Verdorbene Kebab-Spieße und schimmelndes Mineralwasser – was Kontrolleure erleben

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Das Biberacher Kreisveterinäramt ist für knapp 2500 Betriebe zuständig. Ein krasser Fall waren verdorbene Kebab-Spieße.
Das Biberacher Kreisveterinäramt ist für knapp 2500 Betriebe zuständig. Ein krasser Fall waren verdorbene Kebab-Spieße. (Foto: DPA/Johannes Schmitt-Tegge)
Birga Woytowicz

Lebensmittelsicherheit und Tierschutz – das sind die arbeitsintensivsten Aufgabenbereiche für den Biberacher Kreisveterinär Peter Egle. Zusammen mit seinem Team überwacht er alle Lebensmittelbetriebe im Landkreis Biberach. Missstände sind die Ausnahme. Dennoch hat der Leiter des Kreisveterinäramts schon einiges erlebt. Volontärin Birga Woytowicz hat mit ihm über seine Erfahrungen gesprochen.

Dr. Peter Egle ist Leiter des Kreisveterinäramts Biberach.
Dr. Peter Egle ist Leiter des Kreisveterinäramts Biberach. (Foto: privat)

Herr Egle, in wie vielen Restaurants im Kreis können Sie ohne Magengrummeln essen gehen?

In allen, sonst wären sie ja schon geschlossen (lacht).

Wie häufig kommt es zu Schließungen?

Wir haben knapp 2500 Betriebe im Kreis, die sich mit Lebensmitteln auseinandersetzen, sie verarbeiten oder vertreiben, also Gaststätten, Hersteller, Küchen und Transporteure. Davon überprüfen wir jährlich circa 1400. Gut zehnmal kommt es im Jahr zu vorübergehenden Schließungen, solange nicht nachgebessert wird.

Endgültige Schließungen gibt es eigentlich nie, die Betriebe verschwinden oft von selbst. Die merken selber, dass der Laden nicht läuft. Bei gut jedem dritten Betrieb lassen wir eine Mängelliste da. Da kann man aber trotzdem bedenkenlos Essen gehen.

Können Sie Beispiele nennen?

In der Regel sind es kleinere Verstöße. Zum Beispiel fehlen ein Aushang zu Allergenen und Zusatzstoffen oder ein Fliegengitter am Fenster. Schwerwiegende Verstöße gegen Hygienevorschriften sind wirklich die Ausnahme. Im Jahr leiten wir zwischen 30 und 40 Bußgeldverfahren ein und machen gebührenpflichtige Auflagen. Hier arbeiten Betriebe zum Beispiel nicht sauber genug oder mit defekten Maschinen. Oder es blättert Putz von der Decke. Aber wie gesagt: Das sind Ausnahmen. Insgesamt sind wir sehr gut unterwegs. In 95 Prozent der Fälle läuft alles gut.

Was waren denn die krassesten Fälle, die Sie bisher erlebt haben?

Da geht es vor allem um Mengen. Wir haben mal 15 Tonnen verdorbene Kebab-Spieße entdeckt. Der Betrieb war aber schon aufgegeben. Einmal hatten wir einen Madenbefall bei Bulgur oder Schimmelwachstum im Mineralwasser. Dazu kam es, weil die Flasche nicht richtig gesäubert worden war. Der Hersteller kam aber aus einem anderen Landkreis. Aktuell bearbeiten wir eine Verbraucherbeschwerde: In einem Salat ist ein Metallgegenstand aufgetaucht. Da müssen wir jetzt klären, ob das ein Einzelfall ist. Wir hatten mal einen ähnlichen Fall mit Spinat. Da war das Ausmaß größer und wir mussten eine bundesweite Warnung herausgeben. Das läuft dann über unser Schnellwarnsystem.

Wie kann man sich Ihre Arbeit vorstellen? Wie ein Detektiv, der ständig mit der Lupe unterwegs ist?

Neben den Lebensmittelbetrieben überwachen wir noch knapp 4000 Erzeuger wie beispielsweise Landwirte, Gärtner, Imker im Kreis. Wir werden natürlich auf Hinweis aktiv. Aber den größten Anteil machen die geplanten Kontrollen und Proben aus. Die gibt uns ein EDV-System des Landes vor. Die Planung in dem System ist risikoorientiert. In einer Großküche einer Pflegeeinrichtung zum Beispiel ist das Risiko höher, dass es zu Hygienemängeln und einer Gefährdung der Verbraucher kommt.

Die Bewohner sind aufgrund ihres Alters empfindlicher. Deswegen kontrollieren wir hier öfter, in der Regel mindestens dreimal im Jahr. In einer Schankgaststätte, die Flaschenbier ausgibt, passiert weniger. Da schauen wir nicht so oft vorbei. Im Schnitt kontrollieren wir die Lebensmittelbetriebe alle ein bis zwei Jahre mindestens ein Mal. Bei den Erzeugern sind die Intervalle zwischen den Routinebesuchen noch länger.

Sie kontrollieren auch die Einhaltung des Tierschutzes. Was haben Sie hier schon erlebt?

Zuletzt hatten wir Hunde, die illegal aus Bulgarien und Spanien eingeführt wurden. Die Welpen waren total vernachlässigt. Einer wurde mit einem Elektrohalsband gequält. In einem anderen Fall hat ein Besitzer seinem Tier ein Bellstopp-Halsband angelegt. Anhaltendes Bellen zeigt aber, dass es dem Tier nicht gut geht. So ein Band verstärkt das Leiden dann nur noch. Hier haben wir ein Tierhaltungsverbot erteilt und Strafanzeige gestellt. Das kommt im Jahr aber selten vor, vielleicht fünfmal im Schnitt. Aktuell haben wir auch einen Fall, in dem ein Mann eines seiner Schafe verhungern ließ. 22 Tiere hat der Hobbyhalter, die er jetzt weggeben muss. Eines hatte wohl Zahnprobleme und konnte nicht fressen. Der Mann hatte dagegen aber nichts unternommen.

Wie spüren Sie Missstände in Privathaltung auf?

Im Gegensatz zu den landwirtschaftlichen Tierhaltungen gibt es hier natürlich keine vorgeplanten Kontrollen. Bei den Privathaltern folgen wir größtenteils Beschwerden. Oft zeigen Nachbarn Privatleute an. Wobei man da sagen muss: In etwa 50 Prozent der Fälle sind die Anzeigen unbegründet und in Sachen Tierschutz gibt es nichts zu beanstanden. Da steckt dann wohl eher ein Nachbarschaftsstreit dahinter.

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