Trauernde brauchen Menschen, die zuhören

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 Pfarrer Paul Odoeme (v.l), Margarete Ruf von der Caritas, Trauerrednerin Monika Panzer, Pfarrerin Birgit Schmogro und Dekanatsr
Pfarrer Paul Odoeme (v.l), Margarete Ruf von der Caritas, Trauerrednerin Monika Panzer, Pfarrerin Birgit Schmogro und Dekanatsreferent Björn Held beim Abschluss der Reihe zum Thema Mitten im Leben – vom Tod umfangen“. (Foto: Helmut Lange)
Helmut Lange

Angst, Schmerz und Trauer kennzeichnen den Weg, von einem Verstorbenen Abschied zu nehmen. Wie man diesen Weg in Würde gestaltet und begleitet, ist Thema bei der letzten Veranstaltung der Reihe „Mitten im Leben – vom Tod umfangen“ im Gemeindezentrum St. Martin gewesen. Pfarrer Paul Odoeme, Pfarrerin Birgit Schmogro und die freie Trauerrednerin Monika Panzer berichteten aus ihrer Erfahrung.

„In Würde Abschied nehmen – Christliche Rituale als Hilfe und Wegbegleitung für Menschen in Trauer“ lautete der Titel des Abends. Der Andrang war so groß, dass zusätzliche Stühle nötig waren. Die Runde der Referate eröffnete Pfarrer Paul Odoeme mit dem Vergleich der Trauerarbeit in seiner Heimat Nigeria und in Deutschland. So schilderte er, wie er vom Tod seines Vaters erfahren hatte, und ganz alleine war: „Ich war fast ohnmächtig.“ Er erzählte von einer Mutter, die ihr Kind nach der Geburt verloren hat und aus dem Krankenhaus, eben ohne ihr Baby nach Hause gekommen ist. Und die dennoch fröhlich sein konnte. Die Mutter sagte: „Das Kind ist nicht bei uns, es ist im Himmel und wir haben nun einen Engel oben, der bei Gott für uns Fürsprache hält.“ Paul Odoeme: „Wir sind mit unserer Trauer nicht alleine, Gott ist bei uns und der Glaube stützt uns.“

Andere Trauerrituale in Nigeria

„Außerdem“, so der Pfarrer, „trauern wir in Nigeria mindestens eine Woche mit der ganzen Verwandtschaft, während hier in Deutschland nach der Beerdigung wieder jeder seine Wege geht, und der Trauernde bleibt alleine zurück, was zusätzlichen Schmerz verursacht.“ Dieser Prozess des Abschiednehmens, der aus Angst, Schmerz und Trauer besteht und die Gewissheit, dass wir den Toten nicht wiedersehen werden, kann mit christlichen Ritualen gut und behutsam begleitet werden, machte er deutlich. Das Ritual, ein Gebet zu sprechen, zuzuhören und, wie im persönlichen Gespräch erläutert, Stille zuzulassen und den Trauernden auch traurig sein zu lassen, sind Schritte, die der Situation angemessen sind. Dem Toten die letzte Ehre zu erweisen, sei eine große Pflicht. „Daher spreche ich das Gebet auf den Knien und singe – zur Ehre des Toten, ihm Würde zu geben, deswegen knie ich.“

Pfarrerin Birgit Schmogro sagte, dass es in der Trauerarbeit wichtig sei zu erkennen, dass der Tod Realität ist und wir der Trauer Raum geben. „Die Kunst der Trauerbegleitung ist, dass wir mit dem ,dritten Ohr’ mithören“. Damit unterstrich sie die Fähigkeit, zuhören zu können, die nun besonders wichtig ist. Auch sie verwies auf die Würde und den Hinweis, dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. „Wir weisen auf die Dimension Gottes hin. Wir können die Übergänge begleiten, indem wir dem Toten seine Lieblingsbekleidung anlegen. Durch Erinnern und Erzählen können wir diese Person gedanklich so entstehen lassen, wie sie im Leben war. Auch einen Brief an den Verstorbenen schreiben oder ein Lied singen kann hilfreich sein.“

Die Trauerrednerin Monika Panzer, die diese Arbeit hauptberuflich ausübt, erzählte aus ihrer Praxis. „Sie glauben gar nicht, wenn man sich länger mit den Trauernden unterhält, die vorher nichts von Kirche und Gott wissen wollten, doch vielfach im Grunde gläubig sind. Dass manche doch noch einen Glauben haben, erkenne ich, wenn ich sage, dass ich ein Gebet sprechen möchte und sie damit einverstanden sind. Auch ich bin gläubig, bin Katholikin.“ Den Begriff der Würde durchzog auch ihr Referat, dennoch kann sie nicht den Pfarrer ersetzen, aber es geht darum, dass das Gespräch stattfindet. „Es tut den Hinterbliebenen gut, wenn sie über den Trauerfall sprechen können. Bei der Beerdigung kommen Menschen zusammen, die sich schon lange nicht gesehen haben, die sich in der Familie ,nicht grün sind’, das erfordert viel Fingerspitzengefühl in dieser sensiblen Situation. Ein Ritual kann auch sein, wenn ein Trauernder die Urne zum Friedhof trägt, was ein sehr inniger Moment ist. Auch Kinder in das Ritual des Abschiednehmens miteinzubeziehen, kann hilfreich sein.“

Einen breiten Raum nahm die anschließende Diskussion ein, in der sich ehrenamtliche Trauerbegleiter und Notfallseelsorger einbrachten. Eine Frage an Pfarrer Odoeme war, ob denn die Kirche auch Menschen bestatte, die aus der Kirche ausgetreten sind beziehungsweise einen anderen Glauben haben. Odoeme: „Wir bestatten alle, vor einiger Zeit habe ich einen Buddhisten zur letzten Ruhe begleitet.“

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