Texte zum auswickeln

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Alex Simm, Lehrer aus Ravensburg, hat das 20. Wortkonzert gewonnen.
Alex Simm, Lehrer aus Ravensburg, hat das 20. Wortkonzert gewonnen. (Foto: Aylin Duran)
Aylin Duran

Bei traumhaftem Wetters ist am Samstag das 20. Wortkonzert unter freiem Himmel über die Bühne gegangen. Die erfahrenen Wortkünstler Alex Simm, Tobias Kunze, Rita Apel, Svenja Gräfen und Rainer Holl kämpften auf der Bühne im Innenhof des Biberacher Museums um den Sieg. Die fünf Poeten waren angereist, um eigene Texte vorzutragen und das Publikum mit ihren Worten in ihren Bann zu ziehen.

Die Verschnaufpause, die sich Tobias Meinhold und Tobias Heyel nach der Veranstaltung der Baden-Württembergischen Poetry-Slam-Meisterschaften im Mai in Biberach gegönnt haben, war kurz. Am Wochenende kehrten die beiden zurück auf die Bühne, um gemeinsam das 20. Wortkonzert zu moderieren. Die Regeln haben sich nicht verändert: Der Auftritt eines Poeten ist stets zeitlich begrenzt und sollte sieben Minuten nicht überschreiten. Auf der Bühne dürfen die Wortkünstler keine Requisiten verwenden oder sich verkleiden, am Ende der Veranstaltung entscheidet das Publikum, welcher Poet eine Flasche Whiskey gewinnt. Nur eine Sache hat sich verändert: „Die Poeten kommen von weit her und haben es deshalb verdient, zwei Mal aufzutreten.“, erklärte Meinhold dem Publikum.

Gesagt, getan. Als Herausgeber des ersten demotivierenden Buchs ist Rainer Holl nicht nur der König der schlechten Laune, sondern auch ein Meister darin, auf der Bühne ungeniert seinen Frust abzulassen. Die Zuschauer amüsierten sich prächtig über seinen Text „Deutschland, Deutschland – über alles scheiße“, in welchem sich Holl über sein Heimatland echauffierte. Zwar sehe hier überall alles gleich aus und es gebe tausend Gründe, täglich mit schlechter Laune aufzuwachen, aber Holl weiß: „Am Ende sind wir alle gleich bescheuert“. Zigaretten können helfen – das sagt zumindest seine Oma.

Alle Poeten bemühten sich, ihren Zuschauern ein Lachen zu entlocken. Sie hatten Texte geschrieben, die ihre Zuschauer wie ein Geschenk auspacken mussten: Erst wurde herzhaft gelacht, dann nachgedacht. Im Kern ihrer Texte haben die Poeten wichtige Botschaften verpackt und diese beim Vortragen überbracht.

Der Bühnenliterat, Rapper und Moderator Tobias Kunze ist aus Hannover angereist. In seinem satirischen Text ging es um arabische Zahlen, griechische Restaurants und Dönerläden. Kunze führte sein eigenes, kleines Theater auf. Er sprach in verschiedenen Tonlagen und ahmte sogar den Gesang des Muezzins in den Moscheen nach. Sein zweiter Auftritt gefiel den Zuschauern ganz besonders: Hier durften sie Kunze beliebige Wörter vorschlagen, die der Poet dann spontan in ein gerapptes Gedicht verwandelte.

Sieg mit Klassenkampf

Während Svenja Gräfen aus Leipzig über Frauenprobleme redete, nahm sich Rita Apel aus Bremen-Vegesack, Jahrgang 1953, mit ihrem Text „Kalte Füße“ lieber Männerproblemen an. Wenn Frauen ihre kalten Füße an den Schenkeln ihrer Männer wärmen, sind diese auch wirklich zu bemitleiden. „Also ... ich hab‘ immer warme Schenkel“, sagte Alex Simm mit einem verschmitzten Grinsen. Der junge Lehrer aus Ravensburg konnte das Publikum mit seinem Text „Klassenkampf“ begeistern und gewann das Wortkonzert.

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