen „Hanna“. Dennoch ist Hanna in der Pubertät, durchlebt Veränderungen, verliert ihre Unschuld. Das wird im Film dadurch gezeigt, dass sie oft Nasenbluten hat und letzten Endes das Böse in ihr siegt.

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