Tödliche Lawine: Suche nach Vermisstem wird nicht fortgesetzt

Lesedauer: 8 Min
Digitalredakteur
Deutsche Presse-Agentur

Drei Skifahrer aus dem Raum Biberach und Bad Wurzach sind bei einem Lawinenabgang in Lech getötet worden - eine weitere Person wird weiter vermisst. Mittels Handyortung konnte die Gruppe am späten Samstagabend im Bereich "Langer Zug", nördlich der Rüfikopfseilbahn, lokalisiert werden.

Da die Suche auf Grund des starken Schneefalls und der hohen Lawinengefahr für die Rettungskräfte zu gefährlich ist, kann der vermisste 28-Jährige laut Medienberichten auch am Montag nicht gesucht werden.

Zwischenzeitlich wurde die Lawinenwarnstufe für das betroffene Gebiet auf Stufe 5 erhöht. Das ist die höchte Warnstufe überhaupt. "Gefahrenstellen befinden sich vor allem oberhalb 1500 Meter, im kammnahen, windbeeinflussten Steilgelände sowie in eingewehten Rinnen und Mulden", schreibt die Landeswarnzentrale Vorarlberg in ihrer offiziellen Lageeinschätzung. 

Am Samstagabend hatte die Ehefrau eines Skifahrers gegen 19.50 Uhr eine Vermisstenanzeige aufgegeben, wie die Landespolizeidirektion Vorarlberg mitteilte. Auf Nachfrage von schwäbische.de bestätigte ein Polizeisprecher die Herkunft der Gruppe.

Der Lange Zug - eine der steilsten präparierten Skirouten der Welt

Die Gruppe dürfte in die gesperrte Skiroute "Langer Zug" eingefahren, von einer Lawine mitgerissen und verschüttet worden sein. Die Rettungsmannschaft stieg in Richtung Tälialpe auf und konnte drei Skifahrer gegen 23 Uhr nur noch tot bergen. Die Suche nach der vierten Person musste wegen starken Schneefalls und großer Lawinengefahr vorerst eingestellt werden.

Bei den drei getöteten Skifahrern handelt es sich laut Polizeiangaben um 57, 36 und 32 Jahre alte Männer. Unter den Opfern ist Stefan Scheffold, Vorstandsmitglied der Volksbank Allgäu-Oberschwaben mit Sitz in Leutkirch. Das bestätigte dessen Vorstandskollege Josef Hodrus der „Schwäbischen Zeitung“. Zu der Gruppe gehörten nach SZ-Informationen auch Mitglieder der Turngemeinde Biberach - allesamt versierte Skifahrer. Die Wintersportler hatten die gesamte Notfallausrüstung dabei. Trotz ausgelöstem Airbag wurden die Personen verschüttet.

Stefan Scheffold. (Foto: Corinna Konzett)

Im Gespräch mit schwäbische.de gab Lechs Bürgermeister Ludwig Muxel an, dass auch am Sonntagmittag die Suchaktion nicht fortgeführt werden könnte. "Derzeit erlauben es die Gegegebenheiten nicht, die Suche fortzuführen", so Muxel. Unklar ist, ob dies am Sonntag überhaupt noch möglich sein wird. Er zeigte sich geschockt über die dramatischen Ereignisse vor Ort: „Ich kann nur daran appellieren: Bitte nicht die gesicherten Pisten verlassen. Verbleiben auf jenen Pisten, die von den Lawinenschutzkommissionen entsprechend betreut werden. Und gehen Sie nicht in den freien Skiraum. Es ist große Lawinengefahr.“

„Aufgrund der großen Lawinengefahr ist es nicht sicher, ob die Suche zu verantworten ist“, teilte auf Nachfrage auch die Polizei mit. In Lech herrschte oberhalb von 2000 Metern am Samstag Lawinenstarnstufe drei, für Sonntagnachmittag rechnet die Landeswarnzentrale Vorarlberg mit einer noch größeren Gefahr, die Lawinenwarnprognose wurde angehoben. Bereits am Samstag hatte die Behörde eindringlich vor Starkschneefall gewarnt.

Die Skiroute "Langer Zug" ist eine der steilsten präparierten Skirouten der Welt. Auf Videos ist das sehr steile Gefälle nur zu erahnen. Maximal erreicht die Route ein Gefälle von 80 Prozent. In kürzester Zeit wird in nicht einmal einem Kilometer Länge ein Höhenunterschied von 373 Meter überwunden.

In Lech hatte es in den vergangenen Tagen massiv geschneit. In den vergangenen zwei Tagen kam fast ein halber Meter Neuschnee dazu, alleine am heutigen Sonntag sollen laut Wetterprognose weitere 80 Zentimeter dazu kommen. 

Wegen weiterer Schneefälle dürfte die Lawinengefahr nicht nur in der Region Arlberg weiter zunehmen. Verbreitet wird bis zum Dienstag in Hochlagen mit rund einem Meter Neuschnee und mehr gerechnet. 

Die Lawinengefahr in den Berchtesgadener Alpen ist laut Einschätzung von Experten zwar gesunken, bleibt aber dennoch erheblich. Inzwischen stufte der Lawinendienst Bayern die Gefahr in allen Gebieten der bayerischen Alpen auf Warnstufe 3 ein, das ist die dritthöchste von fünf Gefahrenstufen. In Vorarlberg gilt seit Montag vom Kleinwalsertal über den Hochtannberg und Arlberg sowie Verwall bis in die Silvretta sowie im Rätikon die höchste Lawinenwarnstufe 5, in anderen Landesteilen Stufe 4. 

Die Hauptgefahr geht demnach von großen oder sehr großen Lockerschnee- und Schneebrettlawinen aus, die sich wegen des Gewichts des Neuschnees auf den alten Schnee von selbst lösen könnten. Lawinen könnten bis in Tallagen hinabgehen. Der Warndienst empfiehlt ausdrücklich, besonders vorsichtig zu sein.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen