Trompete und Orgel in vollendeter Harmonie

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Thomas Bodenmüller an der Orgel und Michael Bischof an der Trompete sorgten für einen glänzenden Start ins Biberacher Musikjahr
Thomas Bodenmüller an der Orgel und Michael Bischof an der Trompete sorgten für einen glänzenden Start ins Biberacher Musikjahr 2020. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Der Trompeter Michael Bischof und der Organist Thomas Bodenmüller haben am Neujahrstag ein Konzert in der Dreifaltigkeitskirche in Biberach gegeben. Dabei erklangen vom Barock bis zur Moderne.

Sie überschrieben ihr Konzert „Alles Walzer?“ Und in des Programmes Mitte hörte man, warum. Aber sie eröffneten mit dem barocken Gottfried Heinrich Stölzel. Der war ein außerordentlich produktiver Komponist. Sein herausragender Ruf übertraf zeitweise den seines Zeitgenossen Johann Sebastian Bach. Eines seiner bis heute meist gespielten Werke ist das „Concerto in D-Dur“. Das erste Allegro beginnt mit Trompeten-Strahlton, gefolgt von einem elegischen, eher meditativen Andante. Ein fröhliches dreiertaktiges Allegro beschließt das Werk. Dann gestaltete Thomas Bodenmüller vom großen Johann Sebastian Bach dessen Toccata F-Dur, BWV 540, mit großklängigem orchestralem Einstieg, schnellen Läufen auf markantem großem Orgelton, mit faszinierenden Harmonien und virtuosem Spiel des Organisten auf der „Königin der Instrumente“.

Vincenzo Bellini war einer der bedeutendsten Opernkomponisten des frühen 19. Jahrhunderts. Er war ein genialer Melodienerfinder, und das eben nicht nur in der Oper. Sein „Concerto für Trompete und Orgel“ beginnt im Andante-Teil mit einer wunderschönen Trompetenmelodie auf organistischem Klangbett. Die Melodie imaginiert einen Tenor, der vor dem Balkon der Angebeteten eine schmachtende Arie singt. Und diese antwortet kokett im strahlenden Allegro. Eine kleine Opernszene voller Charme.

Von Vincenzo Petrali spielte der Organist das „Allegro brillante“ aus den „versetti per il gloria“, den „Versen zum Ruhm“, mit tänzerischen Elementen, groß dimensioniert, fast wie eine monumentale Drehorgel.

Und dann Johann Strauß, und zum zweiten Mal an diesem 1. Januar der Walzer „An der schönen blauen Donau“, am Vormittag beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker und nun auf dem Mittelberg in eigener Bearbeitung der beiden Musiker. Es war ein optimaler Zusammenklang der beiden Instrumente, leichte Modulationen in der Trompetenstimme entwickelten ihren eigenen Charme; reines Klangvergnügen.

Zum 20. Jahrhundert: Enrico Pasini schrieb die lyrische Studie „Cantabile Tramonto“, „Gesang beim Sonnenuntergang“ in langsamem bedächtigem Dreivierteltakt. Major Joy Webb war Offizier, Keyborder und Komponist der Heilsarmee, schrieb 1987 das Lied „Share my Yoke“, „Teile mein Joch.“ Die Melodie ist etwas schwermütig, erinnert in ihren Harmonien an den einen oder anderen Beatle-Song. Michael Bischof spielte auf einem Flügelhorn mit seinem etwas dunkleren, schwereren Ton.

Vom französischen Organisten Henri Mulet interpretierte Thomas Bodenmüller dessen „Carillon-Sortie“ („Glockenspiel zum Ausgang“). Das Werk ist ein einzigartiges, den Gottesdienst abschließendes Orgelsolo im Stil einer Toccata, das melodische Glockenklänge nachahmt, sich in langem großen Crescendo zu hymnischer Größe steigert. Und zum Abschluss eines wunderbaren Musik-Nachmittags gab es noch einmal große Barockarchitektur. Die beiden Musiker präsentierten von Georg Philip Telemann die „Konzertsonate D-Dur“. Einem Allegro spirituoso in hohem Trompetenregister mit dialogischem Charakter folgten ein spannungsvolles Largo und ein sieghaft virtuoses Vivace.

In diesem Konzert spielte Michael Bischof nahezu alle Instrumente der Trompetenfamilie, wie die B- und C- Trompete, die Piccolotrompete, das Flügelhorn, das Corno di Caccia (Jagdhorn). Das Publikum in der fast voll besetzten Dreifaltigkeitskirche dankte mit großem Applaus.

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