Sturmtief „Sabine“ wütet im Kreis Biberach - die aktuellen Entwicklungen im Überblick

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Klaus Weiss
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Das Sturmtief „Sabine“ hält seit dem Montag auch die Einsatzkräfte im Landkreis Biberach auf Trab. Viele Wehren sind unterwegs. Einige Straßen im Kreisgebiet sind gesperrt. 

  • Mehrere Haushalte ohne Strom
  • Führungsstab des Landkreises Biberach zusammen getreten 
  • Leistelle mit deutlich mehr Personal aufgestockt
  • Das Kreisforstamt rät dringend davon ab, Wälder zu betreten oder zu befahren.
  • Schulen reagieren unterschiedlich auf das Sturmtief

Die Straßensperrungen im Überblick: 

  • L 280 Wain - Dietenheim
  • L 1268 Hörenhausen - Dietenheim (Stand 10.30 Uhr: Sperrung aufgehoben)
  • L 1268 Orsenhausen - Hörenhausen
  • L 82 Schönebürg - Heggbach
  • L 266 Sulmingen - Heggbach
  • L 273 Birkenhard - Aßmannshardt
  • K 7533 Attenweiler - Richtung B 312
  • L 280 Mettenberg - Laupertshausen
  • K 7510 Ochsenhausen - Eichen
  • B 465 Oberessendorf – Mühlhausen
  • K 7564 Hochdorf – Eberhardzell
  • K 7580 Schwendi – Gutenzell
  • K 7506 Gutenzell – Kirchberg

Nach Auskunft des Landratsamts ist nicht davon auszugehen, dass die Straßen im Laufe des Tages wieder geöffnet werden.

Derzeit sei es für die Feuerwehren und Straßenmeistereien zu gefährlich die gesperrten Streckenabschnitte zu begehen. Mitarbeiter der vier Straßenmeistereien Warthausen, Riedlingen, Laupheim und Ochsenhausen sind im Einsatz. 

Der Führungsstab hat die Lage ständig im Blick.
Der Führungsstab hat die Lage ständig im Blick. (Foto: Daniel Häfele)

Nach Erkenntnissen des Führungsstabs ist am Montagmorgen ein Lastwagen auf der B30 bei Unter- beziehungs Oberessendorf umgekippt. Es kommt zu Verkehrsbehinderungen. Auch soll die Straße zwischen Oberessendorf und Winterstettendorf soll gesperrt sein. Am Morgen war zunächst auch die B312 zwischen Jordanbad und Ringschnait gesperrt.  

30 bis 40 gemeldeten Sturmschäden am Vormittag

Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Ulm spricht um 10.10 Uhr von etwa 30 bis 40 gemeldeten Sturmschäden im Landkreis Biberach. „Meist handelt es sich dabei um umgeknickte Bäume, die auf der Straße liegen, oder umgeknickte Leitungsmasten“, so ein Sprecher. Vereinzelt seien auch Bäume auf Autos gefallen.

Menschen seien nach Auskunft der Polizei im Kreis Biberach durch den Sturm bislang aber nicht zu Schaden gekommen. Im gesamten Gebiet des Polizeipräsidiums Ulm liege die Zahl der gemeldeten Sturmschäden bei ungefähr 90, so der Polizeisprecher. 

Kreisforstamtsleiter: Nicht in den Wald gehen

Den Sturm Sabine schätzt Kreisforstamtsleiter Hubert Moosmayer aktuell noch als weniger bedrohlich ein, als etwa die Orkane Vivian/ Wiebke im Jahr 1990 oder das Orkantief Lothar 1999. „Nach meinem Gefühl hat der aktuelle Sturm nicht diese Dimension.“

Die Freiwillige Feuerwehr Biberach musste mit der Drehleiter Richtung Stadtfriedhof ausrücken und einen Baum absägen, der entwur
Die Freiwillige Feuerwehr Biberach musste mit der Drehleiter Richtung Stadtfriedhof ausrücken und einen Baum absägen, der entwurzelt wurde. Wenn die Gefahr gebannt ist, rückt die Feuerwehr ab und überlässt die restliche Arbeit den Förstern. (Foto: Tanja Bosch)

Dennoch macht Moosmayer klar: „Da geht jetzt noch keiner raus, um eine erste Schadensaufnahme zu machen.“ Was für die Bevölkerung gelte, gelte schließlich auch für seine Kollegen. Während des Sturms solle niemand in die Wälder gehen, sagt Moosmayer. „Die Gefahr ist zu groß.“

Er empfiehlt den Bürgern deshalb, auch in den ersten Tagen nach dem Sturm nicht in die Wälder im Landkreis zu gehen. Der Grund: „In den Baumkronen können noch lose Äste liegen. Diese können sich lösen und herunterfallen.“ Er berichtet: „Wie es gerade in den Wäldern aussieht, kann ich nicht sagen.“ Erst in den kommenden Tagen werde sich zeigen, wie schwer die Sturmschäden sind.

Das Foto zeigt die Straße von Mettenberg in Richtung Laupertshausen, die gesperrt ist.
Das Foto zeigt die Straße von Mettenberg in Richtung Laupertshausen, die gesperrt ist. (Foto: Gerd Mägerle)

„Das erste, was wir nach dem Sturm machen, ist eine Bestandsaufnahme.“ Hierbei würden auch Waldwege geöffnet. Für die erste Notfallhilfe durch umgestürzte Bäume auf Straßen sei dagegen die Feuerwehr zuständig. Für die Abläufe nach dem Sturm sei das Kreisforstamt gewappnet. „Wir haben unser Notfallmanagement vorbereitet, damit auch die nötige Besetzung da ist.“

So sei ausreichend Personal zur Unterstützung vorgehalten. Die Wälder könne man nicht kurzfristig auf den Sturm vorbereiten, sagt er. Langfristig sei das über die Pflanzung mit standfesteren Baumarten möglich.

Seit etwa 3 Uhr am Montagmorgen sind die Mitarbeiter des städtischen Forstamts Biberach im Einsatz. „Zunächst geht es darum, wichtige Straßen und Wege wieder von Bäumen und Ästen freizubekommen, danach werden wir die Sturmschäden in unseren Wäldern aufnehmen“, sagt Amtsleiter Markus Weisshaupt.

Schäden sind da, aber im Moment ist es noch nicht so gravierend wie bei Sturm ,Niklas‘ im April 2015. 

Markus Weisshaupt

Aus zwei der drei Biberacher Reviere habe er bereits erste Schätzungen erhalten. „Danach sieht es so aus, dass wir dort insgesamt zwischen 4000 und 5000 Festmeter Sturmholz haben.“ Er hoffe, dass es am Ende maximal bei etwa 10000 Festmetern bleibe. „Schäden sind da, aber im Moment ist es noch nicht so gravierend wie bei Sturm ,Niklas‘ im April 2015“, so Weisshaupt. Damals fielen im Bereich des Forstamts Biberach rund 30000 Festmeter Sturmholz an.

Weisshaupt empfiehlt Privatpersonen dringend, diese Woche nicht in den Wald zu gehen. „Viele Äste sind jetzt locker und Bäume instabil“, sagt er. Es bleibe auch am Dienstag und Mittwoch noch stürmisch, so dass es zu weiteren Schäden kommen könne.

Feuerwehren unterwegs

In Alarmbereitschaft sind die Feuerwehren im Landkreis Biberach seit Sonntagabend. „Wir rechnen mit einer Vielschichtigkeit an Einsätzen“, sagte Biberachs Feuerwehrkommandant Florian Retsch. Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer oder umgewehte Bauzäune seien mögliche Szenarien. Die Vorbereitungen für das Sturmtief laufen seit dem Wochenende.

Die sieben Stützpunktfeuerwehren - Biberach, Laupheim, Riedlingen, Erolzheim, Ochsenhausen, Bad Schussenried und Bad Buchau - wurden am Sonntagnachmittag angewiesen, einen Führungsraum sowie eine Funkzentrale einzurichten.

Die Feuerwehren sind derzeit an vielen Stellen im Stadtgebiet unterwegs.
Die Feuerwehr Biberach war an vielen Stellen im Stadtgebiet unterwegs, um Bäume zu beseitigen. (Foto: Feuerwehr Biberach)

Erste Bäume sind am frühen Montagmorgen bereits im Biberacher Stadtgebiet umgestürzt. „Wir haben verschiedene Einsatzstellen“, sagt der stellvertretende Kommandant Florian Hofmann. Bäume seien auf Autos, Straßen oder Laternen gestürzt.

Laupheimer Wehr seit den Morgenstunden unterwegs

Auf dem Rathausplatz in Laupheim flattern nicht nur die Narrenfähnchen im lebhaften Wind - städtische Mitarbeiter haben den großen Narrenbaum vorsorglich mit rot-weißem Absperrband und Metallgittern eingekreist. Bislang jedoch halten sich Baum und die daran befestigte Dürnach-Hexe allerdings problemlos aufrecht.

 „Bisher ist alles gut“, sagt Laupheims Feuerwehrkommandant Andreas Bochtler gegen 8 Uhr am Montag. Seit den frühen Morgenstunden hatte die Wehr im Stadtgebiet und den Teilorten „vereinzelte Einsätze“. So fielen in Baustetten und Untersulmetingen zwei Bäume um, in Obersulmetingen lösten sich Dachplatten und in Laupheim die Metallverkleidung eines Balkons.

Die Stadt Laupheim hat den Narrenbaum gesichert.
Die Stadt Laupheim hat den Narrenbaum gesichert. (Foto: Barbara Braig)
Narrenbaum auf dem Laupheimer Marktplatz muss begradigt werden. Er stand leicht schief.
Narrenbaum auf dem Laupheimer Marktplatz muss begradigt werden. Er stand leicht schief. (Foto: Christoph Dierking)

Doch die Feuerwehr bleibt in Alarmbereitschaft, das Lagezentrum der Führungsgruppe Laupheim ist eingerichtet, die Einsatzkräfte stehen in den Startlöchern. „Die Einsätze werden zeitnah abgearbeitet“, erklärt Bochter. Das sei auch auf Landkreisebene der Fall. In Biberach bilden Feuerwehrleute aus dem ganzen Kreisgebiet den Führungsstab. Einer der Vorteile dabei ist die Ortskenntnis, die jeder von ihnen mitbringt.

Die Riedlinger Feuerwehr reparierte die Beleuchtung mit Hilfe eines Leiterwagens innerhalb von 20 Minuten.
Die Riedlinger Feuerwehr reparierte die Beleuchtung mit Hilfe eines Leiterwagens innerhalb von 20 Minuten. (Foto: Kai Schlichtermann)

Bis zum Montagmittag verlief Sturm „Sabine“ in Riedlingen eher glimpflich. Am frühen Morgen rückten die Feuerwehren aus, weil in Dürmentingen und Ertingen Bäume umgestürzt sind. Im Laufe des Morgens und Vormittags kippten dann weitere Bäume bei Unlingen, in der Nähe von Datthausen, auf die Fahrbahn der Bundesstraße 311.

Weitere Bäume versperrten die Landstraße bei Uttenweiler in Richtung Dieterskirch. Zwar kam es zu Behinderungen, aber Personen oder Fahrzeuge wurden nicht beschädigt. Nach Informationen der Feuerwehr hat der Wind ein Trampolin auf der Zwiefalter Straße in Riedlingen in die Luft gewirbelt und dadurch eine Straßenlampe beschädigt. Der Lampenschirm baumelte anschließend am Kabel. 

Führungsstab übernimmt Koordination

Koordiniert werden die Feuerwehren vom Führungsstab, der in den Räumen des Deutschen Roten Kreuzes in Biberach zusammengetreten ist. Die Verantwortlichen priorisieren die hereinkommenden Notrufe nach Dringlichkeit. Gegen 8.45 Uhr meldete der stellvertretende Amtsleiter für Brand- & Katastrophenschutz, Rainer Pfisterer, rund 100 laufende Einsätze. Bis 11 Uhr stieg die Zahl an der disponierten Einsätze auf 200 Stück.

47 Feuerwehr-Abteilungen - etwa 100 Stück gibt es ingesamt - seien im Einsatz, ergänzte der stellvertretende Kreisbrandmeister Klaus Merz. Gegen 12 Uhr waren es schon rund 60 Feuerwehrabteilungen und rund 700 Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner. Sie werden durch den Führungsstab des THW unterstützt.

Bei Attenweiler sei am Morgen ein Auto gegen einen Baum gefahren, so Merz. Zwei Menschen seien mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus gekommen. Gegen 3 Uhr nachts habe die Arbeit der Feuerwehren so richtig begonnen. 

Der Stellvertretende Kreisbrandmeister Klaus Merz über die Einsätze
Für die Feuerwehren im Landkreis Biberach gibt es aufgrund des Sturmtiefs "Sabine" viel zu tun.

Feuerwehrleute, die von den Einsätzen zurückkehren, warten in den jeweiligen Feuerwehrhäusern. Die Sitzbereitschaft endete zur Mittagszeit. "Dadurch ersparen wir den Einsatzkräften unnötige Anfahrtswege", so Merz. Stand 9 Uhr waren vor allem die Regionen um Laupheim, Biberach, Bad Schussenried, Ochsenhausen/Illertal von den Sturmereignissen betroffen. Im Riedlingen zeigte eine Tabelle noch wenige Einsätze der örtlichen Wehren.

Stromausfall im östlichen Kreisgebiet

Dem Stromnetzbetreiber NetzeBW liegen aktuell über 100 Meldungen in ganz Baden-Württenberg zu Störungen vor. Sturmschäden an Stromleitungen hat es von Kirchberg bis Kirchdorf entlang der Iller gegeben, in Rot an der Rot und Berkheim sowie in Dürmetingen und Alleshausen. 

Gegen 11.30 Uhr seien die meisten Haushalte und Betriebe wieder am Netz. Vermutlich werde es in Einzelfällen aber deutlich länger dauern, so die Netze BW.

Zahl der Disponenten aufgestockt

Seit dem späten Sonntagabend ist die Integrierte Leitstelle im Landkreis Biberach personell verstärkt. Drei Disponenten nahmen zunächst die Notrufe entgegen, zwischenzeitlich waren neun Disponenten im Einsatz. "Seit Mitternacht sind mehr als 700 Notrufe bei uns eingegangen" erläutert Michael Mutschler, DRK-Geschäftsführer Rettungsdienst, im Gespräch mit Schwäbische.de gegen 8.45 Uhr.

Bis 12 Uhr stieg die Zahl auf 1000 Notrufe. Gegen Mittag entspannte sich die Lage, die Zahl der Disponenten wurde auf drei reduziert.  

Sturmtief "Sabine" beschert Biberacher Leitstelle viele Anrufe
Der Geschäftsführer Rettungsdienst beim Deutschen Roten Kreuz, Michael Mutschler, erläutert, wie die Arbeit in der Integrierten Leitstelle abläuft.

Es sei für die Leistelle das erste größere Einsatzaufkommen mit neuer Technick: "Es läuft alles reibungslos." Die Leistelle sei ständig im Austausch mit den Nachbar-Leistellen wie Reutlingen, Alb-Donau oder Ravensburg. In Kombination mit den Daten des Deutschen Wetterdiensts ergebe sich so ein genaueres Bild für den Landkreis Biberach. Damit die Leitstelle im Fall eines Stromausfalls weiter arbeiten kann, wurde eine mobile Notstromversorgung aufgebaut.

  Kein Zug fährt den Landkreis an

Der öffentliche Nahverkehr, auch Busse, sind von den Straßensperrungen betroffen. Wer mit dem Zug unterwegs ist, hat derzeit auch im Landkreis Biberach keine Chance, aus Städten wie Bad Schussenried, Biberach, Laupheim und Riedlingen wegzukommen. Auf allen Strecken der DB Regio Baden-Würrtemberg verkehren derzeit keine Züge.

Dem Vernehmen nach wird die Deutsche Bahn gegen Mittag einen Probezug auf der Strecke der Donautalbahn fahren lassen, um anschließend zu entscheiden, ob der Regionalbahnverkehr in Richtung Ulm und Sigmaringen am Montagnachmittag wieder aufgenommen werden soll.

Auf der Bahntrasse der Donautalbahn lagen angeblich ebenfalls umgestürzte Bäume, beispielsweise auf dem Streckenabschnitt zwischen Mengen und Herbertingen.

Linien-Busverkehr im Raum Riedlingen fuhr weitgehend pünktlich und ohne Ausfälle, hieß es vom Bus- und Reiseunternehmen Walk in Munderkingen. Lediglich ein Baum habe die Bundesstraße 312 bei Attenweiler versperrt und die Fahrt eines Busses verzögert.

Keine gelben Säcke rausstellen

Die Müllabfuhr ist am Montagmorgen in Biberach trotz des Sturms ganz normal unterwegs gewesen. Es gab lediglich ein paar umgefallene Mülltonnen. „Die Müllabfuhr fährt“, bestätigt Bernd Schwarzendorfer, Pressesprecher des Landratsamts Biberach. „Wir empfehlen lediglich aktuell keine gelben Säcke rauszustellen.“ Die könnten, wenn möglich, bis zur nächsten Abfuhr warten. 

So gehen die Schulen mit dem Sturm um

Eltern haben an diesem Montag die Möglichkeit, ihre Kinder aufgrund des Sturms vom Unterricht zu befreien. "Bislang sind rund 40 Kinder entschuldigt", sagte der Schulleiter des Petalozzi-Gymnasiums, Peter Junginger, auf Nachfrage. Im Lauf des Morgens dürfte die Liste sicherlich noch etwas wachsen.

Ingesamt besuchen rund 770 Kinder und Jugendliche das Biberacher Gymnasium. Demnach erscheint der Großteil zum Unterricht, so der Schulleiter. Die Eltern seien gut informiert. Für etwas Verwirrung habe nur gesorgt, dass in Bayern der Unterricht gänzlich ausfällt.

Am Biberacher Wieland-Gymnasium (WG) sind am Montag zwischen 150 und 200 Schüler von insgesamt 800 nicht zum Unterricht gekommen, schätzt Schulleiter Ralph Lange. „Ich hatte ehrlich gesagt noch schlimmeres befürchtet.“ Auch einige wenige Lehrkräfte seien wetterbedingt zu Hause geblieben. „Wir haben es den Kollegen freigestellt, ob sie zum Unterricht kommen wollen“, so Lange.

„Ich finde die bayerische Lösung interessant und gut. 

Ralph Lange

Ob der Unterricht regulär nach Stundenplan verlaufe, hänge davon ab, wie viele Schüler einer Klasse da seien. „Wenn nur die halbe Klasse anwesend ist, macht es keinen Sinn, im Lernstoff weiterzumachen“, so der Schulleiter. Klar sei aber, dass die Schüler die gesamte Zeit über, die sie auch an einem normalen Montag in der Schule wären, in der Schule betreut werden.

Für den Dienstag rechnet Lange wieder mit normalem Unterrichtsablauf. Ob er eine Regelung wie in Bayern, wo alle Schulen auf Anweisungen des dortigen Kultusministeriums zu belieben, für besser hält, gibt sich der Schulleiter zurückhaltend: „Ich finde die bayerische Lösung interessant und gut.“

An der Dollinger-Realschule in Biberach – mit rund 1000 Schülern die größte Realschule des Landes – sind nach Schätzung von Schulleiter Marcus Pfab etwa ein Drittel der Schüler zu Hause geblieben. „Die meisten davon haben angerufen oder Mails geschickt, dass sie nicht kommen.“ Lehrer seien sturmbedingt nicht zu Hause geblieben, so Pfab. Deswegen könne auch der Unterricht einigermaßen geplant stattfinden.

Schüler würden aus Gründen der Verlässlichkeit auch nicht früher nach Hause geschickt. „Wir garantieren die reguläre Unterrichtszeit“, sagt Pfab. Für Dienstag rechnet er wieder mit einem normalen Schulbetrieb. Zur Entscheidung des Kultusministeriums meint er: „Besser ist es natürlich immer, man hat eine einheitliche Regelung.“

Viele leere Klassenzimmer gab es am Montag in er Biberacher Mali-Gemeinschaftsschule. Von den 220 Schülern seien etwa 30 zum Unterricht gekommen, sagte die stellvertretende Schulleiterin Stefanie Maier. „Teilweise wurden Schüler, die bereits in der Schule waren, wieder von ihren Eltern mit dem Auto abgeholt. „Wir betreuen jetzt diejenigen, die da sind“, sagt Maier.

Die Realschule und das Gymnasium in Ochsenhausen haben den Unterricht am Montag ausgesetzt. Bereits am Sonntagabend habe das Gymnasium die Eltern über die Homepage und einen E-Mail-Verteiler darüber informiert, sich am Montag um 6.30 Uhr auf der Homepage kundig zu machen.

"Wir haben dann entschieden, den Unterricht ausfallen zu lassen", sagt Elke Ray, Rektorin des Gymnasiums Ochsenhausen. Hintergrund ist, dass viele Kinder einen weiten Anreiseweg haben: "Da müssen wir verantwortungsbewusst handeln."

 Wie hier in Biberach sind vielerorts Bäume umgestürzt.
Wie hier in Biberach sind vielerorts Bäume umgestürzt. (Foto: Feuerwehr Biberach)

Wie sich im Nachgang herausgestellt habe, hätte es ohnehin Probleme im Busverkehr gegeben, so Ray. Die Kommunikation habe aus ihrer Sicht reibungslos funktioniert, keine Kinder seien in die Schule gekommen: "Es sind aber Kollgen an der Schule, die die Kinder in Empfang genommen hätten."

An der Realschule Erolzheim endet der Unterricht für alle Schüler nach der fünften Stunde. Der Nachmittagsunterricht entfalle, heißt es auf der Homepage.

An der Schemmerhofer Mühlbachschule findet der Unterricht regulär statt. „Die ersten zwei Stunden heute Morgen waren aber ganz turbulent“, erzählt Christine Schultheiß vom Sekretariat. Einige Schüler hätten sich abgemeldet. Manche Eltern hätten sich entschieden, die Kinder wegen des Sturms vorsichtshalber nicht in die Schule zu schicken. Am frühen Vormittag aber hatte sich die Situation bereits wieder normalisiert.

Im Caspar-Mohr-Progymnasium Bad Schussenried ist der Unterricht komplett ausgefallen, da die Schulbusse nicht fuhren. In der benachbarten Jakob-Emele-Realschule fehlte die Mehrzahl der Schüler, sagte die Konrektorin Anna Benz-Wannenmacher.

Weil der Busverkehr ruhte, hätten Schüler aus umliegenden Orten allenfalls mit Autos gebracht werden können. „Für die Eltern war es eine schwierige Entscheidung“, sagte Benz-Wannenmacher. In der Schule gegen sehr viele Anrufe ein von Eltern, die ihre Kinder entschuldigen wollten.

Die Münsterschule in Zwiefalten und das Progymnasium in Bad Buchau haben ganz geschlossen. Am Progymnasium sind Dachziegel runtergefallen.

Zweidrittel der Schüler fehlen an der Michel-Buck-Gemeinschaftsschule Ertingen. Der Nachmittagsunterricht ist bis auf die verlässliche Grundschule abgesagt.

Von 850 Schülern am Kreis-Gymnasium Riedlingen fehlen 400, hier entfällt ebenfalls der Nachmittagsunterricht.

Mehr als die Hälfte fehlt an der Riedlinger Realschule. Klassen werden zusammengelegt, der Nachmittagsunterricht ist gestrichen.

So reagiert ein Waldkindergarten auf die Ereignisse

16 Kinder und vier Erzieher des „Waldkindergartens Biberach – Die Waldbiber“ spielen und toben normalerweise bei Mettenberg im Wald und auf einer Wiese, wo ihre Schutzunterkunft in Form eines Bauwagens steht. Am Montag sind sie alle zu Hause geblieben. Bereits am Vorabend hatte es beim Trägerverein Überlegungen gegeben, in den Ausweichraum, der für solche Fälle in einem Gebäude der Lebenshilfe angemietet wurde, zu wechseln.

Am Dienstagmorgen um 6 Uhr war dann klar, dass der Kindergarten an dem Tag geschlossen bleibt. „Nach und nach hatten bis auf einen Fall alle Eltern die Rückmeldung gegeben, dass sie ihre Kinder daheim lassen wollen“, berichtet die Vorsitzende des Trägervereins Anna Schaut. Die, die nicht von vorneherein abgesagt hatten, hätten dann beschlossen, ihr Kind auch zu Hause lassen. Bei der Entscheidung, nicht ins Ausweichquartier zu gehen, habe man auch die Mitarbeiter im Blick gehabt, die teilweise einen langen Weg zur Arbeit durch den Orkan gehabt hätten, betont sie.

Mehrere Straßen sind von der Straßenmeisterei gesperrt worden, so wie hier nahe Hörenhausen.
Mehrere Straßen sind von der Straßenmeisterei gesperrt worden, so wie hier nahe Hörenhausen. (Foto: Elisabeth Kopriv)

Am Dienstag wird der Kindergarten nach Angaben von Anna Schaut eventuell in das Ausweichquartier bei der Lebenshilfe gehen. Je nachdem, was die Geländekontrolle ergebe, werde man ab Mittwoch wieder in Mettenberg sein, berichtet sie. Kinder und Erzieher werden sich dann allerdings nicht im Wald, sondern nur auf der sicheren Wiese, wo auch der Bauwagen steht, aufhalten.

„Die Gefahr, dass Bäume umstürzen besteht noch länger, bei dem aufgeweichten Boden reicht eine Windböe“, sagt Anna Schaut. „Als wir den Kindergarten gründeten, hatte uns das Forstamt aufgefordert, den Bauwagen nicht im Wald aufzustellen. Rückblickend muss ich sagen: Das war gut so“, sagt sie.

An den Handtmann Standorten in Biberach sind nahezu alle Mitarbeiter zur Arbeit erschienen, vereinzelt kam es zu Verspätungen. Das teilte die Firma auf Nachfrage mit. "Wir haben dafür volles Verständnis. Unsere Mitarbeiter können Fehlzeiten, die durch das Sturmtief entstanden sind, über ihr Zeitkonto oder einen Urlaubstag ausgleichen." 

Bewohner in Sorge

Manch Bewohner mit hohen Bäumen im Garten erlebt unruhige Stunden. Ein Bürger wandte sich am Sonntagabend an den Kommandanten der Erolzheimer Feuerwehr.

Wegen des aufziehenden Sturms befürchtete er, dass ein großer Baumstamm an seiner Grundstückgrenze umstürzen könnte, wie die Feuerwehr schreibt.

Nach einer Vorortbesichtigung und der Klärung der entstehenden Kosten fiel die Entscheidung: Der Baum wurde beseitigt. Im Nachgang habe sich dies als „richtige Entscheidung“ herausgestellt, weil der Stamm völlig morsch gewesen sei.

Der Sturm hat in der Nacht auch auf dem Mittelberg in Biberach gewütet: Im Garten von Familie Holz aus Biberach wurde in den frühen Morgenstunden eine Tanne entwurzelt und landete auf dem Hausdach. „Wir haben das gar nicht so richtig mitbekommen, es war die ganze Nacht so laut“, erzählt Margit Holz. Als sie allerdings um fünf Uhr aus dem Fenster gesehen hat, sah sie was passiert ist.

Den Dachdecker haben wir schon verständigt, aber die haben im Moment viel zu tun. 

Margit Holz

Eine der vier Tannen aus ihrem Garten liegt schräg auf dem Dach. Ihr Mann ist am Morgen gleich nach oben geklettert und hat Äste entfernt. „Den Dachdecker haben wir schon verständigt, aber die haben im Moment viel zu tun“, sagt Martin Holz. Auf den ersten Blick sieht es auf dem Dach so aus, als hätte es nur ein paar Ziegel getroffen. „Wenn der Dachdecker kommt, wissen wir mehr. Der schaffte dann auch die restliche Tanne vom Dach.“

Eine Tanne ist auf dem Hausdach gelandet.
Eine Tanne ist auf dem Hausdach gelandet. (Foto: Tanja Bosch)

Baum landet auf zwei Autos 

In Bad Buchau sind auch etliche Dächer beschädigt worden, wie zum Beispiel am Progymnasium, das aber sturmbedingt seine Pforten am Montag verschlossen hielt. Beim Ärztehaus am Kurpark fällte der Sturm eine mächtige Kastanie die dann nicht nur am Gebäude des ehemaligen Kindergartens das Dachgesims am Giebel wegriss, sondern auch noch auf zwei geparkte Autos fiel, die dabei zum Teil stark beschädigt wurden. 

Die Kastanie beim Ärztehaus in Bad Buchau hat zwei Autos unter sich begraben.
Die Kastanie beim Ärztehaus in Bad Buchau hat zwei Autos unter sich begraben. (Foto: Klaus Weiss)

An einem Wohnmobilparkplatz wurde ebenfalls ein größerer Baum entwurzelt, der aber keinen weiteren Schaden anrichtete. Im ganzen Stadtgebiet wurden Werbeanlagen, Blumentöpfe,Mülleimer und Bauzäune umgeworfen und dabei auch beschädigt oder sogar zerstört. Herrenlose Trampoline, Zaunlatten und sogar ein Plastikpool, Sandkästen und die Reste eines Pavillion waren buchstäblich vom Winde verweht

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