Stefan Ruf wirbt um Offenheit und Toleranz

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Symbolisch überreicht Dekan Sigmund Schänzle (r.) den Schlüssel von St. Martin an den neuen Stadtpfarrer Stefan Ruf.
Symbolisch überreicht Dekan Sigmund Schänzle (r.) den Schlüssel von St. Martin an den neuen Stadtpfarrer Stefan Ruf. (Foto: Helmut Lange)
Helmut Lange

Mit einem großen und würdigen Gottesdienst ist der neue katholische Biberacher Stadtpfarrer Stefan Ruf am Sonntagnachmittag in sein Amt eingeführt worden. Viele begeisterte Gläubige füllten dabei die Stadtpfarrkirche St. Martin.

Schon der große Einzug zeigte die Bedeutung des Ereignisses und die Freude der Kirchengemeinde. An der Spitze waren Ministranten mit dem Kreuz und Weihrauch schwenkend, dann die große Zahl der St. Martins-Chorknaben mit ihren schlichten Holzkreuzen auf der weißen Albe (Gewand). Es folgten 13 Fahnenträger, unter anderem aus der Seelsorgeeinheit Biberach und dem Frauenbund, rund 50 Ministranten, das Papstoralteam, die Diakone und die Konzelebranten (zehn Priester), Krankenhausseelsorger, die evangelischen Pfarrer Ulrich Heinzelmann und Dekan Hellger Koepff, Pastor Ansgar Hamann von der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde und schließlich Pfarrer Stefan Ruf mit den Pfarrern Paul Odoeme und Joseph Mujuni. Den Schluss markierte der katholische Dekan Sigmund Schänzle. In der vollbesetzten Kirche waren auch mehr als 100 Gäste des neuen Pfarrers, die aus Belgien, Kassel und aus seiner vorherigen Pfarrei in Stuttgart-Vaihingen.

Dekan Sigmund Schänzle betonte in seiner Begrüßung, dass dies heute ein freudiger Anlass sei, und diese große Begeisterung ist für Stefan Ruf ein kräftiger Willkommensgruß. „Es ist mir eine große Freude, die ich mit dem Dank an Gott verbinde, dass unser Priesterkollegium wieder vollzählig ist. Der neue Pfarrer, der das Leitungsamt und die Verantwortung nun für die Seelsorgeeinheit hat, ist aber auch für die Verkündigung des Evangeliums da. Es geht auch darum, ein missionarisches Zeugnis zu geben.“ Der Dekan, der diese große Feier mit Würde aber auch mit entspannter Geste leitete, schritt dann zur feierlichen Schlüsselübergabe. Dieser musste allerdings erst aus der Sakristei geholt werden, damit die symbolische Geste vollzogen werden konnte.

Viele Gratulanten

Eine große Reihe von Gratulanten mit Geschenken folgte. Die Geschenke reichten vom historischen Türknopf, überreicht vom Kirchengemeinderatsvorsitzenden Georg Bernard bis hin zu zwei Regenschirmen. Oberbürgermeister Norbert Zeidler versprach einen Geschenkkorb, Pfarrer Ruf sagte, er komme nun öfters beim OB vorbei, um mit ihm Kaffee zu trinken. Der Wunsch nach einer guten Zusammenarbeit war von allen Beteiligten zu hören. Auch Pfarrer Ruf erhofft sich ein gutes und vertrauensvolles Klima bei der Arbeit. „Es geht um die Kraft der Vergebung – immer wieder neu anzufangen.“

Kernstück war das Evangelium und die und Auslegung des Wort Gottes in der Predigt des neuen Pfarrers in Biberach. Es ging um den Ehebruch, den eine Frau begangen hat und die nach Meinung der Bürger gesteinigt werden sollte. „Es geht es darum ob diese Frau schuldig geworden ist“, so Pfarrer. Das Evangelium sage dazu nichts, das Gesetz aber schon – nämlich Steinigung. „Jesus durchkreuzt dieses Handeln. Denn er sieht den ganzen Menschen und seine Freiheit. Wir werden immer wieder schuldig, aber für Jesus gehört zu dieser Freiheit die freimachende Erfahrung von Vergebung, der Liebe und der Barmherzigkeit. Wer von Euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein, aber es flogen keine Steine“, sagte Pfarrer Ruf. Für ihn sei dies eine Richtschnur für die Kirche, auch hier in Biberach. „Es geht um die Kraft der Vergebung, es ermöglicht unter uns in den Gemeinden, Gruppierungen und Gremien immer wieder den neuen Anfang. Die wichtigste Aufgabe eines Pfarrers ist für mich sein Da-Sein in den Gemeinden.“

Eine vergebende Gemeinde sei ein Kraftwerk der Hoffnung, denn das gebe innere Ruhe. „Jede und jeder von uns ist eingeladen, diesen Weg hier in Biberach in einer geschwisterlichen Kirche zu gehen“, sagte Ruf. „Ich wünsche mir den Geist der Offenheit und Toleranz in den Gemeinden St. Alban, St. Gallus, St. Josef, Zur heiligsten Dreifaltigkeit und in St. Martin und Maria und in den muttersprachlichen Gemeinden.“ Er vertraue auf die Kraft der Vergebung und der Barmherzigkeit Jesu. „Als Überschrift für unsere künftige Kirche in Biberach sei der Beter von Psalm 51 zitiert – Nimm Deinen Geist nicht von mir, mache mich froh mit Deinem Heil, mit einem willigen Geist rüste mich aus“, so Ruf.

Im Anschluss bedankte sich der Pfarrer bei den vielen Mitarbeitern der Kirche. Lang anhaltenden Applaus erntete Pfarrer Paul Odoeme, der die Gemeinde bis heute kommissarisch geführt hatte. Ruf schloss auch die Umlandgemeinden mit dem Hinweis auf die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen mit ein.

Grußworte kamen unter anderem von den beiden evangelischen Pfarrern Heinzelmann und Koepff und von Oberbürgermeister Zeidler, der mit dem Satz endete: „Biberach hat jetzt eine neue Ruf-Bereitschaft.“ Feierlich umrahmt wurde der Festgottesdienst vom Kirchchor Biberach unter Norbert Borhauer, sowie den St.-Martins-Chorknaben unter Johannes Striegel.

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