Trauma statt Traumhaus: Wie die Zeitung einer Familie im Kampf gegen den Ruin hilft

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Es gibt Fälle, die lassen einen nicht mehr los, etwa jener der vier Familien aus Biberach, die kurz vor dem finanziellen Ruin stehen. Der Grund: Sie haben sich auf ein Angebot der Stadt eingelassen, das im Jahr 2013 mit dem Titel „preisgünstiges Bauen“ lockte. Für maximal 250.000 Euro sollte es auch Menschen mit kleinerem Geldbeutel ermöglicht werden, sich ein Reihenhäuschen inklusive Grundstück leisten zu können.

Jetzt, mehr als fünf Jahre später, steht im Jerseyweg nur der Rohbau. Die Bauherren sind nervlich am Ende, die Kosten haben sich mehr als verdoppelt. Andreas Kopf ist einer von ihnen. Vor einem Jahr hatte er eine Petition beim Landtag eingereicht, vergangenen Dienstag tagte nun vor Ort in Biberach öffentlich eine Kommission. Ein erneuter Vermittlungsversuch läuft.

Die „Schwäbische Zeitung“ und Schwäbische.de haben das gescheiterte Projekt von Anfang an begleitet:

1. Oktober 2013: Die SZ titelte „Biberach ermöglicht das 250 000-Euro-Haus. Das Interesse ist groß, die Nachfrage um ein Vielfaches höher als das Angebot.

27. Februar 2016: „Von ,preisgünstig’ ist keine Rede mehr“ lautete die Überschrift. Im Gemeinderat wurde das Thema Jerseyweg diskutiert. Am Ende sollte das Reihenhaus inklusive Grundstück schlüsselfertig bei 320 000 Euro liegen. Gestiegene Grundstückspreise seien der Hauptgrund. Sechs Biberacher Familie hatten bereits den Zuschlag bekommen. Der Vertrag, den die Bauherren von der Stadt vorgelegt  bekommen haben, war an einen bestimmten Bauträger gekoppelt. Die Firma Rimpex sollte als Generalunternehmer einspringen und die Häuser „günstig“ bauen. Doch schnell wurden die Häuslebauer misstrauisch, da die Firma mangelhaft arbeitete, Termine nicht einhielt. Die Bauarbeiter erschienen nur noch sporadisch. Es gab Gespräche mit der Stadt. Mittlerweile ist die Firma insolvent. Erstmals wandten sich die Bauherren an die „Schwäbische Zeitung“.

28. Dezember 2017: Die SZ titelte „Vorzeigeprojekt endet für Familien im Desaster“. Vier der sechs Familien äußern sich zum Thema. „Ich hätte nie gedacht, dass so etwas in Biberach passiert. Wir haben der Stadt vertraut“, sagte Daniel Busanny. Schon da wussten die Bauherren nicht, wann sie in ihr Haus einziehen können. Geplant war Mai 2017. Auch die Stadt meldet sich zu Wort, hat Verständnis für das „Desaster“, sieht rechtlich aber keine Handhabe, da es sich um einen privatrechtlich verursachten Schaden durch die Firma handelt. Dennoch gibt es weitere Gespräche, die Stadt bietet Unterstützung an. Doch das einzige, was den Bauherren hilft, ist finanzielle Unterstützung.

4. Januar 2018: Im SZ-Interview verspricht Baubürgermeister Christian Kuhlmann: „Wir sehen uns als Stadt in der Verantwortung. Ziel ist es, den Schaden für die Bauherren so gering wie möglich zu halten.“ Und weiter: „Wir wollen alles tun, was rechtlich möglich ist, um den Betroffenen zu helfen.“

30. März 2019: In ihrer Verzweiflung wenden sich drei der Bauherren erneut an die SZ, obwohl sie mit der Stadt vereinbart hatten, dies nicht zu tun. Der Artikel „Bauherren hoffen auf ein gutes Ende“ erscheint. Die Reihenhäuser befinden sich überwiegend noch im Rohbau, die Bauherren können keine Kredite mehr aufnehmen. Die Mehrkosten liegen teilweise bei rund 300 000 Euro. Die finanzielle und psychische Belastung steigt.

2. April 2019: Die Kommission des Petitionsausschusses hörte sich beide Seiten an und versuchte zu vermitteln. Die Stadt will den Bauherren nun doch mehr anbieten als die bisherigen 50 000 Euro. Baubürgermeister Kuhlmann sprach von einem Betrag im oberen fünfstelligen Bereich. Weitere Gespräche werden ergeben, ob sich die Bauherren auf diesen Deal einlassen.

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