Tanz-Flashmob gegen Gewalt an Frauen

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Es ist eine schockierende Zahl: Eine Milliarde Frauen weltweit waren bereits schon einmal Opfer von Gewalt und Misshandlung. Das ist jede dritte Frau. Um dagegen ein Zeichen zu setzen, haben Frauen am Valentinstag, dem 14. Februar 2018, weltweit mit dem Projekt „One billion rising“ zu einer Tanzdemo aufgerufen - unter anderem auch in Tuttlingen und Biberach.

Zwischen 50 und 60 Biberacher haben am Aschermittwoch vor der Stadthalle in Biberach bei „One Billion Rising“ (übersetzt: Eine Milliarde erhebt sich) mitgetanzt. Mit der Teilnahme an der Aktion wollen sie ein Signal gegen Gewalt an Frauen und Mädchen setzen. Dieses Signal ist ein Tanz, den die Tänzer vorab einstudiert haben. In Biberach findet die Aktion bereits zum vierten Mal statt. Parallel haben weltweit solche Aktionen am 14. Februar stattgefunden.

Erstmals findet der Tanz-Flashmob in Biberach auch am weltweiten Aktionstag statt. Bisher hatten die Arbeitsgruppe „Geschlechter gerecht“ und die Kooperationspartner immer am Sonntag auf dem Marktplatz zum Tanzen eingeladen. „Wir wollten einmal auch beim weltweiten Aktionstag dabei sein“, erklärt Tanztrainerin Bettina Löhle. Auf dem Marktplatz konnte die Tanzaktion in diesem Jahr nicht stattfinden, der war durch den traditionellen Fastenmarkt belegt. Die Alternative: Mehrere Orte, an denen getanzt wurde.

Politiker aufmerksam machen

Die erste Station war an der Stadthalle. Diesen Ort hatten die Organisatoren nicht grundlos gewählt: Beim Politischen Aschermittwoch der Grünen waren viele wichtige Landes- und Bundespolitiker in Biberach. Diese sollten dadurch auf die Kampagne „One Billion Rising“ aufmerksam werden, so Löhle.

Der Tanz-Flashmob soll Solidarität vermitteln, mit Frauen und Mädchen, die Gewalt erleiden mussten oder immer noch müssen. Er soll aber keine typische Projektaktion sein. „Die Betroffenen sollen spüren, dass sie nicht alleine sind“, sagt Maria Willburger, eine der Mitorganisatorinnen. Immer wieder erfahren die Organisatoren, dass auch Betroffene bei „One Billion Rising“ mittanzen und durch die Gemeinschaft Mut schöpfen, um sich zu wehren und ihren Peiniger anzuzeigen. Das sei genau das Signal, das der Flashmob senden solle, so Gertrud Koch, die die Veranstaltung ebenfalls mitorganisiert hat.

Besonders wichtig für den Flashmob ist auch die Musik und die Choreografie. Zum Lied „Break the Chain“ tanzten am Aktionstag weltweit Menschen. Inzwischen wurde es bereits in viele Sprachen übersetzt. Die Tanztrainerinnen Bettina Löhle und Erika Hermann lasen vor der Stadthalle im Wechsel den deutschen und den englischen Text vor. Dieser machte nochmals die Botschaft von „One Billion Rising“ deutlich: „Ich kann eine Welt sehen, in der wir alle leben, sicher und frei von allen Formen der Unterdrückung. Keine Vergewaltigung, Inzest oder Missbrauch. Frauen sind kein Besitz“, lautete ein Teil der Übersetzung.

Diese Botschaft war es, die auch Andrea Bachthaler zum Mittanzen bewegt hat. Sie findet es toll, dass es die Bewegung auch hier in Biberach gibt. Auch die 17-jährige Corinna Stramazza hält es für eine gute Sache und lobte die Aktion. Sie ist durch ihre Mutter dazugekommen und tanzte gerne mit. Um noch weitere Biberacher auf die Aktion aufmerksam zu machen, zog die Gruppe anschließend durch die Stadt über den Fastenmarkt zum Schadenhof und zum Viehmarkt. Dort wurde der Tanz noch weitere Male aufgeführt.

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