The Most Company holt die Volxmusik-Krone

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Schwäbische Zeitung
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Die niederösterreichische Band The Most Company hat am Samstagabend die dritte Auflage des Biberacher Volxmusik Grandprix in der Stadthalle gewonnen. Der Publikumspreis der rund 500 begeisterten Zuschauer ging an die Formation 5er Blech aus Kammlach im Unterallgäu.

Traditionelle Volksmusikklänge, gemischt mit Ska, Reggae, Funk oder Rock – diese Mischung ging auch beim dritten Volxmusik Grandprix auf. Fünf Wettbewerbsteilnehmer und als Gast Die Wuzis aus der Nähe von Graz boten mehr als vier Stunden lang für jeden Musikgeschmack etwas – und das insgesamt auf einem sehr hohen musikalischen Niveau. Jede Band hatte rund 25 Minuten, um sich und ihr Repertoire vorzustellen.

Die Fachjury um Martin Simma (früher Pommfritz), Klaus Härtel (Musikjournalist), Andreas Broger, Bartholomäus Natter (beide „hmbc“) sowie Hans-Peter Zachary (Manager SWR-Big-Band) sah am Ende The Most Company aus Scheibbs (Niederösterreich) knapp vorne. Die sieben Jungs gingen als zweiter Act des Abends auf die Bühne und überzeugten mit eigenen Mundartsongs, die sie wechselweise in ein Reggae-, Ska- oder Funkgewand verpackten. Der charismatische Sänger Dominik Grubenthal, ein messerscharfer Bläsersatz (zwei Trompeten, eine Posaune) und der treibende Rhythmus von Drummer Lukas Rauch holten das Publikum von Anfang an aus den Sitzen. Mit „Summasunn“ („Sommersonne“) und „Kum mit“ hatte die von Christina-Stürmer-Entdecker Alexander Kahr produzierte Band außerdem zwei hitverdächtige Nummern mit im Gepäck.

Schwäbischer Balkan

Der zweite Platz ging an Fezzmo aus Stuttgart/Ludwigsburg. Die sieben Musiker begeisterten mit einer wilden Mischung aus Ska, Reggae, Klezmer und Gypsy mit Balkaneinflüssen und Mundarttexten. „Schwäbischer Balkan, also Schwalkan“ sei das, was sie spielen, sagte Schlagzeuger Jochen Mall zu Beginn. Die Jury war beeindruckt von der virtuosen Improvisation der Musiker bei ihren Soli sowie den individuellen Outfits.

Dritte und Sieger der Publikumsabstimmung wurden „5er Blech“ aus Kammlach. Fünf Blasmusiker, sitzend vor Holznotenpulten, sowie ein Marsch zu Beginn ließen zunächst traditionelle Blasmusik erwarten - aber weit gefehlt. Mit „Let Me Entertain You“ oder „Rollin On the River“ stellten sie Rockklassiker neben Ernst Moschs „Amsel-Polka“ und entfalteten dabei einen Klangteppich wie ein ganzes Blasorchester. Bemerkenswert waren die gesanglichen Qualitäten von Trompeterin Isabell Wengler, die zum Schluss „Gabriellas Song“ perfekt auf schwedisch intonierte und das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Auf dem vierten Platz landeten Vöcklablech aus Neukirchen (Österreich). Den sieben Musikern war die schwierige Aufgabe zugelost worden, den Abend zu eröffnen und die Besucher dazu zu bringen, sich von den Stühlen zu erheben und mitzuklatschen. Das gelang mit Blasmusik-Coverversionen von „Oh Jonny“ (Jan Delay), „Schrei nach Liebe“ (Die Ärzte) oder „Higway to Hell“ (AC/DC) problemlos. Raphaela Hangler entpuppte sich dabei als Rockröhre im Dirndl.

Platz fünf ging an die Lokalmatadoren von Schnokastich aus Schönebürg. Sie hatten sich über eine Onlineabstimmung fürs Finale qualifiziert und fast das ganze Dorf als Fanclub mit in die Stadthalle gebracht. Die fünfköpfige Band aus dem Schwendier Teilort um die Sänger Laura Hochdorfer und Lars Ott boten schwäbischen Rock und Pop, mal zum Mitklatschen und Mitsingen, manchmal auch nachdenklich („Wenn i mol alt be“). Als Massenchor mit dem Publikum zelebrierten Schnokastich ihre Ortshymne „Mei Hoimat Schenabürg“.

Die Zeit bis zur Ergebnisbekanntgabe überbrückte das österreichische Duo Die Wuzis. Mit einer Mischung aus zündendem Klamauk und virtuoser Musikalität machten Thomas Holzer (Steirische Harmonika) und Multi-Instrumentalist Markus Oswald Appetit auf viel mehr.

Der Biberacher Kulturdezernent Jörg Riedlbauer lobte die Kreativität im Umgang mit der originären Volksmusik. „Damit zeigen wir, dass wir es nicht irgendwelchen Populisten überlassen, zu definieren, was unter Heimat zu verstehen ist“, sagte Riedlbauer unter dem Applaus von Musikern und Publikum. Der vierte Volxmusik Grandprix ist im Frühjahr 2020 geplant.

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