Trockene Wälder: Borkenkäfer breitet sich immer weiter aus

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Die Hitzewelle soll am Freitag ein Ende finden, was auch Waldbesitzer etwas aufatmen lassen wird. Den Bäumen machen dabei weniger die Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke zu schaffen, vielmehr stellt die anhaltende Trockenheit ein folgenreiches Problem dar. Die Hitze beschleunigt stellenweise nur noch das Austrocknen der Böden. „Für den Borkenkäfer sind das ideale Bedingungen, um sich zu vermehren“, sagt der städtische Forstrevierleiter Gunnar Doerry. Während die Fichten zu kämpfen haben, kommen andere Baumarten zum Teil besser klar.

Rund 2000 Festmeter hat Gunnar Doerry heuer in dem von ihm betreuten 1000 Hektar großen Stadtwald bereits entfernen lassen. Bei seinen Kollegen waren die Mengen ähnlich hoch. Schwerpunkt dabei: Unterboschach, ein Waldgebiet, das zwischen Mettenberg und Oberhöfen östlich der B 30 liegt. „Die Populationsdynamik beim Borkenkäfer ist hoch“, erläutert Doerry. Zu wenig Regen und ein warmes Frühjahr – alles Faktoren, die die Fichten schwächen. Die Käferentwicklung ist zwischen zwei bis drei Wochen gegenüber dem Vorjahr voraus. „Die dritte Generation bohrt sich gerade ein“, sagt der Revierleiter. Die drei bis vier Millimeter großen Insekten sind mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen, ihre verursachten Schäden dafür umso mehr.

Anzeichen richtig deuten

Erstes Anzeichen ist häufig braunes Bohrmehl auf der Rinde, auf Spinnweben oder am Stammfuß. Zudem bilden sich Harztröpfchen am Stamm, vor allem aber am Kronenansatz. „Der Baum versucht die Käfer mit seinem Harz quasi zu ertränken und auf diese Weise abzuwehren“, erläutert Doerry. Doch wenn Fichten krank oder aufgrund der Trockenheit geschwächt sind, gelingt ihnen das nicht mehr. Ein weiteres Alarmsignal ist, wenn der Baum seine grünen Nadeln verliert. „Es ist wichtig, dass Privatwaldbesitzer ihre Bestände regelmäßig kontrollieren“, mahnt der Leiter. Dabei sollten auch die etwa zehn bis 15 Bäume um eine befallene Fichte herum betrachtet werden. Bei einem Befall müsse das Holz schnell aus dem Wald abtransportiert werden, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen, so der Revierleiter. „Ist ein Baum erst einmal befallen, ist er nicht mehr zu retten.“

Um dem Borkenkäfer langfristig gesehen Einhalt zu gebieten, setzen die Verantwortlichen vermehrt auf Mischwälder. Weißtanne, Eiche, Buche, Ahorn, Erle, Lärche oder Douglasie sind Beispiele, was alles gesetzt wird. „Die Douglasie ist etwas resistenter gegenüber dem Klimawandel als die anderen Sorten“, sagt Doerry. Bei manchen Buchen setze dagegen bereits jetzt der Herbst ein. Um eine Austrocknung zu verhindern, schließen die Bäume nämlich die Spaltöffnungen ihrer Blätter. Damit verdunstet aber nicht nur weniger Wasser über die Blätter, gleichzeitig nimmt der Baum auch weniger Kohlendioxid auf. In einem nächsten Schritt werfen sie ihre Blätter ab, um die Transpiration weiter zu verringern.

Wegen Waldbränden rückte die Feuerwehr im Norden Deutschlands bereits mehrmals aus. Kommt es auch in Biberach dazu? Doerry vermutet eher nicht. „Wir im Süden haben einen Boden, der besser Wasser speichern kann“, so der Revierleiter. Die Böden hierzulande seien von Lehm geprägt, im Norden dagegen von Sand. Darüber hinaus habe es in der Region zumindest etwas geregnet. „Natürlich wäre es für den Wald besser, wenn der Regen dosierter käme“, sagt Doerry. Denn bei zu starken Schauern sei die Gefahr groß, dass das Wasser nur oberflächlich abfließt, also nicht zu den Wurzeln vordringt. „Trotzdem ist auch bei uns die Waldbrandgefahr hoch, weshalb einige Dinge nicht erlaubt sind“, betont Doerry. Dazu gehört unter anderem das Grillen in einem Umkreis von 100 Metern: „Rauchen im Wald ist von März bis Oktober ohnehin verboten.“ Vor allem Kiefern erhöhen die Waldbrandgefahr in den hiesigen Breitengraden.

Jahresringe zeigen Hitze-Jahr

In Sachen Waldbrandgefahr soll es Ende dieser Woche Entwarnung geben, sagt Doerry. Doch seine Kollegen und er werden noch über die Hitzewelle hinaus mit deren Auswirkungen beschäftigt sein. Denn der Borkenkäfer wird nach wie vor aktiv sein und so manche weitere Fichte befallen. Aber auch den anderen Bäumen wird man den außergewöhnlich trockenen Sommer ansehen. „Bei den Jahresringen wird es geringere Zuwächse geben“, so der Revierleiter. Teilweise bräuchten Bäume zwei bis drei Jahre, um sich von solch einem Sommer zu erholen. Denn solange dauert es, bis ein Baum vertrocknete Feinwurzeln neu ausgebildet hat.

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